Schwierige Regierungsbildung

10. Oktober 2019 02:40; Akt: 10.10.2019 02:46 Print

Muslimische Partei gewinnt Wahl in Tunesien

Um im nordafrikanischen Land regieren zu können, ist die gemässigt islamistische Ennahdha-Partei auf ein Bündnis angewiesen.

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Hat mit seiner Partei nur den zweiten Platz erreicht: Präsidentschaftskandidat Nabul Karoui. (9. Oktober 2019) (Bild: Keystone/Mohamed Messara)

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Die gemässigt islamistische Ennahdha-Partei hat bei der Parlamentswahl in Tunesien die meisten Stimmen geholt. Die Partei sicherte sich laut dem am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Wahlergebnis 52 der 217 Sitze im Parlament.

Das entspricht 23,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit ist sie auf ein Bündnis mit anderen Parteien angewiesen, um das nordafrikanische Land regieren zu können. Die Partei Qalb Tounes des Präsidentschaftskandidaten Nabul Karoui landete demnach bei der Wahl am vergangenen Sonntag mit 38 Mandaten (17,5%) auf dem zweiten Platz. Die einstige Regierungspartei «Nida Tounes» des im Juli gestorbenen Staatspräsidenten Béji Caïd Essebsi landete unter ferner liefen.

Tunesien steht wegen des Wahlergebnisses – die dritt- und viertplatzierten Parteien holten 22 und 21 Sitze – eine schwierige Regierungsbildung bevor.

Während die etablierte Ennahda deutlich an Stimmen verlor, schnitt «Qalb Tounes» stark ab. Deren Parteichef Nabil Karoui tritt kommenden Sonntag in einer Stichwahl um das Präsidentenamt gegen den Verfassungsrechtler Kais Saied an. Beide sind politische Aussenseiter.

Präsidenten-Stichwahl am Sonntag

Mitte September hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl in dem nordafrikanischen Land stattgefunden, die mit einer herben Schlappe für die etablierten Parteien endete.

Viele Tunesier sind enttäuscht angesichts einer stagnierenden Wirtschaft, hoher Arbeitslosigkeit und steigender Preise. Bislang hatte die muslimische Ennahdha gemeinsam mit der Mitte-Partei Nidaa Tounes die Mehrheit im Parlament.

Im Gegensatz zur Wahl des Staatsoberhaupts war die Parlamentswahl in der Bevölkerung auf geringes Interesse gestossen. Es war die zweite Parlamentswahl in Tunesien, seitdem sich das Land 2014 im Gefolge des Arabischen Frühlings eine neue Verfassung gab.

Am Sonntag wird in einer Stichwahl über den neuen tunesischen Präsidenten abgestimmt. Der umstrittene Medienmogul Karoui tritt dann gegen den Jura-Professor Kaïs Saïed an. Karoui ist mit 15,6 Prozent der Stimmen knapp hinter Saied (18,4 Prozent) in die Stichwahl eingezogen.

Karoui war am 23. August wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft genommen worden. Erst am Mittwoch wurde er aus dem Gefängnis entlassen.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 10.10.2019 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Armes Tunesien

    Wir wissen alle wie muslimisch (später islamistisch) geführte Regierungen aussehen. Armes Tunesien, die Probleme werden nur noch grösser werden.

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  • Willi / Balz am 10.10.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiefschlag für die Freiheit

    Das kann ja heiter werden, arme Frauen. Wenn dort Frauen wählen dürfen, haben die ein Eigentor geschossen, oder sie wurden von ihren Männern dazu angehalte.

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  • Typhoeus am 10.10.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückschritt oder

    Fortschritt, das ist nun die Frage.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 10.10.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück Tunesien

    Sehe da kein Problem, anscheinend will ein grosser Teil der Wählerschaft ein muslimisches Regime. Frage mich nur wie in Zukunft mit den Touristen umgegangen wird, ist ja die grösste Einnahmequelle des Landes. Dank mangelhafter Bildung obsiegen immer wieder die " Falschen" oder sehen wir das eben nicht richtig????

  • Sodeli am 10.10.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Erhöhter Puls

    Skandal. In einem muslimischen Land wird eine muslimische Partei gewählt. Das wäre ja fast so, wie wenn in Deutschland eine christliche Partei an der Macht wäre. Oh.. Wait a minute.

  • Peter am 10.10.2019 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    "gemässigt islamistisch"

    Was genau soll das sein? Am Islamismus gibt es nichts "gemässigtes"...

  • Fred am 10.10.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich...

    Ganz wichtig. Hier muss es wieder Kommentare geben. Wieso gab es keine Kommentare bei dem Vorfall in Halle?

    • Lilith am 10.10.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fred

      Vermutlich würde das Volch hier erwartungsgemäß den Täter bejubeln. Das wäre sogar für dieses Blatt zuviel.

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  • Lenard am 10.10.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Über kurz oder lang

    Es musste ja so kommen. Die Lernresistenz auf diesem Kontinent ist sprichwörtlich.