Flüchtlingskinder in Italien

30. Juli 2016 10:29; Akt: 30.07.2016 10:29 Print

Mit Voodoo-Eid die Schmuggler bezahlen

In Italien werden minderjährige Migranten zu Prostitution und Drogenhandel gezwungen. Afrikanische Kinder müssen als Erstes einen Voodoo-Eid ablegen.

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Um die immensen Schuldenberge für ihre Reise nach Europa abzuzahlen, werden Flüchtlingsmädchen aus Afrika und den Nahen Osten gezwungen, sich zu prostituieren. Die Knaben werden in kriminelle Geschäfte wie Drogenhandel und Diebstahl verwickelt.

Laut einem neuen Bericht der Organisation «Save the Children» müssen die Jungen zwölf Stunden täglich Autos waschen – für 2 Euro pro Stunde. Andere arbeiten auf dem Bau oder in Restaurants, meist mehr als zehn Stunden pro Tag. Viele dieser Kinder werden dabei von ihren Arbeitgebern misshandelt – zum Teil auch sexuell.

Der Bericht zeigt, wie die Menschenhändler mit jungen Flüchtlingen umgehen:

• Die Rekrutierung

Die Schlepper rekrutieren Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren über Bekannte und Nachbarn, Mitschüler oder Verwandte, die bereits in Europa arbeiten. Andere werden auf sozialen Medien von Männern kontaktiert, in die sich die Mädchen oftmals verlieben.

Der Fall der Nigerianerinnen hat einen besonderen Aspekt: Die Mädchen werden von den Kriminellen gezwungen, einen Voodoo-Eid abzulegen, mit dem sie sich verpflichten, die Schulden zwischen 20'000 und 50'000 Euro zurückzuzahlen.

• Die Erpressung

Ist das Mädchen abgereist, erhalten die Zurückgebliebenen im Herkunftsland den Besuch eines Mitglieds der Schlepperbande. Dieser droht den Müttern, Schwestern und Tanten des Mädchens, sie zu verletzen, sollte das Mädchen seine Schulden nicht abzahlen. Die abgereisten Frauen erfahren erst wenn sie schon in Europa sind, dass die Schlepper ihre Verwandte Zuhause geschlagen haben.

• Die Fahrt nach Europa

Bereits während der Reise werden die Mädchen von den Männern, die sie begleiten, missbraucht und vergewaltigt. Afrikanerinnen machen normalerweise einen Halt in Libyen. Dort wohnen sie in sogenannten «Connection Houses» und bekommen eine «Mamam», die ihnen nahelegt, dass sie sich prostituieren müssen, um die Kosten des mehrere Monate andauernden Zwischenhalts zu bezahlen.

Viele der Mädchen werden schon auf der Fahrt nach Europa schwanger. Andere werden mit HIV infiziert oder erleiden wegen den Vergewaltigungen Läsionen und Infektionen des Urogenitalsystems.

• Die Ausbeutung in Europa

Laut dem Bericht von «Save the Children» dauert das Abzahlen der Schulden zwischen drei und sieben Jahren. In dieser Zeit sind die Kinder regelrechte Sklaven. Mädchen, die auf der Strasse anschaffen, müssen den Zuhältern Mietgeld für die Fläche des Trottoirs bezahlen, auf dem sie stehen. Der Betrag liegt zwischen 100 und 250 Euro monatlich.

• Die Misshandlungen

Die Mädchen erleiden nicht nur körperliche, sondern auch psychische Gewalt. Werden sie schwanger, zwingt man sie abzutreiben. Sie erhalten dann ein Medikament zur Behandlung von Magengeschwüren, das, in einer Überdosis eingenommen, einen abortiven Effekt hat. Doch das Mittel verursacht auch starke Krämpfe und manchmal lebensbedrohliche Blutungen.

Die Mädchen werden oft von den Zuhältern oder den Freiern geschlagen. Weil sie die lokale Sprache nicht beherrschen, können sie sich auch nicht wehren.

Lesen Sie im Teil 2 die dramatischen Geschichten von Lovet aus Nigeria, Ana aus Rumänien und Amir aus Ägypten.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Britschula am 30.07.2016 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Vorstellungen

    Ich bin dankbar hier zu leben! Aber "wir" können nicht die ganze Welt retten! Viele haben total falsche Vorstellungen von Europa! Der Leidensweg bis dahin ist teuer und risikoreich! Kaum da, spüren die Leute die Abneigung, was zur Frustration führt! Was bewirkt Frustration? Hinzu kommen Kommunikationsprobleme, Famile und Freunde weg... Mmmhhh! Manchmal frage ich mich was "besser" ist?!

