Klage gegen Ex-König

31. Juli 2014 17:01; Akt: 31.07.2014 17:34 Print

Muss Juan Carlos jetzt zum Vaterschafts-Test?

Die spanische Justiz prüft eine Vaterschaftsklage gegen den Ex-König Juan Carlos. Nach der Abdankung im Juni hat Juan Carlos grundsätzlich seine gerichtliche Immunität verloren.

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Der spanische König Juan Carlos dankt ab - nach 40 Jahren und allerhand Skandalen. Am 29. März 1956 starb der jüngere Bruder von Juan Carlos an einer Schussverletzung - offenbar hatte sich beim Reinigen der Waffe ein Schuss gelöst. Der damals 14-jährige Alfonso und der 18-jährige Juan Carlos befanden sich allein in einem Zimmer. Am 17. April 1956 berichteten italienische Medien allerdings, dass Juan Carlos seinen Bruder mit einem Kopfschuss getötet habe. Der Fall wurde nie untersucht. (im Bild: Juan Carlos 1975 mit seinem Sohn Don Felipe) Am 14. Mai 1962 heiratet Prinz Juan Carlos Prinzessin Sofia von Griechenland. Diese Ehe hält bis heute. Regelmässig aufkommende Gerüchte über angebliche Affären des Königs belasten den Bund jedoch. In jüngster Zeit kamen Gerüchte auf, wonach der König auch eine angebliche Geliebte, die deutsche Adelige Corinna zu Sayn-Wittgenstein, auf eine seiner umstrittenen Safaris mitgenommen hatte (im Bild: Juan Carlos wird 1975 zum König proklamiert). Juan Carlos soll mindestens vier uneheliche Kinder haben: Eines mit seiner Jugendliebe Maria Gabriela von Savoyen, ein anderes mit Gräfin Olghina Robilant. Im Bild: Der Spanier Albert Solà gibt an, der erstgeborene Sohn des Monarchen zu sein. Sollte ihn der König anerkennen, hätte er Anrecht auf den Thron. Auch die Belgierin Ingrid Sartiau (rechts) ist angeblich eine Tochter des Königs. Die Gerüchte über diese Affären «stellten die Beziehung zu Königin Sofia auf eine harte Probe. Das Königspaar trat nur noch selten gemeinsam auf, und wenn sie zusammen waren, wirkte ihre Beziehung kalt», so eine Vertraute des Königshauses gegenüber dem österreichischen «Kurier» (im Bild: Juan Carlos 2010 mit der damaligen Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard). Überhaupt scheint es hoch herzugehen im Königshaus, zumindest, wenn man dem Autor des Buches «Letizia Ortiz - eine Republikanerin am Hof von Juan Carlos I.» glauben darf, das vor vier Jahren in Spanien für Aufsehen sorgte (im Bild: die Heirat von Felipe und Letizia 2004). Es handelt von Kronprinzessin Letizia, der Gattin von Thronfolger Felipe, und von Drogen, Liebesaffären und Depressionen (im Bild: die Heirat von Felipe und Letizia 2004). Für einen Aufschrei im katholischen Spanien sorgte vor allem die Behauptung, dass die zweifache Mutter 1996 in Mexiko eine Abtreibung durchgeführt haben soll. Das Buch brachte das ohnehin in Verruf geratene Königshaus weiter in Bedrängnis. Im April 2013 wurde bekannt, dass Juan Carlos in den Neunzigerjahren fast 8 Millionen Franken von seinem Vater geerbt und diese auf Schweizer Banken deponierte hatte - der Fiskus wusste nichts davon. Pikant: Spanien litt in diesen Jahren unter hoher Arbeitslosigkeit und einer harten Wirtschaftskrise. Steuerfahnder verkündeten nach einer Abklärung, Juan Carlos habe mit dem Geld Schulden seines Vaters bezahlt - nur seien die entsprechenden Belege leider unauffindbar. 2006 soll Juan Carlos in der russischen Vologda-Region einen Braunbären erlegt haben - nachdem dieser mit Wodka und Honig «abschussreif» gemacht worden sei. Dies behauptete zumindest der Jagdaufseher Sergei Starostin gemäss (Symbolbild). Gar nicht der royalen Etikette entsprechend verhielt sich Juan Carlos im Jahr 2012: Weil sein Chauffeur nicht den Wünschen des royalen Oberhaupts entsprechend parkierte, setzte der König diesem mit Schlägen zu. Ein Video des spanischen TV-Senders «Al Rojo Vivo» zeigt die Szene. Während sein Land in der Krise versumpfte und rund 35 Prozent seiner Landsleute arbeitslos waren, ging Juan Carlos in Afrika auf Elefantenjagd. Bei der Safari im Jahr 2012 zog sich der König einen dreifachen Hüftbruch zu und musste in Madrid notoperiert werden. Die Reise soll laut der spanischen Tageszeitung «El Pais» an die 53'000 Franken gekostet haben. Nicht nur den spanischen Steuerzahler erzürnte die Reise, sie sorgte auch für Entrüstung bei Umwelt- und Tierschützern: Juan Carlos fungierte nämlich als Ehrenpräsident der spanischen Sektion des WWF. In seiner letzten Weihnachtsansprache 2013 beschwor Juan Carlos mit Blick auf die separatistischen Strömungen in Katalonien die Einheit des Landes - woraufhin das staatliche Fernsehen Kataloniens die königliche Weihnachtsrede erstmals seit 40 Jahren nicht ausstrahlte. In der Ansprache hatte Juan Carlos im Übrigen betont, dass er nicht ans Abdanken denke. Er sei fest entschlossen, das Mandat zu erfüllen, das die spanische Verfassung ihm zuschreibe, sagte der Monarch. «Ich akzeptiere die Forderung der Gesellschaft nach Beispielhaftigkeit und Transparenz.» Sechs Monate später hat er seine Meinung geändert (im Bild: Juan Carlos Abdankungsbrief).

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Der Oberste Gerichtshof Spaniens prüft nach der Abdankung von König Juan Carlos eine Vaterschaftsklage gegen den Monarchen. Durch die Abgabe seines Amtes im Juni hatte Juan Carlos grundsätzlich seine gerichtliche Immunität verloren. Allerdings beschloss das Parlament in Madrid, dass nur der Oberste Gerichtshof, vor dem eine höhere Beweislast nötig ist als vor anderen Gerichten, abgedankte Monarchen zur Rechenschaft ziehen darf.

Der Fall des angeblichen unehelichen Sohns Alberto Sola war eine von zwei Vaterschaftsklagen, die 2012 von einer niedrigeren Instanz abgewiesen worden waren. 2013 klagte Sola noch einmal und wurde wieder abgewiesen. Durch das neue Gesetz sei sein Einspruch nun an den Obersten Gerichtshof verwiesen worden, teilte dieser am Donnerstag mit.

(sda)