Wahlen in Griechenland

05. Mai 2012 08:35; Akt: 05.05.2012 08:35 Print

Morgenröte, die Angst macht

von U. Walther - Mit Gewalt gegen Fremde, Hetze und Hitlergruss profilieren sich Griechenlands Rechtsextremisten vor den Wahlen. Ihre Partei «Goldene Morgenröte» wird ins Parlament einziehen.

(Video:Youtube/AP)
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Sie grüssen sich mit erhobenem rechten Arm und sorgen als rechtsradikale Schlägertruppe, die in den heruntergekommenen Vierteln Athens Jagd auf Ausländer macht, für Schlagzeilen: Die rechtsextreme Partei «Chrysi Avgi» («Goldene Morgenröte») sorgt für Angst und Schrecken in Athen.

Allein in den vergangenen Monaten gab es laut Menschrechtsorganisationen 63 gewaltsame Übergriffe auf Ausländer in Athen. Der Ägypter Adam Fekry, der sich seit eineinhalb Jahren in Athen durchschlägt, erzählt in der «Bild»: «Die Nazis verprügeln in gewissen Strassen alle, die sie sehen. Jeder, der schwarz ist oder einfach anders aussieht, wird zusammengeschlagen. Und die Polizei tut einfach nichts.»

Wirtschaftskrise sei Dank

Mittlerweile hat sich die «Goldene Morgenröte» vom rechtsradikalen Schlägertrupp zu einer scheinbar familiengerechten Rechtspartei gemausert. Zuzmindest in den Augen vieler Griechen. Bei den Parlamentswahlen 2009 erreichte die Partei mit ihrer «Mischung aus Fremdenhass und Vaterlandsverhätschelung», so die Frankfurter Allgemeine Zeitung, nur gerade einen Wähleranteil von 0,3 Prozent. Bereits im November 2010 zog der Führer der Partei, Nikolaos Michaloliakos, mit 5,3 Prozent der Stimmen ins Athener Stadtparlament ein.

Für die Wahlen vom Sonntag werden der Partei ein Wähleranteil von 5 bis 6 Prozent vorausgesagt, nur drei Prozent sind für den Einzug ins Parlament notwendig. Im heruntergekommenen Zentrum von Athen, wo die Immigranten in der Mehrheit sind, beträgt die Zustimmung sogar 20 Prozent. Das entspreche, so behaupten böse Zungen, genau der Zahl der dort noch wohnhaften Griechen.

Die Wirtschaftskrise und das brutal harte EU-Sparpaket haben diesen Aufstieg möglich gemacht. Auch die vollständige Untätigkeit der Politik gegenüber der hohen Einwanderung - in Griechenland wandern pro Jahr gegen 130 000Menschen ein - und die Verwandlung ganzer Stadtteile Athens in slumartige Ghettos, haben dazu beigetragen.

Offene Hetze

«Griechenland den Griechen», «Nicht ein einziger arbeitsloser Grieche, nicht ein einziger illegaler Einwanderer in Griechenland». Die Wahlzettel von «Chrysi Avgi» sind einfach, die Aussagen klar und deutlich. Und sie verfangen.

Genau so wie das Wahlprogramm der Partei. Es verspricht, alle Ausländer aus Griechenland zu verjagen. Als erstes seien die Muslime und die illegalen Einwanderer dran. Danach die Albaner, welche in den 90er Jahren nach Griechenland kamen und bereits eingebürgert sind. Straffällige Ausländer sollen vor der Ausweisung in Arbeitslager gesteckt werden, um sich das Geld für die Rückreise zu verdienen. Und zum Schutz vor illegalen Immigranten sollen die Grenzgebiete zur Türkei vermint und von Sondereinheiten des Militärs mit Schiessbefehl gesichert werden.

Die Anti-Partei

In Stavmos Larissa, im Zentrum von Athen, nur einen Steinwurf von Bahnhof entfernt, befindet sich der Hauptsitz der «Goldenen Morgenröte». Das Haus sieht schäbig aus. Auf dem Dach wehen Fahnen mit Emblemen, die eine deutliche Sprache sprechen.

