Griechenland

05. September 2019 03:02; Akt: 05.09.2019 03:41 Print

Mit Tränengas gegen Flüchtlingskinder

Im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos kam es zu Protesten. Die Minderjährigen verlangten die Verlegung aufs Festland.

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Die griechische Polizei hat bei Protesten in einem überfüllten Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos Tränengas gegen Flüchtlingskinder eingesetzt.

Wie die griechische Nachrichtenagentur Ana berichtete, beteiligten sich am Mittwoch rund 300 unbegleitete Minderjährige an Protesten im berüchtigten Lager Moria und verlangten ihre Verlegung aufs Festland. Als die Flüchtlinge Mülleimer in Brand setzten, setzte die Polizei demnach Tränengas ein.

Das Lager von Moria steht seit Jahren in der Kritik, da es chronisch überfüllt ist. Nach der Ankunft von 3000 neuen Flüchtlingen im August hatte sich die ohnehin schwierige hygienische Situation in dem inmitten von Olivenhainen gelegenen Zeltlager weiter verschlechtert.

Ende August lebten nach Uno-Angaben fast 11'000 Menschen in dem Lager, das eigentlich nur für ein Viertel davon ausgelegt ist. Viele Flüchtlinge leben schon seit Monaten in Moria, da sich ihre Asylverfahren in die Länge ziehen. Die neue konservative Regierung in Athen entschied nun aber, die Berufungsmöglichkeit abzuschaffen, um die Verfahren zu beschleunigen.

EU-Hilfe für Flüchtlinge auf Lesbos

Die EU-Kommission hat Griechenland inzwischen Hilfe bei der Verlegung der Flüchtlinge von Lesbos angeboten. Am Dienstag verlegten die griechischen Behörden die ersten tausend Flüchtlinge aus Moria aufs Festland.

Sie wurden mit Fähren zunächst in die Hafenstadt Thessaloniki und dann ins Lager Nea Kavala bei Kilkis in Nordgriechenland gebracht. Doch auch dort sind die Bedingungen alles andere als optimal. Neuankömmlinge klagten am Mittwoch unter anderem über Engpässe bei Wasser, Strom und Zelten.

«Wir haben Moria in der Hoffnung auf etwas Besseres verlassen», sagte der 20-jährige Sasan aus Afghanistan. «Letztendlich ist es sogar schlimmer.»

Wie aus dem griechischen Ministerium für Bürgerschutz verlautete, gibt es in Nea Kavala derzeit nur 200 Zelte für tausend Bewohner. Die nächsten Flüchtlinge aus Moria sollen demnach in andere Lager gebracht werden.

EU-Flüchtlingsdeal mit der Türkei

Die Türkei hatte der EU im Flüchtlingsdeal von März 2016 im Gegenzug für finanzielle Hilfe bei der Versorgung der Syrer im Land zugesagt, alle abgelehnten syrischen Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen.

In der Folge sank die Zahl der Überfahrten drastisch. Allerdings wurden bis heute nur wenige Flüchtlinge von den griechischen Inseln in die Türkei zurückgebracht.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lanfire am 05.09.2019 04:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugendliche, nicht Kinder

    Die meisten der beteiligten "Kinder" sind zwischen 15-18 Jahre alt. Also keine Kinder, sondern Jugendliche resp. junge Erwachsene.

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  • Henry Müller am 05.09.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmungsmache

    Minderjährige die Feuer legen als Kinder zu bezeichnen ist einfach nur Stimmungsmache

  • james mc'neil am 05.09.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stets fordern

    Verlangen, verlangen, verlangen.. anstatt froh, über den gebotenen Schutz zu sein. Als wäre alles selbstverständlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • didi19 am 05.09.2019 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder???

    Ich sehe auf dem einen Bild keine Kinder. Und mal ganz abgesehen davon, sollen sich die mit der Situation abfinden, oder wieder zurück gehen - besser das Zweite

  • Serge Legrand am 05.09.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Der hier zur Schau gestellte Mangel an Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen für die prekären Verhältnisse in den griechischen Flüchtlingslagern ist beängstigend. Vom sicheren Sofa aus lässt es sich halt einfach Urteilen. Soviel zur humanitären Tradition der Schweiz....

  • Mensch am 05.09.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Aha...

    Ja logisch, die haben ja auch darum gebeten das der westen ihre länder zerbomt oder?! Wie können Sie sich so arrogant äussern??? Waren Sie jemals in so einer situation?! In einem reichen land geboren werden und alles zu haben ist ja für herr und frsu schweizer scheinbar normal...aber wehe andere wollen das auch...und kommen Sie nicht mit "ich arbeite schliesslich"! Glauben Sie ernsthaft diese leute würden dies nicht tun wenn sie in ihren ländern die gleichen möglichkeiten hätten die für ums selbstverständlich sind???

  • Globi am 05.09.2019 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Kinder haben heutzutage schon früh Bärte im Orient. Muss wohl an der Hitze und der sandigen, rauen Umgebung liegen.

  • Daisydream am 05.09.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch dasselbe

    Wer will Griechenland etwas vorwerfen? Es sind nun mal einfach zuviele Flüchtlinge für ein Land, das auch nicht gerade das reichste ist. Und die anderen Eu-Staaten wollen ja keine Flüchtlinge übernehmen. Wo bleibt die Solidarität unter den EU-Mitgliedern? Wie Italien gerät wohl auch Griechenkand an seine Leistungsgrenzen.