Kalifornien

07. November 2008 16:04; Akt: 07.11.2008 16:15 Print

Minderheiten brachten Homo-Ehe zu Fall

Das Ja der kalifornischen Stimmbürger zum Verbot der Homosexuellen-Ehe sorgt unter Schwulen und Lesben für Konsternation. Besonders bitter für sie: Schwarze und Latinos stimmten deutlich für das Verbot.

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Protest von Schwulen und Lesben gegen den Volksentscheid in Los Angeles. (Bild: Keystone)

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Ausgerechnet jene Minderheiten, die am Dienstag in grosser Zahl für Barack Obama gestimmt hatten, versetzten der Eheschliessung von gleichgeschlechtlichen Paaren den Todesstoss. Gemäss «Washington Post» stimmten 70 Prozent aller Afroamerikaner für die Vorlage mit dem Namen «Proposition 8». Von den Latinos waren 53 Prozent dafür. Damit wurde die Mehrheit der weissen Kalifornier, die gegen das Verbot war, überstimmt.

Gut 52 Prozent aller Wähler im vermeintlich liberalen Kalifornien hatten für die Initiative und damit gegen die Homo-Ehe gestimmt. Danach soll nun in der Verfassung des Bundesstaats festgeschrieben werden, dass eine Ehe nur als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren ist. Seit Mitte Juni waren mehr als 16 000 gleichgeschlechtliche Paare in Kalifornien legal getraut wurden.

Werben um religiöse Schwarze

Das klare Nein der Schwarzen sei «überraschend und enttäuschend» für Aktivisten der Schwulenbewegung, hielt die «Washington Post» fest. Sie hätten gehofft, dass gerade die Afroamerikaner sich mit ihrem Engagement identifizieren würden. Doch diese hätten die Vorlage unter religiösen Aspekten und nicht unter jenen der Gleichberechtigung betrachtet.

Tatsächlich hatten sich die Initianten von «Proposition 8» intensiv um die oft tief religiösen schwarzen Stimmbürger bemüht und Prediger dazu ermuntert, sich in ihren Kirchen für das Verbot auszusprechen. «Es ging um die Ehe zwischen Mann und Frau, nicht um eine Frage der Bürgerrechte», betonte Derek McCoy, ein schwarzer Vertreter der Ja-Kampagne. Die Gegner sehen religiöse Argumente jedoch nur als Vorwand, hinter dem sich tief sitzende Vorurteile gegen Homosexuelle verbergen.

Latinos hatten Angst um Kinder

Das gilt nicht nur für Schwarze, sondern auch für die stark wachsende Latino-Gemeinde in Kalifornien. «In lateinamerikanischen Kulturen sind Schwule nicht akzeptiert», sagte Flor Guardado, die mit Ja gestimmt hat. Sie stammt aus Honduras und besitzt in Los Angeles einen Coiffeursalon. Ihre acht Angestellten seien alle schwul, und es tue ihr leid für sie, aber, so die zweifache Mutter: «Ich bin wegen den Kindern dagegen.»

Die Latino-Gemeinde wurde gemäss «Washington Post» unter anderem in TV-Spots mit dem Argument konfrontiert, dass gleichgeschlechtliche Ehen in den Schulen als normal behandelt würden. Selbst die Gegner der Initiative hätten zugegeben, dass diese Form der Werbung einen starken Einfluss auf Angehörige von Minderheiten gehabt habe. Deren Kinder besuchen in überdurchschnittlicher Zahl die öffentlichen Schulen.

Zeit läuft für die Homosexuellen

Die Befürworter der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft wollen trotzdem nicht aufgeben. Am Donnerstag kam es in Los Angeles und San Francisco zu Protestkundgebungen gegen den Volksentscheid. Beim Obersten Gerichtshof des Westküstenstaates wurden drei Klagen eingereicht: «Proposition 8» soll für ungültig erklärt werden. Der Verfassungszusatz würde die Grundrechte von Lesben und Schwulen verletzten, so die Kläger.

Die Zeit läuft ohnehin zu ihren Gunsten: Im Jahr 2000 hatten noch 62 Prozent der Kalifornier für ein Verbot der Homo-Ehe gestimmt, das später vom Obersten Gericht annulliert worden war. Jetzt waren es noch 52 Prozent.

(pbl)