G8-/G20-Gipfel

26. Juni 2010 08:40; Akt: 26.06.2010 08:48 Print

Milliarden für arme Kinder und Mütter

Im Kampf gegen Mütter- und Kindersterblichkeit in armen Ländern wollen die sieben grossen Industrienationen und Russland (G8) 7,3 Milliarden US-Dollar mobilisieren.

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Mit 7,3 Milliarden Franken wollen die G8 Kindern und Müttern in armen Ländern helfen. (Bild: Reuters)

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Hilfsorganisationen begrüssten die neue Initiative, die bis 2015 laufen soll. Sie kritisierten aber die umgerechnet knapp 8 Milliarden Franken als völlig unzureichend. «Das ist weniger als unsere geringsten Erwartungen», sagte der kanadische Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam, Robert Fox. «Das zeigt, dass der Tod von tausenden Frauen und Kindern auf globaler Ebene immer noch nicht ernst genommen wird.» Marwin Meier von World Vision sagte: «Das Geld wird hinten und vorne nicht reichen.»

Jedes Jahr sterben in Entwicklungsländern fast neun Millionen Kinder unter fünf Jahren. Das sind jede Stunde etwa 1000 Kinder. Mit der Initiative sollen die beiden Millenniumsziele vorangebracht werden, den Tod von Kindern unter fünf Jahren bis 2015 um zwei Drittel zu reduzieren, bei Müttern um drei Viertel.

Von allen der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsvorgaben hinken die Staaten bei diesen beiden Punkte am meisten hinterher. Um die Ziele noch zu erfüllen, halten Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen (UNO) 24 Milliarden US-Dollar bis 2015 für notwendig.

Für die nach dem Tagungsort benannte «Muskoka Initiative» geben die G8-Staaten fünf Milliarden US-Dollar. Die Stiftung des Microsoft- Gründer Bill Gates und fünf andere Länder spenden zusätzlich 2,3 Milliarden US-Dollar, wie Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper berichtete.

Kanada geht mit gutem Beispiel voran

Kanada sagte allein 1,1 Milliarden kanadische Dollar an neuen Geldern für das Programm zu, die USA geben 1,3 Milliarden US-Dollar. Der deutsche Beitrag wurde zunächst nicht beziffert. Die Gates- Stiftung gibt 1,5 Milliarden US-Dollar, während Spanien, Neuseeland, Schweiz, Niederlande und Norwegen rund 800 Millionen zugesagt haben.

Da die Initiative auf seine Anregung erfolgt sei und es Kanada in der Weltwirtschaftskrise vergleichsweise gut gehe, sei es nur «angemessen», dass sein Land sich stärker als andere beteilige, sagte Harper.

Er versicherte zudem, es handle sich bei dem Geld um zusätzliche Ausgaben. Hilfsorganisationen hatten gewarnt, die Mittel aus bestehenden Entwicklungshilfe-Haushalten zu nehmen. Dann hätten andere Programme darunter zu leiden.

«Die Wahrheit ist, dass bei gleichbleibenden Entwicklungshilfebudgets jedes neue Geld für die Initiative aus anderen wichtigen Bereichen wie Bildung und Ernährungssicherung abgezogen werden muss», sagte Jörn Kalinski von Oxfam.

Leere Versprechen

Den G8-Staaten wurden leere Versprechen vorgeworfen. Im Communiqué des Gipfels müsse zur Sprache kommen, dass frühere Hilfszusagen aus dem Jahr 2005 im schottischen Gleneagles in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar für die armen Länder nicht eingehalten worden seien.

Es müsse ein Plan vorgelegt werden, wann die ausstehenden 20 Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden. Dagegen hatten die G8- Staaten nur eingeräumt, dass ein Fehlbetrag von zehn Milliarden besteht.

Scharfe Kritik übte Oxfam daran, dass Gastgeber Kanada offensichtlich erreichen wolle, die Ziele von Gleneagles erstmals nicht mehr im Communiqué eines G8-Gipfels zu erwähnen. Ein generelles Bekenntnis zum Kampf gegen Armut, wie im Entwurf geplant, reiche nicht.

«Man rettet keine Leben, indem man gebrochene Versprechen hinter Schall und Rauch versteckt», sagte Kalinski.

(sda)