«Marmaray»-Tunnel

29. Oktober 2013 19:28; Akt: 31.10.2013 10:57 Print

Mit der U-Bahn von Europa nach Asien

Nur vier Minuten dauert die Fahrt mit der U-Bahn unter dem Bosporus hindurch. Die neue Linie ist ein Meilenstein und eine ungeheure Entlastung für Istanbul.

Bildstrecke im Grossformat »
Pendeln auf dem Meeresgrund und zwischen den Kontinenten: Europa und Asien sind in Istanbul seit dem 29. Oktober 2013 durch eine S-Bahn verbunden, die den Bosporus durchquert - ... ... in einem Tunnel 56 Meter unter dem Meer. Hier der Eingang bei der Eröffnung. Die technischen Herausforderungen des 2004 begonnenen Projektes waren enorm. Bis in eine Tiefe von etwa 50 Metern haben sich grosse Tunnelbohrmaschinen von beiden Seiten auf den Grund der Meerenge zu gefräst. Die türkische Staatsführung und internationale Ehrengäste weihten das Bauwerk am Dienstag ein. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem «Jahrhundertprojekt». Die «Marmaray«-Verbindung durch den Bosporus soll stündlich bis zu 75'000 Menschen befördern. Der Tunnel durchquert die Meerenge in 56 Metern Tiefe und auf einer Länge von 1,4 Kilometern. Dieser Teil der Interkontinental-Fahrt dauert nur vier Minuten. Die Verbindung soll dazu beitragen, den Verkehrsinfarkt in der Millionenmetropole abzuwenden. Der Bosporus-Tunnel ist am 90. Jahrestag der Republikgründung eingeweiht worden. Ein riesiges Feuerwerk über Istanbul. Doch zurück zum Tunnel ... Erdogan, hier mit seiner Frau Emine, sagte bei der feierlichen Eröffnung, mit «Marmaray» werde ein 150 Jahre alter Traum Wirklichkeit. Erdogan kündigte an, die ersten 15 Tage könne die neue Verbindung kostenlos genutzt werden. Hier auf dem Bild der türkische Präsident Abdullah Gül und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Zu dem Bauwerk gehört eine Schienenstrecke durch Stadtteile Istanbuls auf beiden Kontinenten. Zunächst soll nur die Unterquerung der Meerenge mit einer S-Bahn in Betrieb gehen. Von 2015 an soll der Tunnel auch für den Fernverkehr von Zügen genutzt werden und dann die erste normalspurige Verbindung zwischen Europa und Asien sein. Die türkische Regierung hofft, den Bahntunnel später als Teil einer «eisernen Seidenstrasse» betreiben zu können, über die Verkehr zwischen China und Europa laufen könne. Das 13,6 Kilometer lange Bauwerk - 1,4 Kilometer davon unter Wasser - zählt zu den weltweit grössten Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre. Das «Marmaray«-Projekt kostet mehr als 2,5 Milliarden Euro und wurde von einem japanisch-türkischen Konsortium verwirklicht. Siemens lieferte die gesamte Signal- und Leittechnik für «Marmaray». BASF steuerte ein Zusatzmittel für einen Spezialbeton bei. Der Tunnel ist nach Angaben der Konstruktoren auch bei schweren Erdbeben noch sicher, woran unabhängige Experten allerdings Zweifel äusserten. Istanbul ist stark erdbebengefährdet. Auf dem Grund wurden in 56 Metern Tiefe elf Tunnelelemente aus Beton und Stahl verankert. Der mehr als 13 Kilometer lange Tunnel verläuft nun teils unterirdisch, teils als in den Meeresboden eingespülte Röhre. «Marmaray» ist ein Kunstwort aus Marmara, dem in den Bosporus übergehenden Binnenmeer, und «ray», dem türkischen Wort für Gleis. Die Ideen für einen Tunnel unter dem Bosporus gab es bereits 1860. Damals dachten die Ingenieure an eine Röhre, die auf Pfeiler ruhend zwar tief im Wasser, aber doch über dem Meeresgrund verlaufen sollte. Mit der damals verfügbaren Technik blieb es eine Vision. Mehr als 100 Jahre später gab es neue Machbarkeitsstudien. Schliesslich wurde das Projekt Marmaray angestossen. Der Bosporus-Tunnel ist eines von mehreren Grossprojekten, mit denen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan Istanbul umbaut. Geplant sind eine dritte Bosporusbrücke sowie ein weiterer Flughafen auf der europäischen Seite, mit dem Istanbul unter die wichtigsten Drehkreuze im weltweiten Luftverkehr aufrücken will.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die beiden Kontinente Europa und Asien sind wieder ein bisschen näher gerückt, symbolisch zumindest. Am Dienstag wurde die U-Bahn-«Marmaray» in Istanbul von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammen mit dem japanischen Premier Shinzo Abe, eröffnet. Dies, weil das Grossprojekt zusammen mit der japanischen Taisei Corporation realisiert wurde. Von einem Tunnel, der unter dem Bosporus verläuft, träumten die Istanbuler bereits seit den Zeiten von Sultan Abdülmecid I. (1831-1861). 2004 konnte schliesslich der entscheidende Schritt getan werden: Das 2,5-Milliarden-Euro-Projekt «Marmaray» wurde ins Leben gerufen.

