Waldbrände in Russland

10. August 2010 15:21; Akt: 10.08.2010 22:33 Print

Milliarden gehen in Flammen auf

von Vladimir Isachenkov, AP - Die Waldbrand-Katastrophe in weiten Teilen Russlands hat einem Bericht zufolge Schäden von umgerechnet elf Milliarden Euro angerichtet.

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Rund um die Hauptstadt loderten noch vier Wald- und fünf Torfbrände. In ganz Russland stünden noch Hektar in Flammen, hiess es am 18. August. Oleg Mikhailov (42) birgt Münzen, die er im von Bränden versehrten Dorf Kartonosovo in der Region Riazan gefunden hat (180 Kilometer südöstlich von Moskau), 12. August 2010. Kartonosovo. Feuerwehrmann in der Nähe des Dorfes Ryabinovka in der Region Riazan. Ein Löschflugzeug wirft seine Ladung etwas ausserhalb der Stadt Schatura ab, 110 Kilometer südöstlich von Moskau. Feuerwehrmann vor Schatura. Dicke Luft in Moskau. Hund mit Schutzmaske am 10. August 2010. Seit Wochen lodernde Wald- und Torfbrände haben Mitte August dafür gesorgt, dass Moskau unter einer dicken Smogschicht begraben liegt. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu langen Verspätungen, mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Die Sterblichkeitsrate in der russischen Hauptstadt schnellte im Vergleich zum Saisondurchschnitt auf fast das Doppelte. Jeden Tag werden 700 Todesfälle gemeldet. Die Schadstoffe in der Luft waren gegenüber dem Grenzwert um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Dicke Luft auf dem Roten Platz. Grund für den Smog sind die in Russland seit Wochen wütenden Wald- und Torfbrände. Laut der Umweltschutzorganisation WWF wurden mehr als 7000 Brandherde gezählt. Tausende Einsatzkräfte bemühen sich darum, die Flammen einzudämmen. Die Regierung hat die Zahl der Soldaten massiv aufgestockt. Mittlerweile sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 10 000 Mann im Einsatz. Sie sollen Brandschneisen anlegen ... ... und Wasserleitungen bauen. Regierungschef Wladimir Putin sagte bei einem Besuch von Feuerwehrleuten in der besonders betroffenen Region um die Stadt Woronesch, die Lage bleibe angespannt und gefährlich. Die Feuerwalze bedroht nach Angaben der russischen Regierung auch 89 erdölverarbeitende Betriebe. Die Raffinerien verfügen weder über automatische Feuerlöschanlagen noch über Giftgas-Warnsensoren. Wegen der heranrückenden Waldbrände haben die russischen Behörden ausserdem die Atomanlage in Sarow gesichert. Alle radioaktiven und explosiven Materialien wurden aus der 500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Anlage abtransportiert. Der Rauch der Waldbrände um Moskau zog sogar bis in die U-Bahn der Hauptstadt. Die Dächer der vielen Hochhäuser waren nicht mehr zu sehen. Der Rauch hüllte die Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt in dichten Smog. An den zahlreichen Waldbränden sei nicht allein die aktuelle Hitze Schuld, betonte die Umweltorganisation WWF. Eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die Hauptursachen für die Brandkatastrophen. «Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten», erklärte der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und grossflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen Lage massgeblich beigetragen.

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Der Schaden werde rund ein Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts betragen, berichtete die Wirtschaftszeitung «Kommersant» am Dienstag. Von der Regierung gibt es noch keine offizielle Schätzung.

Der heisseste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor 130 Jahren hat Russland mehr als ein Drittel seiner Weizenernte gekostet. Die Regierung hat deshalb für den Rest des Jahres alle Weizenexporte verboten. Es wurde befürchtet, dass die steigenden Getreidepreise die Inflation in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum bremsen werden, wie «Kommersant» berichtete.

Der dichte Smog, der den Bewohnern Moskaus seit Tagen den Atem nimmt, liess am Dienstag etwas nach. Die Konzentration an Luftschadstoffen blieb aber hoch. Ministerpräsident Wladimir Putin bestellte den Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow ein, der die Lage in der Hauptstadt als schwierig bezeichnete. Er versicherte aber zugleich, dass die Gesundheitsbehörden alles Notwendige unternähmen, um die Situation für die Bewohner erträglicher zu machen. Die Zahl der Notrufe sei seit Beginn der Hitzewelle um etwa ein Viertel gestiegen.

Putin und Medwedew im Umfragetief

Putin wollte im Laufe des Dienstags zwei niedergebrannte Ortschaften südöstlich von Moskau besuchen, um über deren Wiederaufbau zu beraten. Der Ministerpräsident hatte den betroffenen zuvor versprochen, ihre Häuser würden bis zum Herbst wieder aufgebaut.

Trotz Putins Besuchen im Katastrophengebiet gingen seinen Umfragewerte ebenso wie die von Präsident Dmitri Medwedew zurück. Putins Beliebtheit sank laut der Erhebung der Public Opinion Foundation von 63 auf 61 Prozent und Medwedews von 57 auf 52 Prozent.

Medwedew war in die Kritik geraten, weil er nach Beginn der Waldbrände zunächst seinen Urlaub am Schwarzen Meer fortgesetzt hatte. Die Wirtschaftszeitung «Wedomosti» zitierte den Kreml-nahen politischen Analysten Gleb Pawlowski mit den Worten, die russische Führung sei auf die Brände nicht vorbereitet gewesen.