Kampfkandidatur

24. Februar 2020 19:31; Akt: 24.02.2020 20:27 Print

Merz will für CDU-Vorsitz kandidieren

Die CDU läuft Gefahr, die innerparteiliche Spaltung zu vertiefen. Am 25. April entscheidet ein Sonderparteitag die Führungsfrage der Partei.

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Die CDU wird erneut in einer Kampfkandidatur über ihren künftigen Parteivorsitz entscheiden. Nach dem CDU-Aussenpolitiker Norbert Röttgen will sich auch der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz um den Vorsitz bewerben.

Das erfuhr die Nachrichtenagentur DPA am Montag aus Parteikreisen. Merz will an diesem Dienstag vor die Medien treten.

Damit läuft die CDU Gefahr, die innerparteiliche Spaltung zu vertiefen. Gewählt werden soll auf einem Sonderparteitag am 25. April in Berlin. Mögliche Bewerber würden noch in der laufenden Woche erklären, ob sie kandidieren wollten, kündigte die scheidende Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer nach Gremiensitzungen der Partei am Montag in Berlin an.

«Präjudiz» für die Kanzlerkandidatur

Kramp-Karrenbauer geht davon aus, dass es auch bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn Interesse an einer Bewerbung gebe. Alle bisher gehandelten Favoriten gehören dem nordrhein-westfälischen CDU-Landesverband an.

Die CDU-Chefin sieht in der Entscheidung über den Parteivorsitz auch ein wichtiges Signal und ein ganz klares «Präjudiz» für die Kanzlerkandidatur der CDU. Sie habe in den vergangenen Wochen mit den möglichen Kandidaten und auch mit CSU-Chef Markus Söder dazu Gespräche geführt. Söder hatte wiederholt klar gemacht, dass er bei der Kanzlerkandidatur ein Wörtchen mitzureden gedenke.

«Sehr verwundert»

Nun zeigte sich die CSU-Spitze verärgert über die Äusserungen Kramp-Karrenbauers. «Man sei sehr verwundert über das Vorgehen, das sei so nicht abgesprochen gewesen», hiess es in München. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte dem «Münchner Merkur», es sei «gut, dass die CDU einen klaren Fahrplan hat, wie sie zu einem neuen Parteivorsitzenden kommen will. Andere Fragen - gerade nach der Kanzlerkandidatur - verbinden sich damit nicht.»

Blume ermahnte die CDU: «Es kommt hier auf das richtige Timing an und das ist definitiv nicht mehr in diesem Jahr.» Kramp-Karrenbauer argumentierte, wie man zu einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten mit der CSU kommen werde, müsse ihr Nachfolger als Parteichef klären.

Kramp-Karrenbauer betonte, es bestehe Einvernehmen, dass sich auch die in einer Kampfabstimmung Unterlegenen in die Parteiarbeit einbinden würden. Davon erhofft sie sich ganz offensichtlich, dass selbst nach einer knappen Entscheidung die innerparteiliche Spaltung nicht weiter vertieft werde.
Nachdem sie selbst sich im Dezember 2018 nur knapp gegen Merz durchsetzen konnte, gab es immer wieder Kritik aus dem Merz-Lager an Kramp-Karrenbauer. Bei der jetzigen Wahl soll auf Regionalkonferenzen, bei denen sich die Kandidaten vorstellen können, verzichtet werden.

(sda)