Abtreibung in den USA

15. Mai 2019 11:53; Akt: 15.05.2019 12:43 Print

Nach einer Fehlgeburt droht eine Mordanklage

In den USA sind strenge Gesetze im Bezug auf einen Schwangerschaftsabbruch verabschiedet worden. Die Strafen können drakonisch sein.

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Der US-Bundesstaat Alabama bekommt möglicherweise das strengste Abtreibungsgesetz in den gesamten Vereinigten Staaten. Der Senat verabschiedete am Dienstag eine Neuregelung, wonach Abtreibungen auch nach Vergewaltigung oder Inzest verboten sind.

Ärzten, die dennoch einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, drohen demnach lebenslange Haftstrafen. Die republikanische Gouverneurin Kay Ivey muss das Gesetz noch unterzeichnen, damit es in Kraft tritt.

«Den Staat Alabama gerade selbst vergewaltigt»

Die grösste Menschenrechtsorganisation der Vereinigten Staaten, die American Civil Liberties Union, will das neue Gesetz anfechten. Auch Politiker, die das weitreichende Abtreibungsverbot unterstützen, hoffen, dass der Fall vor dem Obersten Gerichtshof landet: Nachdem US-Präsident Donald Trump dafür gesorgt hat, dass das Gericht vorwiegend mit konservativen Juristen besetzt ist, hoffen sie, dass dort eine Grundlagenentscheidung aus dem Jahr 1973 gekippt wird. Im in den USA als «Roe v. Wade» bekannten Fall hatte der Oberste Gerichtshof das grundsätzliche Recht von Frauen auf eine Abtreibung anerkannt.

Bobby Singleton, Chef der Demokraten im Senat von Alabama, warf den Unterstützern des neuen Gesetzes vor, sie hätten «den Staat Alabama gerade selbst vergewaltigt.» Sichtlich bewegt sagte er in Richtung der strikten Abtreibungsgegner: «Ihr sagt zu meiner Tochter, du bist im Staat Alabama nicht wichtig... Es ist okay, wenn Männer dich vergewaltigen, und wenn du schwanger wirst, musst du sein Baby auch austragen.»

Extremes Gesetz auch in Georgia

Bereits Anfang vergangener Woche verabschiedete der Nachbarstaat von Alabama, Georgia, ein neues Gesetz. Es ist eines der extremsten der USA. Frauen müssen mit Gefängnisstrafen und Mordanklagen rechnen. Auch kann es bei Fehlgeburten zu Anklagen und Ermittlungen kommen. Dies dann, wenn davon ausgegangen wird, dass die Frau für den Tod des ungeborenen Kindes verantwortlich ist.

(20 Minuten/afp)