Private Spionage

27. September 2013 11:28; Akt: 27.09.2013 12:23 Print

NSA-Mitarbeiter horchen ihre Freundinnen aus

Die NSA hat Details zu Fällen veröffentlicht, in denen Mitarbeiter Menschen aus ihrem privaten Umfeld ausspionierten. Unter anderen wurden Partner und Ex-Freundinnen ausgehorcht.

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Ein Überblick über die NSA-Affäre in Bildern. Anfang Juni 2013 enthüllt der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, wie die Vereinigten Staaten und Grossbritannien seit 2007 in grossem Umfang die Telekommunikation und das Internet global und verdachtsunabhängig überwachen. Im Bild: Die Zentrale der National Security Agency NSA in Fort Meade, Maryland. Mitarbeiter der NSA betrieben auch privat Spionage. Unter anderem sollen sie Partner und Ex-Freundinnen ausgehorcht haben. Im September 2013 wird bekannt: Die USA bespitzelten auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff (Bild) und den mexikanischen Staatschef Enrique Peña. Der «Spiegel» berichtet am 25. August, dass die NSA nicht nur Botschaften, sondern auch die Uno ausspioniert hat. Im Bild: der Uno-Hauptsitz in New York. Wie der «Guardian» am 23. August berichtete, hat der US-Geheimdienst NSA diversen Technologiefirmen Millionen Dollar für ihre Mitarbeit bezahlt. Betroffen sind Firmen wie Google, Yahoo und Microsoft. Gleichentags gab die Zeitung bekannt, dass sie aufgrund des grossen Drucks seitens der britischen Regierung die brisanten Daten von Edward Snowden mit der US-Zeitung «New York Times» teilen wird. Am 18. August 2013 wurde David Miranda (r.) neun Stunden lang auf dem Flughafen Heathrow festgehalten und verhört. Der Brasilianer ist der Lebenspartner des «Guardian»-Journalisten Glenn Greenwald (l.), der die Snowden-Daten bearbeitet. Kurz darauf gab der Chefredaktor des «Guardian» bekannt, dass er von der britischen Regierung stark unter Druck gesetzt worden sei. Um einer Klage der Regierung zu entgehen, musste er einwilligen, dass Festplatten der Redaktion zerstört wurden - unter Aufsicht von Agenten des Government Communications Headquarters. Im Oktober schlägt in Deutschland die nächste Bombe ein: Auch das Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde überwacht. «Die Methoden der NSA haben nichts mehr mit dem Rechtsstaat zu tun, den wir geschaffen haben», sagt der grüne EU-Abgeordnete Jan Albrecht. Er sitzt im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten und Justiz. Mit einem Lächeln in die Freiheit: Der 30-jährige Whistleblower Edward Snowden hat am nach über sechs Wochen der Ungewissheit den Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen. Snowden darf zunächst für ein Jahr in Russland bleiben. Sein Anwalt Anatoli Kutscherena präsentierte ein Dokument, das dem Whistleblower erlaubt, den Moskauer Flughafen zu verlassen. Das freut auch Ex-Spionin 00-Sex Anna Chapman, die Snowden auf Twitter einen Heiratsantrag machte. Am ist der Transitbereich im Flughafen Scheremetjewo für Ed Snowden keine Einbahnstrasse und keine Sackgasse mehr: Der Whistleblower hat Papiere erhalten, die es ihm erlauben, in Russland einzureisen. Damit ist der Weg für ihn frei: Er darf den Transitbereich verlassen und in Russland einreisen. Am hatte Snowden im Beisein von Menschenrechtsaktivistinnen bekanntgegeben, dass er ein Asylgesuch in Russland stelle. Snowden hatte das Gesuch ... ... auf einen einfachen Fresszettel gekritzelt. Der prominente russische Anwalt Anatoli Kutscherena informiert am die Medien, dass Snowden seinen Antrag auf politisches Asyl in Russland unterschrieben habe. Am schien klar, dass sich Snowden nach Venezuela absetzen möchte. Die so lautende Twitter-Nachricht des russischen Politikers Alexej Puschkow erwies sich aber als verfrüht. Weil Boliviens Präsident Evo Morales angedeutet hat, er würde Asyl für Snowden in Erwägung ziehen, wurde sein Flieger in der in Österreich kurzerhand zur Landung gezwungen. Snowden befand sich allerdings nicht an Bord. Morales war auf dem Weg von Russland nach Bolivien. Morales nutzte die Gelegenheit und traf sich mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer vor dem Weiterflug. Gemäss Wikileaks hatte Snowden in insgesamt beantragt. Namentlich aufgeführt waren neben der Schweiz 18 andere Länder: Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Irland, Holland, Norwegen, Polen, Russland, Spanien, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Indien, Nicaragua und Venezuela. Viele Länder lehnten aus formalen Gründen ab: Um ein Gesuch zu stellen, müsste sich Snowden auf dem entsprechenden Staatsgebiet oder an der Grenze befinden. Asyl in Russland schien im Bereich des Möglichen. Putin selber sagte: «Wenn er hierbleiben möchte, gibt es eine Bedingung: , die darauf gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag.» Die Bedingungen akzeptierte Snowden nicht und zog seinen Antrag zurück. Seinen ersten - erfolglosen - Asylantrag stellte Snowden in . Das südamerikanische Land gewährte bereits dem australischen Wikileaks-Pionier Julian Assange Zuflucht vor der englischen Justiz. Als Snowden am , seither sitzt er im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest. Am hat Snowden Hongkong verlassen in Richtung Moskau. Er hat sich nach Angaben der Regierung in Hongkong in ein «Drittland» abgesetzt. Zuvor hatten die USA bestätigt, Hongkong wegen einer Auslieferung Snowdens kontaktiert zu haben. Die «Washington Post» berichtete unter Berufung auf Experten, . Ein Auslieferungsgesuch stellten die USA an Russland. Nach ein paar Tagen Funkstille meldete sich Snowden am 13. Juni in einem Interview mit der «South China Morning Post» wieder zu Wort. Er habe vor, . Ausserdem verriet er neue Details: Die USA sollen seit 2009 Computer in China und Hongkong hacken. Snowden war zuerst . Die frühere britische Kronkolonie gehört zu China, ist aber eine Sonderverwaltungszone und hat ein Auslieferungsabkommen mit den USA. (Im Bild: das US-Konsulat in Hongkong) Snowden outete sich am 6. Juni 2013 in der (im Bild: Journalist Glenn Greenwald). Snowdens Identität sei auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin publik gemacht worden, schreibt der «Guardian». «Ich habe nicht die Absicht, mich zu verstecken, weil ich weiss, dass ich nichts Falsches getan habe», wird Snowden zitiert. Sein einziges Motiv sei es gewesen, die «Öffentlichkeit darüber zu informieren, was in ihrem Namen» geschehe. In der UN-Mission der USA in Genf, wo auch die CIA untergebracht ist, arbeitete Edward Snowden von 2007 bis 2009. Über seine Zeit in der Schweiz . Edward Snowden kam wo er für die CIA tätig war und Zugang zu klassifiziertem Material hatte. Dort habe er als Angestellter im Bereich IT-Sicherheit zum ersten Mal das Verlangen verspürt, an die Öffentlichkeit zu bringen, was er über das NSA-Programm der Internet-Überwachung wusste. Snowden wohnte laut «Guardian» zuletzt mit seiner Freundin in diesem Haus auf wo er auch die letzten Geheimdokumente kopierte und weitergab. Danach habe er seinen Vorgesetzten mitgeteilt, dass er für einige Wochen wegfahren müsse, um sich wegen Epilepsie behandeln zu lassen, hiess es. Er bereut nichts: Der junge Techniker steckt hinter den Enthüllungen über den gigantischen Überwachungsapparat der USA. Die US-Geheimdienste erfassen täglich Millionen Telefondaten und durchforsten grossflächig das Internet nach Terrorverdächtigen.

