In der Hand der Taliban

27. Dezember 2011 15:55; Akt: 27.12.2011 16:28 Print

Neue Bilder der Schweizer Geiseln

Ein neues Video der in Pakistan entführten und als Geiseln gehaltenen Berner Oliver O. und Daniela W. ist aufgetaucht. Die Aufzeichnung soll drei Minuten lang sein und einen Hilferuf enthalten.

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Am 17. März 2012 kommt das in Pakistan entführte Schweizer Paar wieder in der Schweiz an. Das Paar traf gegen 13.30 Uhr am Flughafen Zürich-Kloten ein. Mit einem Stofftier winkt Daniela W. aus dem Auto ihren Verwandten zu. Das erste Bild: David O. und Daniela W. sind wieder auf freiem Fuss ... ... und wirken zumindest auf den ersten Blick unversehrt. Die 28-jährige Daniela W steigt aus dem Helikopter auf der Qasim-Militärbasis in Rawalpindi, Pakistan, ... ... gefolgt von ihrem 31-jährigen Freund David O. Am 27. Dezember 2011 wurden den Medien neue Bilder der Schweizer Geiseln zugespielt. Oliver O. und Daniela W. vor einem schwarzen Banner. Die Berner Daniela W. und ... ... Oliver O. sind seit dem 1. Juli in der Gewalt der Taliban. In einem am 25. Oktober 2011 veröffentlichten Video melden sich die beiden Schweizer Geiseln zu Wort. Im Juli entführt und seither vermisst: David O. und Daniela W. Bei den Geiseln handelt es sich um einen aktiven Polizisten und eine ehemalige Beamtin der Kantonspolizei Bern. Die beiden waren auf einer privaten Reise in Pakistan. Sie waren von der Hauptstadt Islamabad her in die südwestliche Provinz Belutschistan gereist. In der Region Loralai wurden sie von bewaffneten Kidnappern verschleppt. Ihr blauer VW-Bus wurde verlassen aufgefunden. Warum sich die beiden in dem gefährlichen Gebiet an der Grenze zum Iran und zu Afghanistan aufhielten, wurde nicht mitgeteilt. Waliur Rehman (M.), die sagt, dass die entführten Schweizer in seiner Hand sind. Sie seien nicht gefoltert worden. Er wollte die Schweizer erst gegen die in den USA inhaftierte austauschen. Siddiqui, die in den USA studierte, war wegen des Tötungsversuchs von US-Beamten in Afghanistan verurteilt worden. Mittlerweile sind die Entführer von dieser Forderung abgerückt.

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Das Video ist gemäss Angaben der Bildagentur EPA am Dienstag, 27. Dezember den Medien zugespielt worden. Veröffentlicht wurde es bislang aber nicht – es gibt bloss Fotos aus dem Video (siehe Bildstrecke.) Sie zeigen die beiden Entführten vor einem grossen schwarzen Banner sitzend. Darauf steht laut EPA: Es gibt keinen Gott ausser Allah und Mohammed ist sein Prophet.

Die beiden Geiseln wirken auf den Bildern erschöpft. Wann und wo das Video aufgenommen wurde, ist unklar. Das Video ist rund drei Minuten lang. Darin appellieren Olivier O. und Daniela W. an die Regierungen Pakistans und der Schweiz, alles zu unternehmen, damit sie bald freikämen. Ihr Leben sei in Gefahr, sagten die Berner laut der Bildagentur weiter. Sie forderten zudem, sich mit ihren Familienangehörigen telefonisch austauschen zu können.

Regierung bewegt sich

Am Wochenende hatte die «SonntagsZeitung» berichtet, es gebe neue Hoffnung für das Paar aus dem Emmental, das seit dem 1. Juli in Pakistan in Geiselhaft gehalten werde: Die Verhandlungen der pakistanischen Behörden mit den Entführern der Taliban-Gruppe unter Waliur Rehman kämen offenbar voran.

Als «Massnahme zur Vertrauensbildung» habe die Regierung kürzlich 17 Kämpfer von Rehman aus Gefängnissen entlassen. Das berichtet Saifullah Mahsud, Direktor des Forschungszentrums FRC in Islamabad. Die Information sei zwar nicht offiziell bestätigt, stamme aber von einer zuverlässigen Quelle, deren Angaben sich bisher als zutreffend herausgestellt hätten, sagt Mahsud.

Ursprünglich hatten die Entführer die Freilassung der in den USA zu 85 Jahren Haft verurteilten Aafia Siddiqui gefordert. Später änderten sie ihre Forderungen und verlangten die Freilassung von 100 Gefangenen als Gegenleistung für die Schweizer Touristen Daniela W., 28, und David O., 31. Zudem fordern sie Lösegeld. Weil die Verhandlungen lange dauern, steigt der Preis: Von zunächst 2 bis 3 Millionen US-Dollar auf 3,9 Millionen, sagt Mahsud gegenüber der «SonntagsZeitung».

