Zweckentfremdet

07. Dezember 2011 14:15; Akt: 07.12.2011 23:48 Print

Mit Tsunami-Hilfsgeldern auf Walfang

Umweltschützer sind empört. Finanzielle Mittel, die eigentlich für den Wiederaufbau Japans nach dem verheerenden Tsunami gedacht sind, fliessen in die Kasse des nationalen Walprogramms.

Auch in Australien sorgen die Nachrichten aus Japan für Gesprächsstoff. (Video: YouTube/SkyNewsAustralia)
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Die japanische Regierung zweigt Hilfsgelder für den Wiederaufbau des Landes nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im März für den Walfang ab. Die Fischereibehörde bestätigte am Mittwoch entsprechende Vorwürfe der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Mit den eingeplanten 2,28 Milliarden Yen (rund 27 Millionen Franken) sollen unter anderem zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für die Walfänger bezahlt werden, sagte der Behördenvertreter Tatsuya Nakaoku. Vor allem solle das Geld aber für den Wiederaufbau der vom Walfang abhängigen Küstenorte ausgegeben werden.

So sollen etwa Lebensmittelfabriken instandgesetzt werden. «Ausserdem essen in der Region auch viele Menschen Walfleisch», fügte Nakaoku hinzu. Ende Oktober hatte die Regierung in Tokio zum dritten Mal dieses Jahr einen riesigen Nachtragshaushalt für den Wiederaufbau des Landes verabschiedet.

Protestbrief an die Regierung

Für Junichi Sato von Greenpeace Japan sollte kein Zusammenhang zwischen den Hilfsgeldern für den Wiederaufbau und dem Fonds des nationalen Walprogramms bestehen. «Die abgezweigten Gelder werden nur dazu benutzt, die Löcher des finanziell angeschlagenen Fonds zu stopfen», beklagt er sich gegenüber der englischen BBC.

Das Vorgehen hat in Japan eine heftige Kontroverse ausgelöst. In einem Schreiben an den japanischen Premierminister Yoshihiko Noda lassen diverse Umweltaktivisten ihrem Frust freien Lauf: «Wir fordern von der Regierung, keine weiteren Steuergelder in das Walprogramm zu investieren, sondern das Geld in Projekte fliessen zu lassen, die den von der Tsunami-Katastrophe betroffenen Menschen und Regionen helfen», heisst es im Brief, der der britischen Tageszeitung «The Guardian» vorliegt.

Von den zusätzlichen 12,1 Billionen Yen ist ein Posten von 498,9 Milliarden Yen für die Fischerei reserviert, darunter 2,28 Milliarden zur «Stabilisierung des wissenschaftlichen Walfangs».

Jagd zu «wissenschaftlichen Zwecken»

Die japanische Walfangflotte war am Dienstag zu ihrer alljährlichen Jagd in der Antarktis in See gestochen. Die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte 1986 zwar ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Japan nutzt allerdings ein Schlupfloch des Abkommens, indem es Wale offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken jagt.

Das Land macht aber kein Geheimnis daraus, dass das Fleisch der erlegten Tiere verkauft wird. Die letzte Walfangsaison in der Antarktis war im Februar nach Störaktionen militanter Walschützer vorzeitig beendet worden.

«Es ist absolut skandalös von der japanischen Regierung, noch mehr Steuergelder in ein unnötiges, unerwünschtes und wirtschaftlich nicht überlebensfähiges Walprogramm zu investieren, wenn Gelder so dringend für den Wiederaufbau benötigt werden», schliesst Junichi Sato, der Geschäftsführer von Greenpeace Japan.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaby am 07.12.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder...

    ...wollen immer weniger Geld spenden, wenn es so missbraucht wird!

  • giorgio am 07.12.2011 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht

    die Spendengelder sollten zurückbezahlt werden wenn die nicht wissen wie sie mit dem Geld umzugehn wissen.

  • Daniel Imboden am 07.12.2011 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das Problem?

