Sizilien

16. April 2015 16:39; Akt: 20.04.2015 14:41 Print

Mehr als 40 Flüchtlinge ertrinken bei Bootsunglück

Erneutes Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Vor Sizilien hat ein Schlauchboot havariert. Mindestens 40 Migranten kamen ums Leben.

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Am 12. und 13. April griff die italienische Küstenwache 42 Flüchtlingsboote auf. Viele Migranten wurden nach Messina auf Sizilien gebracht. Nun kam es wieder zu einem Flüchtlingsdrama. (Bild: AFP/Giovanni Isolino)

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Vor Sizilien ist ein Schlauchboot mit Flüchtlingen an Bord gesunken. Mindestens 40 Menschen sind ertrunken, wie BBC unter Berufung auf italienische Medien berichtet. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) spricht von 41 Toten.

Die IOM mit Sitz in Genf teilte am Donnerstag mit, vier Migranten hätten das Unglück nach ihrer Ankunft im italienischen Hafen Trapani gemeldet. Insgesamt seien dort am Donnerstag 580 Flüchtlinge gelandet.

Vier Tage auf See

Nach Angaben der IOM entdeckte ein Helikopter im Meer treibende Menschen, die dann vom italienischen Marineschiff Foscari gerettet wurden. Es handle sich um zwei Nigerianer, einen Ghanaer und eine Person aus Niger. Die Menschen hätten Tripolis in Libyen am Samstag verlassen und vier Tage lang auf See ausgeharrt.

Erst vor drei Tagen hatte eine andere Flüchtlingstragödie vor der libyschen Küste im Mittelmeer für Schlagzeilen gesorgt. Die Hilfsorganisation Save the Children hatte am Dienstag unter Berufung auf Überlebende mitgeteilt, es seien womöglich rund 400 Menschen ertrunken. Die italienische Küstenwache hatte 145 Betroffene des Unglücks gerettet. Neun Leichen wurden geborgen. Nach Angaben von Entwicklungshelfern berichteten Überlebende, dass sich bis zu 550 Menschen an Bord der Flüchtlingsschiffs befunden hätten.

Vorwurf gegen Muslime

Im italienischen Palermo wurden unterdessen am Donnerstag 15 muslimische Flüchtlinge aus Afrika festgenommen und des Totschlags beschuldigt. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Überfahrt Richtung Europa zwölf Christen über Bord geworfen zu haben. Den Festgenommenen werde «mehrfacher Totschlag erschwert durch religiösen Hass» vorgeworfen, teilte die Polizeipräfektur von Palermo am Donnerstag mit.

Das Drama soll sich im Mittelmeer vor Sizilien zugetragen haben. Es sei zu einer Schlägerei zwischen den Gruppen gekommen, bevor zwölf Menschen ins Wasser geworfen worden und ertrunken seien, teilte die Polizei mit. Die Opfer seien christlichen, die Täter muslimischen Glaubens gewesen.

Die Polizei bezog sich nach eigenen Angaben auf Aussagen von etwa zehn Überlebenden aus Nigeria und Ghana, die am Mittwoch nach einer Rettungsaktion auf See in Palermo angekommen waren. Sie gaben an, den Zwischenfall beobachtet zu haben. Die Überlebenden retteten sich nach eigenen Angaben, indem sie sich aneinanderketteten und darum kämpften, an Bord zu bleiben.

Tausende kommen im Mittelmeer um

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass im vergangenen Jahr 3500 Migranten im Mittelmeer umkamen. 2013 waren es 600. Da nur wenige Leichen geborgen werden, werden viele Todesfälle nie offiziell bestätigt.

Seit dem vergangenen Jahr sind mehr als 280'000 Menschen – zumeist aus Syrien, Eritrea und Somalia – illegal in die EU gekommen. Viele wählen den lebensgefährlichen Seeweg über Libyen, ein Land, das inzwischen selbst in eine Spirale aus Gewalt und Chaos versunken ist.

(mlr/sda)