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Der US-Geheimdienst NSA berichtet über mehrere Fälle von Missbrauch der eigenen Überwachungssysteme. NSA-Mitarbeiter sollen demnach unter anderen ihre Partner oder Ex-Freundinnen ausgehorcht haben.

Die am Donnerstag veröffentlichte Antwort auf eine Anfrage des Senators Chuck Grassley schildert zwölf Episoden seit 2003, in drei weiteren Fällen werde noch ermittelt. Viele Verstösse wurden erst bei Lügendetektor-Tests aufgedeckt oder weil die Angestellten davon selbst berichteten.

Handy des Ehemanns überprüft

So liess ein Mitarbeiter von 1998 bis 2003 ohne dienstlichen Anlass neun Telefonnummern von ausländischen Frauen überwachen und hörte aufgezeichnete Gespräche ab. Das flog erst auf, als seine Geliebte, die ebenfalls für die US-Regierung arbeitete, Verdacht schöpfte. Der Mann wurde suspendiert und kündigte, bevor über eine Bestrafung entschieden wurde.

Im Jahr 2004 gab eine Mitarbeiterin zu, sie habe eine ausländische Telefonnummer überprüfen lassen, die sie im Handy ihres Ehemannes entdeckt hatte. Sie habe ihn der Untreue verdächtigt. Als Folge wurden einige seiner Telefongespräche aufgenommen. Die Frau kündigte selbst und wurde deshalb nicht bestraft.