Später auch Fernverkehr

Ursprünglich sollte der Tunnel 2009 fertiggestellt werden, aber aufgrund von archäologischen Funden während den Arbeiten, wurde der Bau um fünf Jahre verschoben. Der Marmaray-Tunnel ist bis zu 56 Meter unter der Wasseroberfläche gelegen einer der tiefsten der Welt. Er ist 13,6 Kilometer lang und soll bis zu 1,5 Millionen Menschen pro Tag befördern können. Zunächst soll der Tunnel nur dem Nahverkehr dienen. Ab 2015 soll der Tunnel auch für den Fernverkehr genutzt werden und wird dann die erste normalspurige Verbindung zwischen Europa und Asien sein.

Erdbebensicherer Tunnel?

Zuvor konnte man die Meerenge nur über die Bosporusbrücke, die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke und mit der Fähre passieren. Zusätzlich zum Tunnel entsteht im Norden Istanbuls, nahe dem Schwarzen Meer, eine dritte Brücke. Skeptiker können der neuen U-Bahn wenig abgewinnen: Der Tunnel liegt in einem von Erdbeben bedrohten Gebiet. Das Risiko sei ausreichend diskutiert worden, sagte Verkehrsminister Binali Yildirim. Der Tunnel sei so konstruiert, dass er einem Beben der Stärke neun standhalten könne.

Der Tunnel unter dem Bosporus hindurch verbindet Asien und Europa. Die Züge benötigen nur wenige Minuten für die Strecke. (Video: Reuters)

(zve)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 29.10.2013 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Immer wieder erstaunlich, was Ingenieure so alles bauen können.

  • Thomas am 29.10.2013 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder ..

    Love Istanbul..

  • anonymous am 29.10.2013 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    flughafen

    da kommt noch ein mega flughafen in ein paar jährchen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans W. am 29.10.2013 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben Region Nr. 1

    Die Geologen und Erdbebenexperten erwarten in Istanbul schon seit Jahren das Mega-Beben. Hoffen wir einmal dass sie sich irren und wenn es geschieht bitte kein Zug im Unterwasser-Tunnel sein wird.

  • Hans am 29.10.2013 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Was zum ... ?

    Und was hat das ganze mit einem Muffti und dem Islam zu tun? Wohl gar nichts - und dennoch schlachter Erdogan dies für seine islamistische Partei aus ... wie immer eine reitet die Politik / Religion auf den Errungenschaften der Ingenieure.

  • Martin am 29.10.2013 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Immer wieder erstaunlich, was Ingenieure so alles bauen können.

  • Thomas am 29.10.2013 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder ..

    Love Istanbul..

  • Ceylan am 29.10.2013 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Wir sind stolz auf dich Recep Taip Erdogan weiter so!!!!