Bäcker, Lastwagenfahrer und Strassenwischer: Das sind die Kandidaten der rechtsradikalen Partei fürs Parlament. «Ihr unbeholfenes, wenig redegewandtes Auftreten, ist Programm - es soll Volksverbundenheit demonstrieren», analysiert die FAZ. Man legt denn auch Wert darauf eine Bewegung und keine Partei zu sein. Die Parteispitze um Michaloalikos kokettiert mit einer strengen Medienabstinenz, Interviews gibts keine.

Die rund 20 Jahre alte Eleftheria dagegen stellt sich den Fragen eines Reporters des «Standard»: Sie sei über ihre Eltern zur Partei gekommen, man habe ihr Zuhause «Nationalstolz» beigebracht. Sie sagt Muslime gehörten nicht nach Griechenland. Juden misstraue sie, den sie seien «gut mit Geld». Und: «Die Vermischung der Rassen» sein ein Mittel der Feinde Griechenlands, um Hellas zu schwächen.

Partei mit Einfluss

Die Parteisoldaten von «Chrysi Avgi» treten mit Vorliebe in den heruntergekommenen Stadtteilen Athens auf, etwa in der Gegend hinter dem Omonia-Platz. Sie übernhemen dort eine Aufgabe, die der Staat erledigen sollte: sie verteilen Nahrungsmittelpakete an griechische Rentner und bedüftige Familien. Und sie werben für ihre Bürgerwehren - die in den Quartieren, die von der Polizei gemieden werden, für «Ruhe und Ordnung» sorgen sollen.

«In Zeiten der Wirtschaftskrise ist die Demokratie in Gefahr», schreibt der amerikanische Faschismusforscher Robert Paxton in seinem Buch «Anatomie des Faschismus». Und er warnt: «Wenn die rechtsextremen Parteien Anerkennung bekommen, dominieren ihre Ideen die politischen Diskussionen.»

Das ist in Griechenland bereits der Fall. Antonis Samras, Spitzenkandidat der Nea Demokratia, hat kurz vor den Wahlen die «Invasion» von Illegalen scharf verurteilt. Und der griechische Bürgerschutzminister von der Pasok lässt als Teil seines Wahlkampfes Razzien in den Ausländerviertel Athens durchführen. Zudem hat er - ganz im Sinn der «Goldenen Morgenröte» - den Bau von 30 Internierungslagern für illegale Einwanderer angeordnet. Ein erstes mit Platz für 1200 Migranten, wurde Ende April bereits eröffnet.

Adam Fekry kümmert das nicht mehr. Er hat nur noch ein Ziel. Er will weg aus Griechenland. Und «zwar so schnell wie möglich.»


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Der Rechtspopulismus ist im gesamten europäischen Raum auf dem Vormarsch, da sich die Bürger von der zu sehr linken Politik enttäuscht fühlen und Angst vor Überfremdung haben. Kein Staat ist mehr davon sicher und die rechtsradikalen Parteien gewinnen, je mehr sich Europa öffnet, umso mehr Zulauf. Schengen selbst ist zu einem Fluch und Segen gleichermassen geworden. Das Schlimmste jedoch daran ist, dass wir aus der Geschichte Nichts gelernt haben und nur der geringste Anlass genügt, dass wir wieder dort landen wo wir einmal waren. – Thomas

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny B. am 05.05.2012 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Fast wie in Deutschland nach dem 1 Weltkrieg und was danach geschehen ist wissen wir alle.

  • Stefan Reber am 06.05.2012 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Untätigkeit der Politik

    Interessant finde ich folgende Aussage im Artikel: Auch die vollständige Untätigkeit der Politik gegenüber der hohen Einwanderung - in Griechenland wandern pro Jahr gegen 130 000 Menschen ein - (....) haben dazu beigetragen. In das kleine Land namens Schweiz wandern jährlich etwa gleichviele Personen ein. Und diese Einwanderung wird in Politik, Wirtschaft und Medien als das alleine Seeligmachende verkauft.... Vielleicht sollte man in der Schweiz auch endlich aufwachen.

