Tabubruch in Ägypten

27. Dezember 2011 19:03; Akt: 28.12.2011 12:25 Print

Nackt-Bloggerin startet ihren zweiten Streich

Mit einem Nacktfoto hatte Aliaa al-Mahdi weltweit für Aufregung gesorgt. Jetzt provoziert die Rebellin erneut. Auf ihrem Blog fordert sie Frauen auf, ihr Bilder ohne Kopftuch zu schicken.

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Die Ägypterin Aliaa al-Mahdi sieht sich selbst als Rebellin (Bild: arebelsdiary.blogspot.com)

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In Ägypten hatte Aliaa al-Mahdi im vergangenen Oktober als Nackt-Bloggerin die Gemüter erhitzt. Vergangenen Montag hat sie eine neue Aktion ins Leben gerufen, die erneut Aufsehen erregt. Auf ihrem Blog «Tagebuch einer Rebellin» ruft sie Frauen dazu auf, Fotos von sich mit und ohne Kopftuch zu schicken. Dazu sollen sie schreiben, warum sie ein Kopftuch getragen hätten und warum sie dieses jetzt nicht mehr auf ihrem Kopf wollen.

Wenn die Frauen bereit sind, ihren Namen preiszugeben und ihre Geschichte zu erzählen, werden die Bilder in Aliaa al-Mahdis Blog veröffentlicht. Die Bilder von vier Frauen sind bereits online. Karam Gamal Karam berichtet zum Beispiel, dass sie wegen ihrer Eltern ein Kopftuch habe tragen müssen. Seit sie ausgezogen sei, gehe sie ohne Tuch aus dem Haus. Die Türkin Rahime Özkan schreibt, sie hätte wegen ihres Ehemannes nie ohne Kopftuch auf die Strasse gehen dürfen. Habe sie es trotzdem gewagt, sei sie geschlagen worden. Inzwischen lebe sie ohne ihren Mann, dafür mit ihren acht Kindern in den Vereinigten Staaten.

Berühmt wegen Nacktbild

Aliaa al-Mahdi erlangte internationale Bekanntheit, nachdem sie im Oktober ein Bild von sich veröffentlicht hatte, das sie nackt mit Seidenstrümpfen und roten Schuhen bekleidet zeigte. In Ägypten führte dieser Tabubruch dazu, dass sie online beschimpft und gar mit dem Tod bedroht wurde. Sie wurde «Prostituierte» und «geistesgestört» genannt, schreibt die «Welt».

Auch die Jungrevolutionäre wollten nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden. In einem Interview mit dem US-Sender CNN betonte al-Mahdi ausdrücklich, nicht Teil der Bewegung zu sein. Zuvor hatten die Revolutionäre aber schon selbst klargestellt, dass al-Mahdi nicht zu ihnen gehöre. Sie fürchten, dass das Ansehen der Revolution ansonsten Schaden nehmen würde. Die Bilder nackter Frauen sind bei vielen Ägyptern nach wie vor verpönt. Die konservative Haltung zeigt sich auch darin, dass sowohl die Muslimbrüder als auch die islamistischen Salafisten in Ägypten bislang zu den Wahlsiegern gehören – die ägyptische Bevölkerung hat sich damit mehrheitlich gegen eine liberale und offene Gesellschaft ausgesprochen.

Die Bloggerin selbst bezeichnete die Veröffentlichung der Nackt-Bilder als Kunstaktion. Israelische Frauen haben sich kurz nach der Veröffentlichung mit al-Mahdi solidarisiert und liessen sich nackt mit einem Banner mit der Aufschrift «Liebe ohne Grenzen» fotografieren.

Der nackte Protest ist zurück

Protestbewegung weltweit hätten die Nacktheit als Mittel im Kampf wiederentdeckt, schreibt die «Welt». Neben der nackten Bloggerin schafft es die ukrainische Frauenrechtsbewegung «Femen» mit nackten Brüsten regelmässig in die Medien. Für den chinesischen Künstler und Dissidenten Ai Weiwei zogen 100 Unterstützer im Netz blank.