    Ich bin Vegetarier und kann daher auch kaum was mit dem Walfang anfangen. Was ich mich aber wundere: Was genau ist das Problem beim Walfang für Fleischesser? Stört es Euch, dass solch herzige Tiere getötet werden? Geht es Euch um die Umwelt und verzichtet daher konsequent sowieso auf Fleisch-Fischprodukte aus bestimmten Regionen (so z.B. die Cervelat, deren Haut ja aus Südamerika kommt)? Oder findet Ihr es einfach für Euer eigenes Gewissen gut? Soll keine Anklage sein; esst bitte was Ihr wollt. Aber das gilt dann auch für die Japaner;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erkan am 08.12.2011 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklicher Sat

    Wale darf man nicht töten, sie sind Harddisks unserer Erde genauso wie Delfine. Die Japaner haben anscheinend nichts daraus gelernt, wenn sie weiter so machen, werden sie nicht darum herumkommen, wieder von Katastrophen heimgesucht zu werden, was wir ja niemanden wünschen.. Was man sät erntet man!

  • Daniel Imboden am 07.12.2011 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das Problem?

    Ich bin Vegetarier und kann daher auch kaum was mit dem Walfang anfangen. Was ich mich aber wundere: Was genau ist das Problem beim Walfang für Fleischesser? Stört es Euch, dass solch herzige Tiere getötet werden? Geht es Euch um die Umwelt und verzichtet daher konsequent sowieso auf Fleisch-Fischprodukte aus bestimmten Regionen (so z.B. die Cervelat, deren Haut ja aus Südamerika kommt)? Oder findet Ihr es einfach für Euer eigenes Gewissen gut? Soll keine Anklage sein; esst bitte was Ihr wollt. Aber das gilt dann auch für die Japaner;)

    • Christoph Lang am 08.12.2011 01:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Äpfel und Birnen

      Sorry, aber Kühe und Schweine sind nicht vom aussterben bedroht. Wir gönnen und respektieren Deinen Verzicht aber gönn und respektier unseren Genuss. Ich hab auch Vegetarier im Bekanntenkreis die dies tun.

    • martina am 08.12.2011 03:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      halloooo...

      das problem beim walfang ist wie die tiere abgeschlachtet werden,bei lebendigem leib werden ihnen die flossen abgetrennt und der rest vom körper wieder ins meer geworfen, das ist mein problem, den qualvollen schmerz den die tier erleiden bei dieser art von walfang...

    • Freddie am 08.12.2011 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Das ist das Problem

      Wale lösen beim Menschen ein grosses Sympatiegefühl aus. Dies trifft eigentlich auf alle Meeressäuger zu. Nicht zuletzt auch wegen seiner Grösse. Frag mich nicht weshalb uns ein Wal mehr am Herzen liegt als die vom aussterben bedrohten Blauflossen-Thunfische - es ist einfach so. Obwohl.. Könnte auch an dem dem menschen ähnelnden Sozialverhalten der Tiere liegen. Und was den Walfang erst recht verachtenswert werden lässt, ist die grausame Art, wie die Tiere gefangen werden. Mit Harpunen gepeinigt, durchlöchert und lebend auf das Schiff gezogen. Einfach abscheulich!

    • Daniel Imboden am 08.12.2011 09:55 Report Diesen Beitrag melden

      @ Lang

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil; ich hab ausdrücklich gesagt, soll jeder essen was er will! Sie gönnen offenbar aber den Japaners das Walfleisch nicht. Warum das heuchlerisch isch? Weil, so als kleines von vielen Beispielen, für das Futter Ihres Schweines (Soja etc, welches selten aus der Schweiz kommt), Regenwald abgeholzt wird, das offenbar aber nicht so dramatisch gewertet wird, wie der Walfang. Wenn also ein Vegetarier Sie an solche Dinge erinnert, bezeichnen Sie es als Missgunst; gleichzeitig haben Sie aber das Bedürfnis, die Japaner auf deren Makel aufmerksam zu machen?

    • Marco am 08.12.2011 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      Vom Aussterben bedroht

      Als Fleischesser hab ich kein grösseres Problem wenn Tiere für mein Essen sterben müssen, wenn diese Tiere vom Aussterben bedroht sind, dann sieht die Sache aber nochmals anders aus ;-)

    • Manuela am 08.12.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      ignoranter Vegetarier!

