Propaganda-Playlist

08. Januar 2016 05:34; Akt: 08.01.2016 13:59 Print

Mit diesen Songs ärgert Südkorea den Norden

Südkorea reagiert auf den Atomtest von Nordkorea und dreht an der Grenze wieder die Lautsprecheranlangen auf. Seoul setzt auf K-Pop.

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Raketenabschuss sei rein wissenschaftlicher Natur: Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-un. (10. Oktober 2015) Ein undatiertes Foto zeigt den Start einer Musudan-Rakete, auch als ballistische Mittelstreckenraktete bezeichnet. Am 16. Oktober soll Nordkorea diese getestet haben. Gemäss den USA ist der Versuch jedoch fehlgeschlagen. Ungeachtet internationaler Warnungen hat Nordkorea nach Angaben Seouls eine Langstreckenrakete gestartet. (7. Februar 2016) Kims Regierung verkündet indes den erfolgreichen Start eines Satelliten in die Erdumlaufbahn. (7. Februar 2016) Südkoreaner schauen in Seoul eine Dokumentation über Nordkoreas Raketenabschusspläne. (3. Februar 2016) Vor knapp einem Monat erfuhren Passanten in Seoul in den Nachrichten bereits vom Nukleartest ihres nördlichen Nachbarn. (6. Januar 2016) Der japanische Verteidigungsminister Gen Nakatani (M.) eilt zum Büro des Premierministers. (6. Januar 2016). Japans Premier Shinzo Abe kritisiert Nordkoreas Vorgehen scharf und droht Konsequenzen an. Lässt einmal mehr seine Muskeln spielen: Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-un, hier bei einer Militärparade am 10. Oktober 2015. Breaking News: Südkoreanische Fernsehsender berichteten ununterbrochen über den Vorfall. «Am Rande des Krieges»: Die Soldaten des norkoreanischen Militärs applaudieren nach Kim Kim Nams Ansprache auf dem Kim-II-sung-Platz in Pyongyang. (8. Januar 2016) Ein südkoreanischer Soldat justiert im Studio in Yeoncheon die Anlage, um Nordkorea mit Musik und Propaganda-Botschaften zu beschallen. (8. Januar 2016) Heftiges Beben: Die US-Erdbebenwarte USGS verzeichnete eine seismische Aktivität der Stärke 5,1.

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Als Reaktion auf einen Atomtest Nordkoreas hat Südkorea seine Propaganda-Beschallung an der Grenze wieder aufgenommen. Es seien an elf Stellen die Lautsprecheranlagen in Betrieb genommen worden, erklärte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Seoul.

Die Massnahme mit lauter Musik und Propaganda-Botschaften war als Reaktion auf den neuen Atomtest angekündigt worden. Am Donnerstag hatte Südkorea den Test als «mutwilligen Verstoss» gegen Nordkoreas internationale Verpflichtungen und eine «schwere Verletzung» eines Abkommens mit dem Süden von Ende August verurteilt. Tags zuvor hatte Nordkorea verkündet, erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben, und damit international für Empörung gesorgt.

K-Pop und traditionelle Klänge

Laut «The Guardian» werden die Nordkoreaner vor allem mit im Süden beliebten K-Pop-Songs beschallt. Auf der Playlist steht etwa «Let Us Just Love» von der Girlgroup Apink. Das Lied gehört demnach zum Soundtrack einer Serie, die von einem unreifen und nutzlosen Chef handelt.


Zur Dauerbeschallung wird auch «100 Years of Life» von Lee Ae-rain verwendet – ein Mix aus traditionellen und modernen koreanischen Klängen, in dem es um jemanden geht, der Besuch vom «Todesengel» bekommt. Der Refrain stammt vom in beiden Koreas überaus beliebten Volkslied «Arirang».


Ein weiteres Stück, das aus den Lautsprechern tönt, ist «Bang Bang Bang» von der Boygroup Big Bang. Der vielsagende Refrain lautet hier übersetzt: «Als wenn dich jemand erschossen hätte/ Bang Bang Bang».


Tests deuten eher auf Atombombe hin

Atomexperten und die US-Regierung äusserten allerdings Zweifel, ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Erste Analysen der Erschütterungen deuten westlichen Experten zufolge eher auf den Test einer herkömmlichen Atombombe hin als auf die Zündung einer erheblich stärkeren H-Bombe.