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  • Roswitta Meier am 30.07.2016 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso

    Bleiben sie nicht zuhause, dort haben sie auch Chancen. Sicher nicht die selben, aber auch der Schutz der Family. Langsam aber sicher wird es auch hier ungemütlich wenn die falschen Asylsuchenden nicht umgehend weggewiesen werden oder gleich nachhause geflogen werden. Für die richtigen sollte immer irgendwo ein Platz sein, so fair sollte es sein. Unser system läuft langsam am Limit, das weiss ich. Die Zahlen sprechen für 3-4 Jahre, danach wünsche ich allen die hier mitzahlen viel Glück.

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  • Enibas am 30.07.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Sprachlos, aber gut wird das schreckliche Thema aufgegriffen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gast am 03.08.2016 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklaverei in Europa

    Das ist moderne Sklaverei, leider auch in Europa. Leider wird auch dieses mal alles schnell wieder vergessen sein.

  • RoCh am 31.07.2016 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein krieg, keine flüchtlinge

    was war zuerst? der bombenteppich oder die flüchtlinge? alle waffenexportierenden länder, viele davon aus europa profitieren vom krieg und dem daraus resultierenden elend...und nun wundern wir uns, dass die menschen fliehen? solange kriege aus geopoltischen gründen geführt werden und gewinn daraus gezogen wird, wird sich nie etwas ändern. den flüchtlingen sollte man hilfe vor ort gewähren, sicherheit und schutz bieten. die menschlichen ressourcen brauchen die staaten für die reorganisation und den wiederaufbau.

    • apollocombat am 31.07.2016 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RoCh

      wie will das funktioneren wenn die machthaber davon profitieren?

    • RoCh am 31.07.2016 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @apollocombat

      leider gar nicht, so wie sich sämtliches elend dieser erde niemals beenden lassen wird. solange profitgier und macht regiert.

    • Blattherz am 01.08.2016 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RoCh

      Ich glaube nichts mehr tut mir leid

    • Michi Richi am 01.08.2016 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RoCh

      Du hast mehr Intelligenz als 99% der Leute die hier kommentieren. Ich gratulieren ihnen

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  • Ronny am 30.07.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Lage

    Wenn Amerika, Europa, und Russland nicht die Afrikanischen Länder selber ihren Reichtum handeln lassen, weil sie nur den Gewinn erzielen wollen, dann werden wir nicht unsere ruhe haben. Es wird uns die menschliche Strom auf lange Sicht überwältigen. Die sind nicht mehr zu stoppen.

    • Retteligent am 30.07.2016 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny

      Genauer hätte ich nicht gesagt @Ronny!!

    • Meister Lampe am 30.07.2016 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Retteligent

      Ich habe es genauer gesagt.

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  • Marlies Meier am 30.07.2016 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Ort

    müsste Aufklärung betrieben werden. Stattdessen schämen sich die Betroffenen und erzählen nichts. Hier immer gegen unsere Politiker zu stänkern, ist doch peinlich. Bis die Betroffenen italienischen Boden (also Europa) erreicht haben, ist das Meiste ja schon passiert. Wären die Mädchen aufgeklärt, würden sie die Heimat nicht verlassen. Was ich über die Eltern der Kinder denke, lassen wir mal weg.

  • Hunni am 30.07.2016 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Lukratives Geschäft

    Solange so viele an Melnschen verdienen kömnen. Solange wird nichts geschehen.

    • NYkOz am 30.07.2016 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Zeit zum Umdenken.

      Dann darf man aber sehr lange warten, denn die ganze Sozialindustrie - Non Profit Organisationen, Deutschkurse, Sozialarbeiter, Therapeuten, Ärzte, Pharmaindustrie, Beratungsstellungen für Migräne, Rechtsanwälte, Mafia, Geschäfte, Menschenhändler, Schlepper - alle profitieren von der Schenkung der Steuer an ihnen. Nur der Steuerzahler, der dünne Mittelstand wird ausgesaugt bis es die nicht mehr gibt. Was macht dann der Staat? Ist es nicht die Zeit zum Umdenken?

    • Waterpolo1s am 30.07.2016 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hunni

      LEIDER!!!

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