Jemen

01. Juni 2011 19:20; Akt: 01.06.2011 19:21 Print

Mindestens 41 Tote bei heftigen Gefechten

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind bei Kämfpen zwischen der Armee und Stammeskämpfern 41 Menschen ums Leben gekommen. Es gab Opfer auf beiden Seiten.

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Die Kämpfe in Jemen breiteten sich im Laufe des Mittwochs auf mehrere Gebiete in der Hauptstadt aus. Anhänger der einflussreichen Haschid-Stammeskonföderation nahmen Gebäude und Viertel im Süden und Nordwesten von Sanaa ein.

Anhänger des Stammesführers Scheich Sadek al Ahmar brachten mit Unterstützung zweier gepanzerter Fahrzeuge das Büro des Generalstaatsanwalts im Nordwesten von Sanaa unter ihre Kontrolle.

Nach Angaben des jemenitischen Innenministeriums nahmen Stammeskämpfer zudem ein fünfgeschossiges Gebäude im südlichen Stadtviertel Hadda ein. Die Gegend gilt als Hochburg von Anhängern des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Die amtliche Nachrichtenagentur SABA bezeichnete die Stammeskämpfer als «bewaffnete Banden». Sie hätten unter anderem Möbel und Unterlagen aus den von ihnen eingenommen Gebäuden geplündert.

Die seit rund einer Woche andauernden Kämpfe zwischen Regierungsstreitkräften und Stammeskämpfern haben sich vor allem auf den Stadtteil Hassaba konzentriert. Dort brachten Anhänger des Stammes mehrere Regierungsgebäude unter ihre Kontrolle. Durch Artilleriefeuer der Regierungstruppen wurde das Haus des Stammesführers al Ahmar schwer beschädigt. Die Regierung hat zudem die Strom- und Wasserversorgung von Hassaba gekappt. Soldaten der Präsidentengarde und Spezialkräfte versuchten vergeblich, das Verwaltungsgebäude des Stadtviertels wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Präsidentengarde beschiesst Brigadehauptquartier

Augenzeugen berichteten, Einheiten der Präsidentengarde hätten das Hauptquartier einer Brigade mit Artillerie beschossen, die für den Schutz von Regierungsgebäuden zuständig sei. Ein Bewohner berichtete, Rauch und Feuer seien über dem Hauptquartier zu sehen gewesen. Zudem seien Explosionen zu hören gewesen.

Nach Angaben von bereits zur Opposition übergelaufenen Offizieren verdächtigte die Regierung den mit dem beschossenen Hauptquartier assoziierten Brigadekommandeur, sich den Rebellen anschliessen zu wollen, die Präsident Saleh stürzen wollen. Der Brigadekommandeur, Mohammed Chalil, gehöre aber keiner politischen Partei an, erklärten Offiziere der Opposition. Er habe Saleh offenbar verärgert.

Unterdessen distanzierte sich US-Aussenministerin Hillary Clinton von Saleh, dessen Weigerung, nach 33 Jahren an der Macht zurückzutreten, sie als «Quelle grossen Konflikts» bezeichnete. «Wir können nicht damit rechnen, dass dieser Konflikt zu Ende geht, es sei denn Präsident Saleh und seine Regierung gehen aus dem Weg, um es der Opposition und der Zivilgesellschaft zu ermöglichen, mit einem Übergang zu politischer und wirtschaftlicher Reform zu beginnen», sagte Clinton in Washington.

(ap)