Rettung aus dem Bootsinferno

03. September 2019 16:04; Akt: 03.09.2019 16:04 Print

«Mayday! Mayday! Ich kann nicht atmen»

Mitten in der Nacht begann es an Bord der Conception zu brennen. Aufnahmen des Notrufs offenbaren den verzweifelten Überlebenskampf der Opfer.

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Bob und Shirley Hansen aus der Ortschaft Madera in Kalifornien wurden um 3.30 Uhr durch lautes Klopfen geweckt. Das Paar schlief auf seiner Jacht Grape Escape bei der Platts-Bucht in der Nähe der Insel Santa Cruz, als plötzlich nicht weit davon entfernt auf der Conception das Feuer ausbrach. Insgesamt waren zum Zeitpunkt des Brandes 39 Menschen an Bord.

Fünf Menschen, alle Besatzungsmitglieder, waren nur in Unterwäsche gekleidet ins Wasser gesprungen und bis zur Grape Escape geschwommen. Die Männer hätten verzweifelt geklopft, schildert Bob Hansen gegenüber dem Sender «KEYT». Er half ihnen, ins Boot zu steigen. Einer von ihnen hatte ein gebrochenes Bein und litt unter schrecklichen Schmerzen. Ein anderer hatte sich den Knöchel verrenkt. Die anderen drei seien unverletzt geblieben, zwei von ihnen paddelten kurz danach wieder zurück, um nach Überlebenden zu suchen.

Aufnahmen des Notrufs veröffentlicht

Doch die Rettung auf der Conception war unmöglich. Das Feuer und die davon ausgehende Hitze waren so intensiv, dass die Einsatzkräfte nicht an Bord der Jacht gehen konnten. Die Flammen seien wegen des an Bord gelagerten Benzins immer wieder neu entfacht worden. Die Bootstanks konnten mehr als 6000 Liter Treibstoff fassen.

Das Boot sank noch während der Löscharbeiten. US-Medien veröffentlichten Aufnahmen des Notrufs, den die Besatzung der Conception um 3.15 Uhr an die Küstenwache abgesetzt hatte. Darauf waren mehrere «Mayday!»-Rufe zu hören sowie der Ausruf «Ich kann nicht atmen».

Zudem ist ein Vertreter der Küstenwache zu hören, der nach der Position der Conception fragt. Dann will er wissen, ob die Passagiere das Boot verlassen könnten und ob sich Feuerlöscher an Bord befänden. Die Antwort darauf ist jedoch unverständlich.

«Es gibt keine Notausstiegsluke für die Leute an Bord»

Auf einem zweiten Mitschnitt ist nur die Stimme eines Küstenwachen-Mitarbeiters zu hören. «Ihr Schiff brennt, ist das korrekt?», fragt er. «Roger. Sind Sie auf der Conception? Roger. Und da sind 33 Menschen an Bord des brennenden Schiffs und die kommen nicht runter? Roger. Sind die Leute auf dem Boot eingeschlossen? Roger. Können Sie zurück auf das Boot und die Tür öffnen, sodass sie runterkönnen? Roger. Sie haben keine Ausrüstung, um das Feuer zu bekämpfen, nichts?» Dann ist die Stimme eines der Opfer zu hören: «Es gibt keine Notausstiegsluke für die Leute an Bord.»

Das rund 23 Meter lange Touristenboot Conception war in der Nähe der Insel Santa Cruz in Brand geraten. Angaben des Veranstalters Truth Aquatics zufolge sollten Besatzung und Passagiere der Conception im Verlauf des Montags von einem dreitägigen Tauchausflug rund um die Insel zurückkehren. Das Schiff sei mit 46 Schlafkojen ausgestattet gewesen.

Die Gewässer rund um die Unglücksstelle vor der Küste Südkaliforniens sind eine bei Touristen und Wassersportlern beliebte Ausflugsregion.

(kle)