«Cyberneider»

09. Oktober 2019 09:36; Akt: 09.10.2019 10:10 Print

Natascha Kampusch wehrt sich gegen Internet-Hater

Kampusch berichtet in ihrem neuen Buch von übelsten Anfeindungen in den sozialen Netzwerken – und fordert eine digitale Polizei.

Dem einstigen Entführungsopfer schlägt im Netz viel Hass und Kritik entgegen. (Video: Glomex)

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Natascha Kampusch (31), selbst immer wieder im Visier von Hatern, hat gelernt, auch mit ungerechtfertigter Kritik zu leben. Wortlos über sich ergehen lassen will sie diese jedoch nicht. In ihrem am Dienstag erschienenen Buch «Cyberneider. Diskriminierung im Internet» teilt die 31-Jährige ihre Erfahrungen und fordert härtere Strafen für Cyber-Mobber.

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Diskriminierung im Internet ist längst kein Randphänomen mehr. YouTube, Facebook, Twitter und Instagram prägen heute das soziale Miteinander. «Man hat mich schon habgierig, mediengeil, verlogen oder fresssüchtig geschimpft», schreibt Kampusch in ihrem dritten Buch. Sie habe lange gebraucht, sich von diesen Worten nicht mehr verletzen zu lassen. Wieso ihr so viel Hass entgegenschlage, habe sie aber bis heute nicht verstanden.

International agierende Internet-Polizei

Viele User hätten ihr den Tod gewünscht, sagt Kampusch, die als 10-Jährige auf dem Schulweg entführt und mehr als acht Jahre lang vom arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in einem Kellerverlies in Strasshof (Niederösterreich) gefangen gehalten wurde. Im August 2006 gelang der damals 18-Jährigen die Flucht. «Am meisten getroffen hat es mich immer, wenn gesagt wurde, dass meine Gefangenschaft nur ein Spaziergang gewesen wäre.» Dennoch zeigt sich die 31-Jährige nicht als gebrochenes Opfer - im Gegenteil: Sie arbeitet mit Organisationen zusammen, die sich für Menschen einsetzen, die Diskriminierung im Netz erfahren.

Von #metoo bis #Ibizagate - Populismus, Sexismus und Rassismus, die Werkzeuge der Radikalen, dominieren längst Medien und Politik. Daher fordert Kampusch, die trotz ihrer kritischen Einstellung weiter auf Twitter und Instagram aktiv ist, eine international agierende «Internet-Polizei». Diese soll bei Vergehen in den sozialen Medien sofort eingreifen und Betroffenen helfen. Es müsse ein Umdenken stattfinden, besser heute als morgen, denn eines stünde fest: «Es kann und darf keine Rechtfertigung für Diskriminierung geben, niemals!», heisst es im Pressetext.

(jd)