Zugunglück in Spanien

26. Juli 2013 11:49; Akt: 26.07.2013 13:03 Print

Mindestens ein Schweizer sass im Unglückszug

Beim Zugunglück in Spanien wurde ein Schweizer verletzt. Noch sind nicht alle Opfer identifiziert. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass sich auch unter den Toten Schweizer Staatsbürger befinden.

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Der Zugführer Antonio Martin Marugán beim Verlassen des Oberlandesgericht von Galicien am 2. August. Sekunden vor dem Unglück hatten er und Lokführer José Garzón noch miteinander telefoniert. Marugán wird abgeführt - obwohl er als einziger Zeuge und nicht als Angeklagter vor Gericht aussagte. Am wurde bekannt, dass der 52-jährige Lokführer Francisco José Garzón während des Unfalls mit einem Bahnangestellten telefoniert hatte. Das zeigte eine Auswertung der Blackbox. Offenbar besprach er demnach mit einem Kollegen das weitere Vorgehen bis zum Zielbahnhof. Hintergrundgeräusche legten den Angaben zufolge nahe, dass er dabei «eine Karte oder ein anderes Dokument aus Papier» anschaute. (Bild: Garzón verlässt am Sonntagabend, 28. Juli, das Gerichtsgebäude in Santiago.) Ausserdem wurde klar, dass der Unglückszug mit 192 Kilometern pro Stunde auf die verhängnisvolle Kurve zuraste, worauf der Lokführer eine Bremsung eingeleitet habe. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass der Zug mit einer noch immer massiv überhöhten Geschwindigkeit von 153 km/h in die Kurve ging, in der höchstens Tempo 80 erlaubt wäre. Am , wurde der Lokführer Francisco José Garzón einem Richter vorgeführt. Er wurde in Handschellen mit einem Polizeiauto ins Gericht von Santiago de Compostela gefahren. Garzón sass im Fond dieses Polizeiautos. Das Medieninteresse vor dem Gerichtsgebäude war enorm. Bei einem schweren Zugunglück im Nordwesten Spaniens wurden am fast 80 Menschen getötet. Der Hochgeschwindigkeitszug fuhr wohl zu schnell in die Kurve und entgleiste, wie ein Überwachungsvideo nachträglich aufzeigte. Der Lokführer Francisco Jose Garzón Amo wurde dabei leicht verletzt. Im März 2012 postete er auf Facebook das Bild eines Tachos und bluffte über die Geschwindigkeit. Wie die Rettungskräfte mitteilten, wurden bei dem Unglück in Santiago de Compostela zudem 143 Fahrgäste verletzt. Viele der Verletzten wurden neben den Schienen versorgt. Der Personenzug aus Madrid war kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof der Regionalhauptstadt Galiciens, Santiago de Compostela, aus noch unbekannten Gründen entgleist. Aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei möglicherweise zu schnell in eine Kurve eingebogen. «Es schien, als würde sich der Zug in einer Kurve verdrehen und die Waggons sich einer auf den anderen auftürmen», sagte ein ­Passagier dem Radiosender Cadena Ser. Die Bergungsarbeiten zogen sich mehrere Stunden hin. Alle 13 Waggons des Zuges sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um. Andere Waggons verkeilten sich ineinander.

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Mindestens einer der 218 Passagiere im Unglückszug in Spanien war ein Schweizer. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurde er verletzt. Er sei ins Spital eingeliefert worden, habe dieses aber bereits wieder verlassen können, schreibt das EDA auf Anfrage von 20 Minuten.

Der Schnellzug mit 218 Passagieren und fünf Angestellten an Bord war am Mittwochabend in einer Kurve nahe der Stadt Santiago de Compostela entgleist. Dabei kamen mindestens 78 Menschen ums Leben. Zunächst war von mindestens 80 Toten die Rede. Doch die spanischen Behörden korrigierten die Opferzahl am Freitagmittag wieder nach unten. Etwa 140 wurden verletzt, davon lagen am Donnerstagabend noch 94 in den sechs Regionalkrankenhäusern Galiciens. 31 Verletzte, darunter vier Kinder, befanden sich nach Angaben der Behörden noch in kritischem Zustand.

Noch ist die Identifizierung der Opfer nicht abgeschlossen. Das EDA weiss daher nicht, ob sich auch unter den Toten Schweizer Staatsbürger befinden oder nicht. Die Schweizer Botschaft in Madrid stehe in engem Kontakt mit den Behörden vor Ort, welche ihre Arbeit zur Identifizierung der Opfer fortsetzen, schreibt das EDA.

(drh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 26.07.2013 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch ist Mensch

    Ob bei dem unglück schweizer oder andere staatsbürger ums leben gekommen sind ist doch schlussendlich völlig egal. Wünsche den hinterbliebenen von allen Opfern viel viel kraft!

