Blutdiamanten

08. August 2011 19:49; Akt: 08.08.2011 20:54 Print

Mugabes Folterlager auf Diamantenfeldern

Als wäre ihr Schicksal als Sklaven in den Diamantenminen von Simbabwe nicht grausam genug, macht jetzt ein BBC-Team Details über angebliche Folterlager in den Minen publik. Die EU reagiert skeptisch.

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Ein Foltercamp in Zimbabwe (Screenshot BBC News)

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Auf den Diamatenfeldern im Marange- Gebiet im Osten Simbabwes werden einem britischen Medienbericht zufolge Zwangsarbeiter in einem Gefangenenlager von Soldaten und Polizisten gefoltert. Ein Sprecher der EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton forderte «stichhaltige Beweise» für diese Behauptungen.

Augenzeugen hatten zuvor dem Sender BBC von Gewalt und sexuellem Missbrauch in Zengeni nahe der Marange-Minen berichtet. Laut dem am Montag veröffentlichten BBC-Bericht zwingen die Sicherheitskräfte Zivilisten zur Arbeit in den Minen. Menschen, die sich widersetzten oder einen Teil der Einnahmen verlangten, würden in die Folterlager gebracht.

Schläge, Hiebe, Vergewaltigungen

Ein mit Stacheldraht gesichertes Lager befindet sich laut dem BBC-Bericht (mit Videoreportage) nur wenige hundert Meter von der Hauptmine Mdaba entfernt. Die Firma, die die Mine ausbeutet, wird gemäss der BBC von einem Freund von Simbabwes Staatschef Robert Mugabe geleitet. In der Nähe von Muchena gibt es demnach ein zweites Lager.

Ein Ex-Häftling, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der BBC, er sei morgens und abends mit bis zu 40 Peitschenhieben bestraft worden. Ausserdem seien Hunde auf die mit Handschellen gefesselten Gefangenen gehetzt worden. Mehrere Ex-Gefangene sagten, Frauen seien vergewaltigt worden. Anonyme Armeevertreter bestätigten die Folterungen. Ihren Angaben zufolge gab es auch Todesfälle.

Brüssel ist skeptisch

Ashtons Sprecher Michael Mann sagte in Brüssel, der EU seien bereits früher Berichte über angebliche Folterlager in Simbabwe vorgelegt worden. «Aber wir hatten nie stichhaltige Beweise, die belegen, dass diese Lager wirklich existieren», erklärte Mann.

Schon «vor einem Jahr» seien in einem BBC-Bericht ähnliche Behauptungen aufgestellt worden - jedoch ohne einen «hundertprozentigen» Beweis. Auch EU-Vertretern in Harare sei es nie gelungen, überzeugende Beweise zu sammeln.

Simbabwes Minenminister Obert Mpfofu widersprach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa in Harare den Vorwürfen. Die BBC verbreite im Auftrag der Regierung in London «billige Propaganda», um Diamanten aus Simbabwe vom Weltmarkt zu drängen.

Blutdiamanten?

Simbabwe verfügt im Osten des Landes über eine der grössten Diamantenvorkommen der Welt. Das simbabwische Militär hatte 2008 gewaltsam die Kontrolle über das Gebiet übernommen. Dabei waren gemäss Menschenrechtsorganisationen etwa 200 Menschen getötet worden.

2009 war dem Regime von der internationalen Gemeinschaft verboten worden, Diamanten auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Allerdings entschied der Chef des sogenannten Kimberley-Prozesses, der Kongolese Mathieu Yamba, Ende Juni praktische im Alleingang, den Diamantenexport wieder zuzulassen. Dies wurde von den USA und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert.

Seit 1980 an der Macht

Gerade in britischen Medien steht Mugabe in der Dauerkritik. Denn Simbabwe war vor seiner Unabhängigkeit 1980 zunächst britische Kolonie und ab 1965 unter Ian Smith eine von Weissen angeführte Diktatur (Rhodesien).

Nach einem Befreiungskampf der Schwarzen und Wahlen kam Mugabe 1980 an die Macht. Er führte das Land bis 1987 als Premier und seitdem als Präsident. Während Mugabe in der Anfangszeit grosse Erfolge erzielen konnte, nahm seine Regierungsführung im Verlauf der 1990er Jahre immer diktatorischere Züge an.

Die Erfolge in der Wirtschaft verpufften und die frühere Kornkammer Afrikas glitt in eine schwere Wirtschaftskrise ab, die bis heute andauert.

Seit Februar 2009 bildet Mugabes ZANU-PF mit der früheren Oppositionspartei MDC eine Einheitsregierung. Diese war nach von Gewalt und Fälschungen überschatteten Wahl vom März 2008 vom damaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki vermittelt worden. MDC-Chef Morgan Tsvangirai wurde Regierungschef. Ein gemeinsames Regieren fällt den beiden Erzrivalen aber schwer.

(sda)

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