Rabatz in Russland

17. Juni 2011 14:59; Akt: 17.06.2011 16:02 Print

Medwedews Seitenhieb gegen Putin

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat vor einer Ein-Mann-Herrschaft gewarnt. Wen oder was er wohl damit bloss gemeint hat?

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Dimitri Medwedew beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg. (Bild: Reuters)

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Dmitri Medwedew, seines Zeichens Präsident von Russland, schiesst unerwartet gegen einen Verbündeten. In einer Rede warnte er ausdrüclich vor einer Ein-Mann-Herrschaft. Beobachter werteten dies als deutliche Kritik an Ministerpräsident Wladimir Putin, seinem langjährigen Weggefährten und wahrscheinlichen Konkurrenten im Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Jahr.

Gleichzeitig warnte der Kremlchef vor einer Phase wirtschaftlichen Stillstandes in Russland. «Die berühmte Stabilität könnte eine weitere Periode der Stagnation verdecken», sagte Medwedew am Freitag am Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

Mehr Unabhängigkeit

Zugleich warb Medwedew für eine Verringerung der Abhängigkeit von Erdöleinnahmen. Ansonsten könne Russland in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, wenn der Ölpreis falle. Im Bemühen um Abgrenzung zu Putin stellte Medwedew erneut Privatisierungspläne in den Mittelpunkt seiner Wirtschaftsstrategie.

Diese seien noch «zu bescheiden» und müssten von der Regierung bis Anfang August überarbeitet werden, sagte der Staatschef und warnte vor einer Dominanz der Staatsbetriebe. «Ja, Modernisierung ist schwierig. Aber wir haben nicht das Recht zu warten», sagte Medwedew, der sich zuletzt immer wieder als Modernisierer präsentierte.

Bisher haben sich weder Putin noch Medwedew dazu geäussert, ob sie erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Mit grosser Aufmerksamkeit wird weltweit das Verhältnis zwischen beiden Politikern beobachtet. Zuletzt meinten viele, ein Zerwürfnis erkennen zu können.

(sda)