  • Urs Schöner am 05.05.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Es kommt wie es kommen musste. Jeder braucht seinen Platz, am besten unter seinesgleichen, alles andere ist eine Lüge die, wie jetzt in Griechenland, bestraft wird. Viele Menschen wollen sich nicht vermischen, haben die kein Recht auf Ihre Meinung? Wird jetzt jede Meinung die nicht links ist als falsch angesehen? Und das soll Demokratie sein. Obwohl wir hier in Europa seit dem Kindergarten mit Linkspropaganda vollgepumt werden, haben viele von uns ihre Ansichten geändert, Zufall? Leben und leben lassen sollte für beide Seiten gelten, leider sind wir sehr weit davon entfernt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oliver am 07.05.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Morgenröte, die uns Hoffnung gibt.

    Radikalisierte und extreme Situationen verlangen radikale Lösungen. Hyperinflation wird kommen und danach auch eine neue Ordnung. Wer das nicht begreift, hat auch das Zinseszinssystem nicht verstanden.

  • Der Sirtaki-Mann am 07.05.2012 02:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit lässt sich nicht verdrängen 

    Das Limit einer für die Einheimischen erträglichen Zuwanderung ist längst überschritten! Willkommen sollten nur diejenigen sein, welche sich an die Spielregeln halten und die landesüblichen Sitten, Bräuche und Kulturen respektieren - oder lässt denn irgendjemand einen Gast, der sich 'daneben' benimmt und das Gastrecht nicht schätzt, in seinen eigenen vier Wänden gewähren? Schaut man umher, wie es um uns und unsere Nachbarländer bestellt ist, so stellt man fest, dass der Ausverkauf der eigenen Werte, Kultur und Religion im Namen des 'multikulturellen Verständnisses' unlängst stattgefunden hat.

  • Perseus am 06.05.2012 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einzige richtige Lösung!

    Verstehe die Griechen sehr gut! Hoffe dass diese Vorgehensweise in möglichst vielen, von Strömen der Dienstleistungsparasiten befallenen Ländern übernommen wird, um den Leuten, welche es nicht für nötig befinden, die landesüblichen Regeln, Gesetzte und Kulturen zu respektieren und sich anzupassen, unattraktiv zu machen. Jeder soll sein leben so führen wie er will, aber unter seines Gleichen und in seinem Land!

  • Will Tell am 06.05.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns?

    Leider konnte ich mit meinen ca. 17 Jahren keinen über die Folgen der PFZ überzeugen. Die sogenannten Erwachsenen belächelteten meine, in deren Augen, einfache Sichtweise über die Folgen einer angenommenen Initiative. Beschämend schauen sie heute weg, wenn ich sie daran erinnere. Aber der Schweiz gehts heute noch zu gut. Erst wenn wir immer tiefer sinken und eines Tages auf Griechenniveau leben, sind wir bereit etwas in unserer Politik zu ändern. Statt jetzt eine gemässigte rechte Politik zu betreiben, werden wir uns in einigen Jahren mit extremen Mitteln zur Wehr setzen.

  • Stefan Reber am 06.05.2012 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Untätigkeit der Politik

    Interessant finde ich folgende Aussage im Artikel: Auch die vollständige Untätigkeit der Politik gegenüber der hohen Einwanderung - in Griechenland wandern pro Jahr gegen 130 000 Menschen ein - (....) haben dazu beigetragen. In das kleine Land namens Schweiz wandern jährlich etwa gleichviele Personen ein. Und diese Einwanderung wird in Politik, Wirtschaft und Medien als das alleine Seeligmachende verkauft.... Vielleicht sollte man in der Schweiz auch endlich aufwachen.