Sich aus Protest auszuziehen ist aber alles andere als neu: John Lennon und Yoko Ono hatten sich nackt ins Bett gelegt, die Kommune 1 wurde durch Nacktheit berühmt, allzu schüchtern waren auch die Blumenkinder zu Woodstock-Zeiten nicht. Erstaunlich sei aber, so die «Welt», dass diese Art des Protests auch heute noch zu funktionieren scheine, obwohl Nacktheit in Werbung, TV und Illustrierten längst allgegenwärtig sei. Sich im öffentlichen Raum nackt zu zeigen, breche offenbar immer noch ein Tabu und werde als schockierende Störung der Ordnung wahrgenommen. In islamischen Ländern habe das andere Konsequenzen als in der westlichen Welt. Sich mit und ohne Kopftuch zu zeigen ist zwar nicht mit körperlicher Nacktheit zu vergleichen – ein Tabubruch ist es aber allemal.

(ske)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Wenk am 28.12.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Liberalisierung = Orientierungslosigkeit

    Ich bin kein Fan von Diskriminierung, jedoch bin ich aber der Meinung, dass jede Kultur/Religion das Recht hat selbst heranzureifen. Zuerst wurde der Westen unterworfen, indem man ihn dadurch entwurzelte, dass man das Christentum und Traditionen durch systematische Provokationen abschaffte. Nun soll die islamische Welt zerrüttet werden. Bloss das Judentum bleibt stets unangetastet. Religionen und Traditionen bindet Menschen zusammen. Klar hat ein Individuum kurzsichtig mehr Freiheit, eine Gruppe aber hat auf längere Sicht mehr Bestand und lässt sich schwerer unterwerfen.

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  • B. S. am 28.12.2011 01:05 Report Diesen Beitrag melden

    Supi

    nur weiter so! Aliaa hat meinen absoluten Respekt.

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  • Roman am 28.12.2011 02:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Verschleierung

    Wie hiess es ständig von den Fundis? Die Frauen verschleiern sich aus eigenem Antrieb weil sie das selber so wählten. Niemand wird dazu gezwungen. Habe kürzlich eine Doku iranischer Frauen in den Ferien in der Türkei gesehen. Kaum über der Grenze fielen die Schleier. Aussage: "Endlich fühle ich mich als Frau und brauche mich nicht zu verbergen". Daher Verbot in der Schweiz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Wenk am 28.12.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Liberalisierung = Orientierungslosigkeit

    Ich bin kein Fan von Diskriminierung, jedoch bin ich aber der Meinung, dass jede Kultur/Religion das Recht hat selbst heranzureifen. Zuerst wurde der Westen unterworfen, indem man ihn dadurch entwurzelte, dass man das Christentum und Traditionen durch systematische Provokationen abschaffte. Nun soll die islamische Welt zerrüttet werden. Bloss das Judentum bleibt stets unangetastet. Religionen und Traditionen bindet Menschen zusammen. Klar hat ein Individuum kurzsichtig mehr Freiheit, eine Gruppe aber hat auf längere Sicht mehr Bestand und lässt sich schwerer unterwerfen.

    • Tareq. r am 28.12.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

      Gefällt mir!

      Gefällt mir!

    • Fabian T. am 28.12.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz genau!

      Der vorherrschend christliche Westen weiss nicht einmal mehr warum überhaupt Weihnachten gefeiert wird. Die neue westliche Religion heisst Konsum. Shoppingmalls sind die neuen Tempel und die Priester erscheinen während der Werbepause. Ein orientierungsloses Individuum lässt sich leichter (ver-)führen als eine geordnete Gruppierung. Der Preis für ein Kollektiv sind jeweils Regeln. Wobei eine Regel immer eine Einschränkung ist. Besser ein geregeltes Zusammenleben als ein bodenloses Chaos von Egoisten.