Besseres Essen

Die Entführer um Taliban-Vizekommandant Rehman halten die beiden Berner gemäss mehreren gut informierten Quellen in einem Dorf ausserhalb der Stadt Miran Shah fest, dem Hauptort der Provinz Nordwaziristan. Die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan sind nur teilweise unter der Kontrolle der Regierung und gelten als sicherer Hafen auch für Aufständische in Afghanistan und Al-Kaida-Mitglieder.

Insgesamt beurteilt Politologe Mahsud die Situation der beiden Schweizer für sicherer als noch vor einigen Monaten. Die USA hätten seit drei Wochen keine Drohnenangriffe gegen Taliban und Al Kaida mehr geflogen. Zudem habe der militärische Druck Pakistans nachgelassen – eine Folge der verschlechterten Beziehungen zu den USA. Die Taliban fühlten sich sicherer und müssten weniger oft das Versteck wechseln. Für den Alltag der Geiseln heisse das: Sie erhalten gesünderes Essen. Denn Gemüse und Früchte besorgen sich die Taliban nur, wenn sie gefahrlos auf Märkte können.

(uwb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heiko am 27.12.2011 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    pakistan

    was wollten die 2 denn in pakistan? wollten sie pakistan bereisen?

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  • Steuerzahler am 27.12.2011 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte kein Mitleid

    Wer sich trotz aller Warnungen in so gefährlichem Gebiet aufhält, darf nicht auf die Hilfe der Schweiz zählen. Das muß jedem bewußt sein, der in Risikoländer reist. Bitte setzt unsere Steuergelder beßer ein. Wir laßen uns nicht erpreßen!

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  • John Doe am 27.12.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    grosser fehler

    so herzlos es klingt, aber genau dann, wenn man mit solchen leuten verhandelt, animiert man sie dazu, dieses geschäft weiter zu forcieren. Dies führt dazu, dass noch mehr entführt werden. Das wiederum stärkt die terroristen, ein ewiger teufelskreis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Degen am 29.12.2011 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Infos...

    Ich finde es nicht richtig, den beiden die Schuld zu geben. Wir kennen die genauen Umstände nicht...

  • Bidu am 29.12.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals nachgeben

    Die Regierung darf nicht nachgeben, sonst immer mehr Geiseln verhaften um das Geld zu kriegen. Es tut mir leid für Schweizer Geiseln. Die Verhandlung nützt nichts.

  • Tom Huber am 29.12.2011 04:35 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsame Reise für einen Polizisten!

    Es kann immer und und an jedem Ort etwas passieren. Mich erstaunt jedoch ein wenig, dass ein ausgebildeter Polizist, welcher zweifelsohne eine gute Ausbildung genossen hat, so eine Reise antritt. Die Anforderungen an einen Polizisten sind hoch und die Ausbildung ist kein Zuckerschlecken. Somit dürfte man eigentlich davon ausgehen, dass ein solcher Mann sich nicht unötig einem solchen Risiko aussetzt. Ich hoffe, dass die beiden wieder heil nach Hause kommen. Ob für den Mann mit diesem Gefahrenbewusstsein der Polizeiberuf noch der richtige ist, muss leider angezweifelt werden.

  • F. Roth am 28.12.2011 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Klar haben die beiden einen riesigen Fehler in ihrem Leben gemacht, indem sie in dieses Land gereist waren. Trotzdem sollte man ihnen helfen so gut es geht und die Politiker sollten eingreifen. Klar sollten sie für ihr begehen in der Schweiz später eine Strafe bekommen. Jedoch finde ich es sehr armselig und trostlos wie einige sich hier aufspielen. Wir sind alles nur Menschen und wir alle begehen einmal Dummheiten. Ich kann es nicht verstehen was in euren Kopf abgeht, wenn ihr über diese Menschen mit Worten herfällt. Dann kommt ihr mir vor wie ein primitives Volk.

    • Reto Schubiger am 28.12.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      was geht im Kopf vor

      In meinem Kopf geht folgendes ab: Steuern und Abgaben haben wir genug unsere Politiker, verdienen so viel, dass es ihnen egal ist was Otto-Normalbürger bezahlen muss, und ich denke solche Fälle fressen enorme Steuergelder.

    • Mr. Right am 29.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      D.h...

      @Reto Schubiger: D.h. das Leben der beiden, ist für dich weniger Wert als die Steuern die du Ende Jahr bezahlst? Oder verstehe ich das falsch?

    einklappen einklappen
  • Xaver Dreher am 28.12.2011 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährlich

    Es ist allgemein bekannt , dass es in solchen Gebieten gefährlich ist und man sich da nicht aufhalten soll. Leider gibt es immer wieder Besserwisser, die es trotzdem versuchen. Wie in diesem Fall , geht dann eben das Gejammer los und die jeweiligen Regierungen richten's dann schon , oder wie?