Putins Pläne

25. Februar 2015 07:45; Akt: 25.02.2015 09:32 Print

Nato-Generäle rechnen mit einem Krieg in Europa

Während Politiker auf Diplomatie setzen, prophezeien hohe westliche Militärs weitere aggressive Schritte Wladimir Putins – bis hin zu einem Krieg in fünf Jahren.

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Hält der Waffenstillstand von Minsk oder hält er nicht? Während die Unsicherheit über das Abkommen zwischen der ukrainischen Regierung und den von Russland gestützten Rebellen im Osten des Landes andauert, explodierte am Sonntag in Charkiw eine am Strassenrand versteckte Bombe. Mindestens zwei Menschen starben und zwölf oder mehr wurden verletzt.

Manche westliche Generäle dürften über den ersten Anschlag mit Todesfolge in der zweitgrössten Stadt der Ukraine nicht erstaunt sein. Sie gehen zunehmend davon aus, dass der Appetit des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit der Eroberung von Donetzk, Lugansk und neu Debalzewo längst nicht gestillt ist. Hohe Militärs glauben, dass sich Putin auf einen Grosskonflikt in den nächsten Jahren vorbereitet.

Klassische Sowjet-Strategie

Die letzte entsprechende Wortmeldung stammt vom britischen General Sir Adrian Bradshaw. In einem Vortrag am letzten Freitag in der Denkfabrik Royal United Services Institute in London beschrieb der zweithöchste Nato-General laut «Guardian» die Gegenwart als «Ära einer ständigen Konkurrenz mit Russland». Es bereite dem Westen Mühe, auf die von Putin bevorzugte Strategie der Zweideutigkeit zu reagieren, sagte er.

Erstens sei es in einer frühen Phase der russischen Strategie schwierig, hinter destabilisierenden Schritten die Hand einer ausländischen Regierung festzustellen, erklärte der General. Zweitens könnte Russland seine Fähigkeit, sehr schnell grosse Streitmächte zu mobilisieren, nicht nur zur Einschüchterung einsetzen. Russland könnte künftig auch Nato-Gebiete auf eine Weise besetzen, dass allein die Drohung einer Eskalation «die Wiederherstellung der territorialen Integrität verhindert».

Bei der Methode der Dominanz durch Eskalationsdrohung handle es sich um eine klassische Sowjet-Strategie, sagte Bradshaw laut dem «Daily Telegraph».

Baltische Staaten als Nächstes gefährdet

Konkret glaubt Bradshaw, Putin könnte in den baltischen Staaten – also Nato-Mitgliedern – ähnlich vorgehen wie jetzt in der Ostukraine. Nato-Staaten sind vertraglich verpflichtet, einander im Notfall militärisch zu Hilfe zu eilen. Daher bestehe das Risiko einer «Fehlkalkulation mit der Folge eines strategischen Konflikts» zwischen Russland und dem Westen, sagte Bradshaw. Obwohl dieses Szenario im Moment unwahrscheinlich sei, stelle es doch eine «existenzielle Bedrohung» dar.

Ähnliche Aussagen machte zwei Wochen zuvor Generalleutnant Frederick «Ben» Hodges, Befehlshaber der US-Armee in Europa. Die Geschehnisse in der Ostukraine seien Ausdruck von Putins strategischer Sicht auf die Welt, sagte Hodges dem «Wall Street Journal» in einem Interview. Er ist beeindruckt vom Ausmass der militärischen Ausrüstung, die Putin seinen «Stellvertretern» in der Ukraine lieferte, sowie von deren Qualität und Raffinesse. «Es ist eindeutig keine Absicht zu einem Abzug zu erkennen.»

Ein grösserer Krieg in fünf, sechs Jahren

Putin sei dabei, die russischen Streitkräfte massiv aufzurüsten, sagte der General. «Ich glaube, in zwei oder drei Jahren werden sie die gewünschte Kapazität haben.» Nach Auffassung von Hodges plant Putin nämlich langfristig. «Russland mobilisiert zurzeit für einen Krieg, den es in fünf oder sechs Jahren erwartet», sagte er. Er behaupte nicht, dass die Russen den Krieg beginnen wollen. «Aber sie erwarten, dass es einen gibt, mit irgendjemandem, in den nächsten fünf oder sechs Jahren.»

Die Ansprache von General Adrian Bradshaw:

(Quelle: YouTube/RUSI)

(sut)