Merkel kritisiert Tafel

27. Februar 2018 11:38; Akt: 27.02.2018 16:52 Print

Essenshilfe nimmt nur deutsche Neukunden auf

Die Essener Tafel nimmt seit Mitte Januar nur noch Neukunden mit deutschem Ausweis auf. «Nicht gut», rügt Kanzlerin Angela Merkel. Jetzt hält der Verein eine Krisensitzung ab.

Die Essener Tafel wollte nur noch Deutsche in die Liste der Hilfsbedürftigen aufnehmen. Daraufhin hagelte es harte Kritik.

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Aufgrund der Zunahme von Flüchtlingen sei der «Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen», erklärte die Essener Tafel im Dezember. Die Einrichtung sehe sich gezwungen, «zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen». Umgesetzt wurde die Entscheidung, nur noch deutsche Neukunden aufzunehmen, Mitte Januar.

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Ist das Vorgehen der Essener Tafel für Sie nachvollziehbar?

Jetzt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagiert. Sie lehnt Aufnahmestopps für Ausländer wie im Fall der Essener Tafel ab. «Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen», sagte sie am Montagabend in einem Interview mit «RTL aktuell». Dies sei «nicht gut», zeige aber «auch den Druck, den es gibt». Sie hoffe auf «gute Lösungen», «die nicht Gruppen ausschliessen». Die Debatte über die Essener Tafel habe zugleich gezeigt, «wie viele Menschen auf so etwas angewiesen sind».

Dobrindt hat Verständnis

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zeigte am Dienstag Verständnis für das umstrittene Vorgehen der Essener Tafel-Verantwortlichen. Er habe mit dem Vorsitzenden der Essener Tafel, Jörg Sartor, telefoniert, sagte Dobrindt in Berlin. Die Sichtweise der Essener Helfer erscheine ihm «nachvollziehbar». Die Situation bei der Lebensmittelausgabe in Essen zeige, «dass die Integrationsfähigkeit unseres Landes eine Grenze hat».

An einer Krisensitzung wurde am Dienstag beschlossen, dass ein runder Tisch nach Lösungen für die offenkundigen Probleme bei der Arbeit der Tafel in der Ruhrgebietsstadt suchen soll. In dem Gremium sollen neben der Essener Tafel die Essener Wohlfahrtsverbände und der Verbund der Essener Migrantenselbstorganisationen vertreten sein, wie die Stadt Essen mitteilte. Zunächst bleibt der umstrittene Aufnahmestopp in Kraft.

Tafel-Chef: «Einfach nur wieder gerecht verteilen»

Dem Statement der Kanzlerin war teils heftige Kritik über das Vorgehen der Essener Tafel vorausgegangen. Der paritätische Gesamtverband etwa sprach von einer «ethnischen Diskriminierung», die sofort beendet werden müsse.

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte die Massnahme. Diese habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Es solle einfach nur wieder gerecht verteilt werden. Zuletzt seien immer weniger Einheimische gekommen, gerade ältere Frauen hätten sich von jungen, fremdsprachigen Männern abgeschreckt gefühlt. Auch alleinerziehende Mütter seien immer häufiger weggeblieben. Auf der Website des Tafel-Dachverbands äusserte er zudem die Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage.

Essener Tafel weist Migranten ab

Polizei verfolgt Graffiti-Schmierereien

In der Nacht zum Sonntag haben Unbekannte Graffiti auf Fahrzeuge und Türen der Hilfseinrichtung geschmiert. Nach Polizeiangaben wurden die Worte «Nazis» und «Fuck Nazis» auf sechs parkierte Autos und Türen der Essener Tafel aufgesprüht.

Die Polizei und der Staatsschutz nahmen Ermittlungen auf. Ein Zusammenhang der Schmierereien mit der Entscheidung der Essener Tafel, zunächst nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kundendatei aufzunehmen, sei «nicht ausgeschlossen», sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Die rund 930 Tafeln in ganz Deutschland verteilen Lebensmittel, die beispielsweise Supermärkte gespendet haben. Wer Kunde bei einer Tafel werden will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, etwa über einen Hartz-IV-Bescheid.

(kko/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swiss am 27.02.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Finde ich super von der Tafel!!! Das eigene Volk sollte immer vorrang haben, egal in welchem Land.

  • Deutscher am 27.02.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    viele deutsche bedürftigte haben jahrelang auf die tafel zählen können. durch die migranten wird dieses angebot überlastet, diese haben früher auch keine steuern bezahlt

  • lerin am 27.02.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre es nicht die Aufgabe

    von Frau Merkel dafür zu sorgen dass nicht "viele Menschen auf so etwas angewiesen sind"?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nordkantonler am 27.02.2018 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten

    Niemand ist wirklich auf Tafeln angewiesen. Das soziale Netz in Deutschland lässt niemanden verhungern - andernfalls wären ja jedes Jahr zahlreiche Todesfälle in Regionen zu verzeichnen, in denen es keine Tafeln gibt. Das Problem liegt nicht an mangelnder staatlicher Unterstützung, sondern oftmals schlicht an der Motivation und Prioritätensetzung der Betroffenen: wer sich sein Geld beim Amt nicht holt, dem wird es natürlich nicht aufgedrängt, wer die 5EUR nicht im Aldi ausgibt, sondern zur Tafel geht, kann sich später noch eine Schachtel Zigaretten kaufen.

  • lerin am 27.02.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre es nicht die Aufgabe

    von Frau Merkel dafür zu sorgen dass nicht "viele Menschen auf so etwas angewiesen sind"?

    • Nordkantonler am 27.02.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      Sozialhilfe und Wohngeld gibt es.

      Niemand ist wirklich auf Tafeln angewiesen. Es ist halt wirtschaftlicher, sich kostenlose Lebensmittel abzuholen, anstatt sie im Supermarkt zu kaufen.

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  • Christian B. am 27.02.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Umkehren..

    Essen nur noch an "nicht Deutsche" verteilen. Der Applaus (fast) aller, inkl. Merkel wäre der Organisation auf sicher.

  • AlainvB am 27.02.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nachvollziehbar

    Zuerst muss dem eigenen Volk geholfen werden, erst dann kann man auch anderen helfen

  • Xanthippe am 27.02.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Punkt ist doch...

    dass es für ein "reiches" Deutschland eine Schande ist, dass so viele Menschen in Armut leben.