    • Luc Dissyer am 28.12.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      auf den Punkt

      @Fabian....dein Eintrag lässt sich noch viel weiterdenken! Aber es bringt unsere Gesellschaft in ihrer Letargie auf den Punkt. Man muss keine Zombie Filme sehen. Schaut aus dem Fenster!

    • Weishaar am 28.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      Aufmerksamkeit

      Provokationen stellen ein Marketingmittel dar, welches in allen Kulturen dazu genutzt wird, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Unterdrückung und Repression schreien nach Provokation, damit die Ungerechtigkeit eine Stimme erhält. Im Grundsatz ist Religion ein veraltetes Konstukt Ordnung in eine Gesellschaft zu bringen. Heute haben wir das Recht. Wer meint Weihnachten sei ein urchristliches Fest, der sollte mal die Bibel ganz genau lesen, am besten das AT. Konsum ist tatsächlich die neue Religion, auch hier macht sich der Mensch abhängig: weniger ist mehr, vor allem bei der Lebensmittelverschwendung

    • joachim here am 28.12.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      @weisshaar

      wo fängt die ungerechtigkeit an muss man sich fragen. wie bereits oben erwähnt ist ein zusammenleben immer mit einschränkungen behaftet. vergleicht man nun das "freie" individuum aus dem westen mit jemanden, der seine ansprüche zurück nimmt im sinne des kollektivs, so erkennt man klar eine diskrepanz. diese aber als ungerechtigkeit zu deuten ist dennoch falsch, denn unter dem strich kommt es auf das zusammenleben darauf an. ein haufen geblendeter eigenbrötler hat keine chance gegen eine gestandene kultur.

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  • Ganz einfach Mann am 28.12.2011 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstsichere Frauen

    Habt ihr mal den Link angeklickt? Was für schöne Frauen. ! Und das soll "weggesperrt" werden? Männer, jetzt seit ihr ebenfalls gefordert, diese hübschen und mutigen Geschöpfe zu unterstützen! Oder habt ihr Angst? Sind sie Euch zu selbstsicher? Ich mag Sie so einfach besser...

    • Nawao am 28.12.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      NaJa

      Naja über Geschmack lässt sich aber deutlich streiten

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  • Roman am 28.12.2011 02:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Verschleierung

    Wie hiess es ständig von den Fundis? Die Frauen verschleiern sich aus eigenem Antrieb weil sie das selber so wählten. Niemand wird dazu gezwungen. Habe kürzlich eine Doku iranischer Frauen in den Ferien in der Türkei gesehen. Kaum über der Grenze fielen die Schleier. Aussage: "Endlich fühle ich mich als Frau und brauche mich nicht zu verbergen". Daher Verbot in der Schweiz.

  • B. S. am 28.12.2011 01:05 Report Diesen Beitrag melden

    Supi

    nur weiter so! Aliaa hat meinen absoluten Respekt.

    • Nawao am 28.12.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      eben doch

      Fantastisch welch Kreativität und Intelligenz man als Frau haben muss um von allen bewundert zu werden: sich nackt ausziehen uuuuuuui....und wenn die Frauen dann wieder "objekt" werden dann beschweren sich alle. Meine Güte. Da ist doch voll billig.

    • marxel am 28.12.2011 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      zusammenhang

      @nawao sie müssen lernen, Dinge in ihrem Kontext zu sehen.

    • B. S. am 28.12.2011 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn man

      nicht kapiert, welchem Zweck die Aktionen dienlich sind, dann ist alles umsonst ;) Stell dich weiterhin mit dem Kopf zur Wand.

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  • Andreas W. am 27.12.2011 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunsch

    Ich wünsche mir schon lange eine Welt, wo alle Frauen zwischen 18 und 40 nackt sind. Gott hat mich endlich erhört. Danke