Korruption

08. Februar 2011 12:13; Akt: 08.02.2011 15:09 Print

Mubaraks Milliarden in der Schweiz?

Mit dem absehbaren Ende der Ära Mubarak werden Fragen nach Umfang und Herkunft seines Privatvermögens laut. Der Finanzplatz Schweiz steht im Zentrum der Gerüchte.

Al Dschasira auf der Spur Gamal Mubaraks vor dessen Residenz in einem noblen Londoner Quartier. (Video: Al Dschasira)
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Das Familienvermögen der Mubaraks könnte laut dem britischen «Guardian» umgerechnet bis zu 70 Milliarden Schweizer Franken betragen. In seiner 30-jährigen Amtszeit als Präsident und als hoher Offizier der ägyptischen Armee hatte Hosni Mubarak privilegierten Zugang zu Projekten, die hunderte Millionen Gewinn abgeworfen haben. Diese sollen grösstenteils ausser Land auf geheime Konten geschafft oder in Wohn- oder Hotelimmobilien im oberen Segment angelegt worden sein.

Im vergangenen Jahr berichtete die algerische Zeitung «Al Khabar», Mubarak besitze Immobilien in Manhattan und am noblen Rodeo Drive in Beverly Hills. «Al Khabar» geht ausserdem davon aus, dass die Mubaraks den Grossteil ihres Vermögens bei der UBS und der Bank of Scotland deponiert haben. Die entsprechenden Informationen könnten allerdings mindestens zehn Jahre alt sein.

Lukrative Joint Ventures

Laut Amaney Jamal, Professorin für Politologie an der Universität Princeton, bewegt sich die Schätzung von 40 bis 70 Milliarden Franken im selben Rahmen wie die Privatvermögen der Scheichs in den Golfmonarchien: «Das Geld stammt aus Geschäften aus seiner Militär- und Regierungszeit. In diesem Regime gab es eine Menge Korruption, öffentliche Gelder wanderten in private Taschen. Das ist das Muster der Diktatoren im Nahen Osten, so sind ihre Vermögen geschützt, wenn sie abtreten. Sie planen für dieses Szenario im Voraus.»

Christopher Davidson, Professor für Nahostpolitik an der britischen Universität Durham, sagte dem «Guardian», Mubarak, seine Frau und zwei Söhne hätten während seiner Militärzeit durch Geschäfte mit ausländischen Investoren und Unternehmen ein Vermögen anhäufen können. In den meisten Ländern am Persischen Golf seien Ausländer verpflichtet, Joint Ventures mit lokalen Partnern einzugehen, die 51 Prozent der Aktien halten müssen.

In Ägypten reichen normalerweise 20 Prozent, doch Politikern und Militärs winken dadurch immer noch enorme Gewinne bei sehr überschaubaren Risiken. «Fast jedes Projekt braucht einen Sponsor und Mubarak war dafür bestens positioniert. Ein Grossteil seines Vermögens liegt auf Schweizer Konten oder ist in Londoner Immobilien angelegt. Das sind die beliebtesten Gefässe für Investoren aus dem Nahen Osten. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Mubarak hier eine Ausnahme bildet», sagte Davidson.

Bundesrat «verfolgt die Situation aufmerksam»

Sollten die Ereignisse in Ägypten jenen in Tunesien folgen, wird sich der Bundesrat vielleicht schon bald mit den Milliarden der Mubaraks beschäftigen müssen. Der Bundesrat wolle jegliches Risiko einer Veruntreuung von staatlichem Eigentum vermeiden, sagte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey im Zusammenhang mit der Sperrung der Gelder des ehemaligen tunesischen Präsidenten Ben Ali.

Auf die Frage, ob Anstrengungen des Bundes im Gang sind, allfällige Gelder des ägyptischen Präsidenten und seines Umfeldes in der Schweiz zu sperren, antwortete Pierre-Alain Eltschinger vom EDA: «Wir verfolgen die Situation in Ägypten mit grosser Aufmerksamkeit.» Die angefragten Schweizer Banken erklärten gegenüber 20 Minuten Online, dass sie gemäss dem Schweizer Datenschutzgesetz weder bestätigen noch dementieren dürfen, ob Mubarak Gelder auf ihren Konten habe.

(kri)