Machtkampf

03. März 2011 17:27; Akt: 03.03.2011 17:42 Print

Mehr als 200 000 Ivorer auf der Flucht

Nach heftigen Strassenkämpfen in Abidjan sind Hunderttausende aus dem Gebiet in der Elfenbeinküste geflohen. Mindestens 26 Menschen sind in den vergangenen 24 Stunden getötet worden.

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Die Kämpfe in der Elfenbeinküste vertrieben Hunderttausende. (Bild: Keystone)

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Seit Tagen war es im Stadtteil Abobo bereits zu Kämpfen zwischen der Polizei, die den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo unterstützt, und Soldaten gekommen, die hinter dem Sieger der jüngsten Wahlen, Alassane Ouattara, stehen.

Sicherheitskräfte erschossen am Donnerstag mindestens sieben Teilnehmerinnen einer Demonstration für Oppositionsführer Ouattara. Sechs Frauen seien sofort ums Leben gekommen, eine weitere sei im Spital gestorben, berichteten Augenzeugen.

Die Frauen hätten sich an einer Strassenkreuzung im Stadtteil der Metropole Abidjan versammelt, als uniformierte Männer aus Fahrzeugen das Feuer auf sie eröffneten. Bereits in der vergangenen Woche war das Viertel Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Ouattaras und Gbagbos.

Nach UNO-Angaben kamen bei dem Machtkampf seit der Präsidentschaftswahl im November 2010 mindestens 365 Menschen ums Leben. Diplomaten rechnen jedoch mit weit mehr Opfern. Das ivorische Militär gibt Tote in den eigenen Reihen sowie durch Soldaten getötete Zivilisten selten bekannt.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) empfiehlt Schweizer Bürgerinnen und Bürgern seit letztem Freitag, die Elfenbeinküste vorübergehend zu verlassen und die Schweizer Botschaft in Abidjan über die Abreise zu informieren. Bereits seit dem 7. Dezember rät das EDA von Reisen in das westafrikanische Land ab.

147 Schweizer in der Elfenbeinküste

Nach Informationen der Schweizer Botschaft in Abidjan leben zurzeit 147 Schweizer Bürger in der Elfenbeinküste, wie EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger auf Anfrage sagte. 40 von ihnen arbeiten für die UNO, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) oder für die Schweizer Botschaft.

Die Botschaft sei auch in Kontakt mit den Vertretungen anderer Staaten in Abidjan. Das erlaube es, mögliche Massnahmen wie etwa eine Evakuierung zu koordinieren, hiess es beim EDA weiter.

Der Schweizer Zementfabrikant Holcim, der in Abidjan nach eigenen Angaben ein kleines Mahlwerk mit 200 Angestellten betreibt, hat seine ausländischen Mitarbeitenden bereits evakuiert, wie ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag sagte.

Bei Barry Callebaut, dem weltweit grössten Schokoladenproduzenten, hiess es, die beiden Fabriken in der Elfenbeinküste mit insgesamt 450 Mitarbeitern produzierten weiter.

Bisher habe es keine Sicherheitsprobleme gegeben, sagte ein Sprecher des Konzerns in Zürich. Zu einer möglichen Evakuierung ausländischer Mitarbeiter wollte er keine Angaben machen. Die Elfenbeinküste ist der wichtigste Kakao-Produzent.

Banken geschlossen

Der Genfer Warenprüfkonzern SGS ist daran, seine wenigen ausländischen Mitarbeiter in der Elfenbeinküste ausser Landes zu bringen, wie der Konzernsprecher Jean-Luc de Buman auf Anfrage sagte.

Wegen der prekären Sicherheitslage könne das Unternehmen nur etwa zu 20 Prozent arbeiten. Zurzeit seien auch die Banken geschlossen, was möglicherweise Probleme bei der Überweisung der Märzlöhne an die 450 Mitarbeiter geben könnte. SGS ist in der Elfenbeinküste vor allem in der Fahrzeuginspektion, der Prüfung von Saatgut und von Importgütern tätig.

Auch die meisten ausländischen Mitarbeiter von Nestlé haben die Elfenbeinküste verlassen. Die Aktivitäten in dem Land würden in reduziertem Umfang fortgesetzt, teilte ein Sprecherin auf Anfrage mit. Der Nahrungsmittelriese beschäftigt mehr als 1000 Personen in dem Land. Er betreibt eine Bouillon- und eine Kaffeefabrik sowie ein Forschungszentrum.

Seit den Präsidentschaftswahlen vom 28. November leidet die Elfenbeinküste unter einer politischen Krise. Die zwei Kandidaten Gbagbo und Ouattara beanspruchen den Wahlsieg für sich. Ouattara wurde von der UNO und auch von der Schweiz als Wahlsieger anerkannt.

(sda)