Soziale Kontakte durchleuchtet

Ausserdem liess ein NSA-Angestellter 2003 einen Monat lang die Telefonnummer seiner ausländischen Freundin überwachen - um zu prüfen, ob sie eine weisse Weste habe. Mit ähnlicher Begründung liess eine Frau ihren ausländischen Freund sowie ihre sozialen Kontakte durchleuchten.

Ein weiterer Mitarbeiter meldete 2005 gleich am ersten Tag sechs E-Mail-Adressen seiner Ex-Freundin zur Überwachung an. Es handelte sich jedoch um eine US-Amerikanerin und die Aktion wurde bei einer Routine-Kontrolle schon nach vier Tagen aufgedeckt. In den USA gibt es gesetzliche Hürden für Spionage gegen US-Bürger.

Die privaten Spionage-Aktionen der NSA-Mitarbeiter waren zunächst im Sommer bekanntgeworden. Senator Grassley forderte danach mehr Details von dem Geheimdienst.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco m am 27.09.2013 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz ehrlich...

    ...wer wuerde das nicht machen, wenn er eine solche moeglichkeit dazu haette...

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  • Mr. President am 27.09.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    It's enough

    Die ganze Welt sollte Amerika verklagen!!!!

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  • asdfgasdf am 27.09.2013 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Brute Force

    85'000 PCs mit einer Hintertür versehen um diese dann zu kontrollieren. Mittels einer Brute Force attacke könnten die jedes Passwort in sekunden herausfinden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno am 28.09.2013 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    So sind wir eben

    Schwieriges Thema: Kriminalität , Betrug usw. ist auf der ganzen Welt verbreitet, typisch Mensch eben. Wer sich an Regeln hält ist dem Betrüger unterlegen, da der Kriminelle alle Möglichkeiten nutzt, die er kann. Drum kann nur mit gleichen Ellen gekämpft werden, wenn alle ihre Trümpfe nutzen können. Sonst ists wie wenn zwei Schach spielen und der eine hält sich an Regeln und der andere macht die Züge die ihm passen, ohne spielregeln. Da empören sich alle,aber das ist das Spiegelbild der Menschheit, selten ist jemand besser als sein Umfeld

  • Roman am 28.09.2013 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Einfach nur peinlich die Kommentare hier zum Teil: Wenn man die Möglichkeit hätte würde ich das auch tun.... Was seit ihre nur für traurige Deppen!

  • asdfgasdf am 27.09.2013 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Brute Force

    85'000 PCs mit einer Hintertür versehen um diese dann zu kontrollieren. Mittels einer Brute Force attacke könnten die jedes Passwort in sekunden herausfinden...

    • Remi am 28.09.2013 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      naja...

      Bei einem starken Passwort ist es nahezu unmöglich das Passwort in realistischer Zeit zu knacken. Selbst der stärkste Supercomputer bräuchte dafür hunderte jahre... Mittels Backdoor bzw. Keylogger/Screenlogger können jedoch Passwörter bei eingabe ganz einfach ausgelesen werden. Wenn man schon direkten zugriff auf einen pc hat braucht man kein bruteforce weil das passwort bei eingabe (keylogger) plain/ungeschützt ausgelesen wird.

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  • Markus am 27.09.2013 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    weiter so

    smile, dies ist erst der Anfang, aber Normalo hat ja nichts zu verbergen!!!!!

  • Daniel Stauffer am 27.09.2013 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    NSA- Ressourcen

    Na und? Sind wir ehrlich... Wenn wir die Möglichkeit auch hätten, würden wir doch das selbe tun. Natürlich nicht alle... Es gibt auch viele andere Dinge ausser Stalking, wo die NSA- Ressourcen sehr hilfreich sein können. Als NSA- Arbeiter, würden bestimmt einige die Situation für Private Zwecke ausnutzen.

    • Hans H am 27.09.2013 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      natürlich

      stimme ihnen da vollkommen zu! Alle die hier wieder rumheulen, wären wahrscheinlich die Ersten, die solche Möglichkeiten ausnutzen würden.

    • Jakobine am 28.09.2013 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Dann fehlt wohl

      lieber Daniel, in Ihrer Erziehung gewaltig etwas, wenn sie das als selbstverständlich ansehen, was schlichtweg ein Vertrauenbruch ist und kriminell - sowohl im Kleinen wie im Grossen. Und diese Blauäugigkeit und Gutgläubigkeit hinsichtlich der der positiven Einschätzung der NSA Resourcen und Arbeit ist schon bemerkenswert. Nennen sie mir doch mal ein unabhängig nachgewiesenes der "vielen anderen Dinge, wo die Resourcen hilfreich sein können"- ausser zur Industriespionage, Befriedigung der Neugier, zur kapitalistischen Ausbeutung, Erpressung und zum illegalen Bruch der Privatsphäre...

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