Gekentertes Flüchtlingsboot

20. April 2015 08:00; Akt: 20.04.2015 14:44 Print

Nächtliche Suche nach Vermissten erfolglos

Rettungskräfte haben die Nacht über fieberhaft nach Überlebenden der Flüchtlingskatastrophe vor Libyen gesucht – jedoch ohne Erfolg. Es werden bis zu 900 Opfer befürchtet.

(Video: Reuters)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die nächtliche Suche nach Überlebenden des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer am Sonntag hat bisher zu keinerlei Resultaten geführt. Die von der italienischen Küstenwache koordinierten Rettungseinheiten fanden weder Überlebende noch Leichen, wie italienische Medien am Montagmorgen berichteten.

Ein Überlebender aus Bangladesch berichtete, dass sich an Bord des am Sonntag gekenterten Fischerbootes 950 Menschen befunden hätten, darunter auch 40 bis 50 Kinder und etwa 200 Frauen. Der Mann wurde verletzt in ein Spital im sizilianischen Catania eingeliefert.

Im Laderaum eingesperrt

Viele Menschen seien im Laderaum des Bootes eingeschlossen gewesen. «Die Schmuggler haben die Türen geschlossen und verhindert, dass sie herauskommen», erzählte der Mann. Das 20 Meter lange Fischerboot sei von einem Hafen 50 Kilometer von Tripolis entfernt abgefahren.

Der Kapitän des portugiesischen Handelsschiffes King Jacob, das als erstes den Flüchtlingen zu Hilfe geeilt war, berichtete, dass das Boot gekentert sei, weil sich die Migranten in der Hoffnung auf Rettung alle auf einer Seite des Schiffes zusammengedrängt hätten. «Das Boot ist gekentert, bevor wir uns überhaupt nähern und die Schaluppen herunterlassen konnten», berichtete der Kapitän nach Medienangaben.

«Überlebende haben wir keine gesichtet»

An der Suchaktion beteiligten sich auch einige sizilianische Fischerboote. «Die Küstenwache hat uns aufgefordert, Hilfe zu leisten. Wir haben vier Leichen gefunden, Überlebende haben wir keine gesichtet», berichtete Giuseppe Margiotta, Kapitän eines an der Suchaktion beteiligten Fischerbootes.

Zu den geborgenen Leichen zählt auch die eines zehn Jahre alten Kindes. Die Hoffnung, Vermisste lebend zu finden, sind laut Margiotta gering. Dort, wo das Boot gekentert sei, seien nur noch Holzstücke und Treibstoffflecken zu sehen.

Nach Angaben der Küstenwache konnten nach dem Unglück 27 Menschen gerettet und 24 Leichen geborgen werden. Hunderte Flüchtlinge werden noch vermisst.

Leichen von Flüchtlingen nach Malta gebracht

Insgesamt 24 Leichen sind inzwischen nach Malta gebracht worden. Die Körper der Ertrunkenen sollen zunächst obduziert werden, berichtete die Zeitung «Times of Malta» am Montag.

An Bord des italienischen Rettungsschiffes waren nach Angaben der Einsatzkräfte in der maltesischen Hauptstadt Valletta auch die Überlebenden, die nach Italien gebracht werden sollen.

Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat will am Montag den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Rom treffen, um Konsequenzen aus dem Unglück zu besprechen. In Luxemburg kommen zudem die EU-Aussen- und Innenminister zu einem Krisentreffen zusammen.

(cho/sda)