Südkorea hatte die Beschallung im vergangenen Sommer nach elfjähriger Unterbrechung nach neuen Spannungen für zwei Wochen wieder aufgenommen. Erst nach bilateralen Krisengesprächen wurde die Aktion, die von Nordkorea als Kriegsakt bezeichnet worden war, beendet.

Zugang zu Kaesong beschränkt

Der Konflikt mit Nordkorea hatte sich im August zugespitzt, nachdem bei der Explosion einer Landmine in der Grenzregion zwei südkoreanische Soldaten verletzt worden waren. In Marathonverhandlungen wendeten beide Seiten Ende August schliesslich eine militärische Konfrontation ab.

Südkorea kündigte am Donnerstag ausserdem an, den Zugang zum gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong einzuschränken. Aus Sicherheitsgründen dürften nur noch Südkoreaner mit direkten Geschäftsinteressen in Kaesong in das innerhalb Nordkoreas gelegene Industriegebiet reisen, sagte ein Vertreter des Wiedervereinigungsministerium in Seoul. In Kaesong arbeiten etwa 53'000 Nordkoreaner für rund 120 südkoreanische Firmen. Der Komplex ist für Nordkorea eine wichtige Devisenquelle.

USA verschärfen Gangart

Nach dem Atomtest streben die USA eine härtere Gangart der Weltgemeinschaft im Umgang mit dem kommunistischen Regime in Pyongyang an. «Dieser Test unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren, festen internationalen Antwort», sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, John Kirby, am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. «Möglicherweise ist jetzt die Zeit gekommen, schärfere Sanktionen zu verhängen.»

Zuvor hatten sich US-Präsident Barack Obama, die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe auf eine enge Zusammenarbeit im Vorgehen gegen Nordkorea geeinigt. Ziel ist unter anderem die Annahme einer Resolution des UNO-Sicherheitsrates, die harte Sanktionen gegen Nordkorea vorsieht.

Aussenminister John Kerry rief die Vetomacht China auf, sich stärker gegen eine atomare Bewaffnung Nordkorea einzusetzen. «Chinas Herangehensweise hat nicht funktioniert», sagte er. Die USA könnten nach Medienberichten bereits bald mit Hilfe von Luftuntersuchungen die Frage klären, ob es sich am Mittwoch um den Test einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) gehandelt hatte.

(afo/mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • webbly am 08.01.2016 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum lachen

    Selten so ein Kindergarten gesehen.

    einklappen einklappen
  • Vetogegener am 08.01.2016 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Veto abschaffen

    Würde China Nordkorea nicht immer noch den Rücken stärken, wäre das Problem schon lange gelöst. Eigentlich sollte man Sanktionen gegen China verhängen und ihnen das Vetorecht im UNO Rat entziehen, denn solange es existiert, ist der UNO Rat handlungsunfähig und zu nichts nütze in dieser Frage.

  • Sven E. am 08.01.2016 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem des Westens ist

    dass sie Nordkorea nahezu aussanktioniert haben. Ausser einem militaerischen Angriff gibt's an sich nichts mehr, womit man Kim erschrecken koennte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dutubu am 08.01.2016 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wo bleibt der Kindergarten Cop?

    Unglaublich dieser Kindergarten. Diese Reaktion vom kleinen kim Jong Un zeigt einmal mehr die Unreife Nordkoreas! Einfach nur traurig und unnötig!

  • Duke Del Rey am 08.01.2016 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk muss darunter leiden

    Hier wird das normale Volk für die Bombe bestraft. Bekämpft das Problem von wo es auch kommt.

  • Amyjo am 08.01.2016 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wann werden die Erwachsen?

    Wie sagt man so schön: Erwachsen werden die nie, nur die Spielzeuge werden grösser und teuerer.

  • Jammer am 08.01.2016 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    also wenn das mal nicht kontraproduktiv ist und ein völliger Kindergarten, dann weis ich auch nicht.

  • Chris am 08.01.2016 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Theater

    Dieses Theater hatten wir bereits! Übrigens in den Kindergarten ging der Kim nicht in Köniz.