Sachsen

23. Juni 2019 16:36; Akt: 23.06.2019 17:54 Print

Bürger kauften Neonazis das Bier weg

Wegen eines Festivals in Sachsen trafen sich am Wochenende Hunderte von Neonazis. Doch sie mussten trocken feiern – auch wegen der Selbsthilfe von Anwohnern.

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Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) hatte zum Schild-und-Schwert-Festival gerufen – und etliche Neonazis aus allen Landesteilen und dem Ausland strömten ins beschauliche 2300-Seelen-Städtchen Ostritz an der polnischen Grenze.

Rechtsrock-Bands spielten auf, es gab Seminare zur Vorbereitung auf die Endzeit, wie der «Spiegel» berichtet. Doch die Rechtsradikalen mussten aufs Bier verzichten, das an solchen Anlässen sonst reichlich fliesst.

«Friedensfest» auf dem Marktplatz

Der Landkreis Görlitz hatte ein Alkoholverbot verhängt und am Freitagabend 4200 Liter Alko­hol vom Festivalgelände abtransportieren lassen: Alkoholkonsum würde angesichts des «offensichtlich kämpferisch-aggressiven Charakters der Veranstaltung» die Gewaltgefahr erhöhen.

Damit die Neonazis auch ganz sicher auf dem Trockenen blieben, taten sich im Vorfeld etliche Bürger und das Internationale Begegnungszentrum des Klosters Sankt Marienthal zusammen und kauften im nahen Supermarkt vorsichtshalber sämtlich Biervorräte auf – insgesamt 120 Harassen.

Um den Rechten zu zeigen, dass man ihre Präsenz nicht einfach so hinnimmt, fand auf dem Marktplatz zudem ein «Friedensfest» statt. «Wir können ja nicht einfach zuschauen, wenn 1000 Nazis bei uns einfallen», sagte die parteilose Bürgermeisterin Marion Prange.

(trx)