Tot oder lebendig

20. Februar 2009 11:37; Akt: 20.02.2009 12:55 Print

Nazi-Jäger bitten Ägypten um Mithilfe

Das Simon-Wiesenthal-Center hat der ägyptischen Botschaft in Israel eine Liste mit den Namen von 29 mutmasslichen NS-Verbrechern übergeben.

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(* 8. April 1912), SS-Hauptsturmführer, wichtigster Mitarbeiter Eichmanns. Organisierte die Massenmorde an den Juden in Wien, Griechenland, Frankreich und in der Slowakei. Hält sich möglicherweise in Syrien auf. (* 3. April 1920), ukrainischer KZ-Wächter. Ein israelisches Todesurteil wurde 1993 widerrufen, weil Zweifel bestanden, dass Demjanjuk wirklich der Aufseher «Iwan der Schreckliche» im KZ Treblinka war. (* 21. April 1913), Chef der Ustascha-Polizei in Požega. An Deportationen und Vertreibungen von Serben und Juden beteiligt. 1945 nach Österreich geflüchtet. Kroatien verlangt seine Auslieferung. (94), Gendarmeriehauptmann, beteiligt am Mord an 1246 Zivilisten in Novi Sad. 1946 in absentia verurteilt, nach Argentinien geflohen. Lebt heute wieder in Ungarn, wo ein neues Verfahren gegen ihn läuft. nahm 1943 an einem Massaker an mehr als 3000 Juden in Weissrussland teil. Aus den USA ausgewiesen, lebt in Estland. (*2. November 1921) dänischer SS-Mann, tötete 1943 zusammen mit zwei Helfern einen dänischen Journalisten, beteiligte sich an der Verfolgung dänischer Juden. Heute in Bayern wohnhaft. (*1921), war 1944 in Budapest an der Jagd auf und Ermordung von Juden beteiligt. Lebt in Australien, ein Auslieferungsverfahren ist hängig. verhaftete Juden und Kommunisten in Estland, die danach ermordet wurden. Lebt in Venezuela und Estland. (* 28. Juni 1914), Lagerarzt im KZ Mauthausen, ermordete Häftlinge durch Herzinjektion. Seit 1962 flüchtig. Unentdeckt starb er 1992 in Kairo.

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Recherchen der nach Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannten Einrichtung mit Sitz in Jerusalem und Los Angeles zufolge sollen die gesuchten 29 NS-Verbrecher in der Nachkriegszeit nach Ägypten geflohen sein. Gleichzeitig bat das Zentrum die ägyptischen Behörden um Mithilfe bei den Untersuchungen zur Klärung des Schicksals von KZ-Arzt Aribert Heim, der nach Recherchen von ZDF und «New York Times» im August 1992 in Kairo gestorben sein soll.

Den Angaben vom Freitag zufolge wurde das Schreiben der ägyptischen Botschaft in Tel Aviv übergeben. Der vor Jahren verstorbene Simon Wiesenthal hatte die Liste bereits im Jahr 1967 zusammengestellt und auf einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt.

Viele der Nazis seien heute Muslims

Neben Heim selbst stehen weitere prominente Nazis darauf, so zwei Mitarbeiter von Adolf Eichmann, nämlich der später nach Syrien übergesiedelte Alois Brunner und Franz Abromeit, der stellvertretende Lagerkommandant von Sobibor, «Gustav» Wagner, der später in Brasilien Selbstmord beging, der Gestapo-Chef von Kattowitz, Rudolf Mildner, und der Kommandant des Lagers von Janowska, Friedrich Warzok. Viele der Nazis seien zum Islam konvertiert, schrieb das Wiesenthal-Center.

Dessen Leiter Efraim Zuroff erklärte: «Wir hoffen, dass uns die ägyptischen Behörden bei der Überprüfung des Todes von KZ-Arzt Dr. Aribert Heim helfen werden.» Eine Bestätigung der Informationen über die anderen NS-Täter in Ägypten sei von grosser historischer Bedeutung, auch wenn es kaum zu neuen Strafverfahren kommen werde.

(ap)