      Herr Imboden, das ist jetzt einfach nur ignorant! Wale sind vom Aussterben bedroht und sind keine Zuchttiere! Ich bin auch Vegetarierin und würde niemals so einen Blödsinn denken.

    • Deekay am 08.12.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Die internationalen Gewässer gehören niemandem, deshalb werden sie von Staaten wie Japan auch hemmun gslos ausgebeutet. Ein Rinderbetrieb gehört jemandem und wird zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion geführt. Der Zweck unserer Ozeane kann aber nicht sein, dass vom Aussterben bedrohte Arten und Ökosysteme wegen unnachhaltiger Fischerei zugrunde gehen. Genauso ist es sinnlos einen Nationalpark zu eröffnen um nachher alles Wild zu erlegen.

    • Niggi, Zürich am 08.12.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo?

      Wie kann man nur so doof fragen!!! Unter anderem ist der Walfang auch schlimm, da es sich dabei oft um Tierquälerei handelt... d.h. die werden nicht gleicht getötet, sondern müssen unter Qualen ausbluten!!!!! Mein Gott.... und so was ist Vegetarier... Wahrscheinlich setzen sich die Fleischesser mehr für den Tierschutz ein, als ihr scheinheiligen Tierfreunde!

    • Daniel Imboden am 08.12.2011 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      Halloooo?

      Warum ignoriert Ihr alle den restlichen Teil meines Kommentars? Wer Wale wegen dem Aussterben schützen will, aber gleichzeitig den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und bspw. Regenwaldabholzung (was auch CH-Fleisch betrifft wegen Futter!) ignoriert, ist doch einfach nur ein Heuchler. Mit dem Finger auf die Japaner zeigen, weil sie Wale fangen und selbst Produkte konsumieren, zu deren Herstellung etc Regenwald und damit Lebensraum von abertausenden Tierarten zerstört wird. Oder in anderen Worten: Halloooo?

    • Daniel Imboden am 08.12.2011 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      @ Manuela

      Was genau denk ich denn? Es geht mir um die Scheinheiligkeit, mit welcher Andere verurteilt werden, während das eigene Verhalten auch tragische Konsequenzen hat. Daher auch der Vergleich mit dem Regenwald: Es scheint es hier niemanden zu stören, dass ihr regionales Zuchtschwein Sojafutter frisst, für deren Anbau Regendwald und Lebensraum für Tiere (und Menschen!) zerstört wird. Ich wette, die meisten Schreiber hier essen auch Thunfisch/-Brötchen, trotz den Delfinen die dabei elendlich auf der Srecke bleiben. Aber wehe Japaner gehen auf Walfang.

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  • Kirian B. am 07.12.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wart ihr mal an den Küsten Tohokus?

    Dann hättet ihr vielleicht gemerkt, dass viele der vom Tsunami zerstörten kleinen Dörfer Fischerdörfer waren. Die Menschen dort betreiben schon jahrhundertelang Fischerei. Es werden auch Wale gefangen, allerdings sind die meisten davon die unbedrohten Minkwale! Bitte besser mit der Thematik auseinandersetzen bevor geschrieben oder kommentiert wird!

  • Alexandra HG mit Yves am 07.12.2011 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenschlag a la PotC

    Mein Sohn(11) und ich (47) haben uns überlegt: solche Schiffe kapern, die Besatzung auf einer Insel aussetzen und das Schiff verschrotten. Irgendwann zählt sich Wahlfang/ Delfinjagd nicht mehr und sie lassen es sein. Es geht doch nur um Geld und selbst der stärkste Gegner muss einmal nachgeben.

    • L. Rickenbacher am 08.12.2011 22:27 Report Diesen Beitrag melden

      Sie sind aber freundlich!

      Haben Sie schon mal daran gedacht, dass die Besatzung ihren Lebensunterhalt verdienen um sich und ihre Kinder zu ernähren? Das hat an den Küsten Japans schon seit mehreren Jahrhunderten Tradition! Was würden Sie sagen, wenn man ihnen ihr Einkommen und ihren Partner wegnehmen würde? Mal bitte an den Menschen denken!

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  • giorgio am 07.12.2011 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht

    die Spendengelder sollten zurückbezahlt werden wenn die nicht wissen wie sie mit dem Geld umzugehn wissen.