Treffen mit Ukraine-Präsident

18. Juni 2019 18:55; Akt: 18.06.2019 18:55 Print

Merkel erleidet heftigen Zitter-Anfall

Beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj fing die deutsche Bundeskanzlerin Merkel heftig an zu zittern. Später erklärte sie, woran das lag.

Die Bundeskanzlerin empfing am Dienstagmittag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski zum Antrittsbesuch vor dem Kanzleramt. Dabei zitterte Angela Merkel extrem. (Video: AP und Reuters)
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Beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich gezittert. Darauf angesprochen sagte die 64-Jährige bei der anschliessenden Pressekonferenz, sie habe das Problem mit viel Wasser gelöst. «Ich habe mindestens drei Gläser Wasser getrunken - das hat offensichtlich gefehlt. Insofern geht es mir sehr gut», sagte Merkel.

Gut eine Stunde zuvor hatte die Kanzlerin den ukrainischen Präsidenten mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen. Während sie mit ihrem Gast in der sommerlichen Hitze auf dem Podium stand, war ihr Zittern deutlich zu bemerken. Selenskyj sagte später, die Kanzlerin habe an seiner Seite gestanden - insofern sei sie «in völliger Sicherheit» gewesen.

Merkel will Sanktionen gegen Russland verlängern

Bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem neuen ukrainischen Präsidenten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel klare Bedingungen für eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland gestellt. Solange bei der Wiederherstellung der Souveränität und der territorialen Integrität der Ukraine keine Fortschritte erzielt würden, könnten «die Sanktionen nicht aufgehoben werden», sagte Merkel auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Berlin. Russland lege hinsichtlich der Ukraine «sehr rechtswidriges Verhalten» an den Tag.

Die Bundeskanzlerin zeigte sich gleichzeitig gesprächsbereit: «Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir ohne Gespräche und ohne Kontakte die Probleme auch nicht aus der Welt ausräumen können», fügte die Kanzlerin hinzu. Es gebe daher Bemühungen, einen Weg zurück in den Europarat für Russland zu finden. Dazu müssten allerdings «bestimmte Bedingungen erfüllt sein», sagte Merkel.

Russland droht Ausschluss aus Europarat

Russland boykottiert die Arbeit der Parlamentarier-Versammlung, seit diese im April 2014 als Reaktion auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim Sanktionen verhängte. Im Juni 2017 stellte Russland zudem seine Beitrittszahlungen an den Europarat ein. Laut Satzung droht einem Land der Ausschluss, wenn es zwei Jahre lang keine Beiträge zahlt.

Merkel hatte den ukrainischen Staatschef bei dessen Antrittsbesuch in Deutschland am Mittag mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen. Bei einem Mittagessen sprachen die beiden neben dem Konflikt in der Ostukraine über die bilateralen Beziehungen und den Reformprozess in der Ukraine. Selenskyj strebt eine Mitgliedschaft seines Landes in der Nato und der EU an.

Weitere Treffen geplant

Der ukrainische Präsident bedankte sich für die Unterstützung Deutschlands im Ostukraine-Konflikt und wandte sich auch an diejenigen, die eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland forderten: «Wir wollen nicht, dass unsere europäischen Partner unter diesen Sanktionen leiden, aber es ist der einzige Weg ohne Blutvergiessen zur Beendigung dieses Konflikts zu kommen.»

In Deutschland hatten sich zuletzt einzelne Wirtschaftsvertreter und Politiker für eine Aufhebung der Sanktionen ausgesprochen, die von der EU als Reaktion auf die Annexion der Krim 2014 und das russische Verhalten in der Ostukraine verhängt worden waren.

Merkel und Selenskyj stellten eine baldiges Treffen im Normandie-Format zur Ostukraine in Aussicht. «Wir stehen bereit», sagte die Kanzlerin mit Verweis auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Für den 12. Juli sei zunächst ein Beratertreffen angesetzt.

(afp)