  • Arbnor A. am 26.07.2013 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar ...

    Leute! Macht die Augen auf! Es spielt keine Rolle aus welchem Land die Opfer haben/hatten! Es ist einfach tragisch dass so etwas passiert. Ich wünsche den Familien und Freunden der Opfer viel Kraft. Auch den Verletzten wünsche ich eine schnelle Erholung.

  • Auto Hohl am 26.07.2013 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Déjà-vu...

    Wenn es dann wirklich am Lokführer liegen sollte, würde mich das ganze an die Costa Concordia und den Herr Schettino erinnnern... Die Technik würde funktionieren, aber eine "kleines Würstli" will mit einem grossen Schiff oder schnellen Zug angeben und prahlen, ohne an die katastrophalen Konsequenzen zu denken!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • charly am 27.07.2013 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Technik ist Mitschuld

    Herzliches Beileid den Angehörigen. Bei diesen Geschwindigkeiten ist etwas anderes als Standardmässige Absicherung mittels Technik verantwortungslos. Ein überschreiten der Höchstgeschwindigkeit in diesem Rahmen sollte gar nicht möglich sein. Bei der Monotonie der Arbeit im Führerstand, können Fehler passieren, ist aber keine Entschuldigung für seinen Fehler. PS. Menschliches versagen mit ungenügender Technik ist die tödliche Mischung.

  • A. Breitenmoser am 27.07.2013 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Eventualvorsätzlichze Tötung?

    Nebst der Tragik dieses Unfalles, der so oder so auf menschliches Versagen zurückzuführen ist, war auch ein glücklicher Umstand dabei, dass es nich mehr Tote gegeben hat. Im Gegensatz zum Unglück in Eschede (ICE), wo ein Brückenpfeiler den entgleisten Zug innert einer einzigen Sekunde auf null brachte, ist im aktuellen Fall der Zug quasi entlang der Stützmauer geschrammt. So hat auf viele Passagiere weniger kinetische Energie eingewirkt, und sie haben überlebt. Warum ist ausgerechnet vor diesem heiklen letzten Abschnitt nicht das modernste ETCS eingebaut?

    • Oli am 27.07.2013 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ETC wär nicht mal notwendig...

      Dann müsste ETCS in der ganzen Schweiz verbaut sein, denn kaum ein anderes Land hat derart viele Geschwindigkeitsschwellen, wie die Schweiz. Hier hätte schon eine einzige Punktuelle Geschwindigkeitsüberwachung der Bremskurve gereicht um das Unglück zu verhindern. ETCS wär nicht mal notwendig gewesen. Und da frage ich mich ab der Bahninfrastruktur, dass man eine solche Hochgeschwindigkeitspassage nicht überwacht, die eine V-differenz von 100 km/h aufweist. Das ist im eigentlichen Sinne fahlässig.

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  • Mich ael am 27.07.2013 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Final Destination

    Als ich das Video vom entgleisenden Zug gesehen habe, erinnerte mich das krass an die Final Destination Serie! Man muss sich dass nur einmal vorstellen: Du sitzt im Zug, schneidest dir am Vordersitz in den Finger, kurz darauf wechselt der Song im mp3 Player und es läuft ,,Dust in the Wind" von Kansas, du erinnerest dich an den Film und in dem Moment rumst es gewaltig! Es ist gut möglich, dass jemand in echt dieser Erlebnis hatte!

  • Schwester Andrea am 26.07.2013 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich traurig!

    Warum nur erinnert mich diese Tragödie stets wieder an die Havarie der Costa Concordia?

  • Auto Hohl am 26.07.2013 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Déjà-vu...

    Wenn es dann wirklich am Lokführer liegen sollte, würde mich das ganze an die Costa Concordia und den Herr Schettino erinnnern... Die Technik würde funktionieren, aber eine "kleines Würstli" will mit einem grossen Schiff oder schnellen Zug angeben und prahlen, ohne an die katastrophalen Konsequenzen zu denken!

    • Peter am 27.07.2013 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Was für eine schockierende Aussage...

      Ihr Kommenar schockt mich zutefst. Ich bin selber Lokführer in der Schweiz und hierzulande als auch in sämtlichen Ländern dieser Welt führen Lokführer die Züge nach strikten Geschwindigkeitsangaben. Und wenn mir die Tabelle infolge der Brems- und Zugreihe z.B. Vmax 95 vorgibt auf eine Kurve oder einen beliebigen Streckenabschnitt, dann heisst das nicht 110 und auch nich 100 km/h sondern allerhöchstens 95km/h oder langsamer. Ein solcher Fehler passiert einem Lokführer ganz bestimmt nicht aus angeberei, denn eine solche Geschwindigkeitsdifferenz ist da nicht ohne Grund.

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