Kampfpause in Libyen

03. Oktober 2011 15:39; Akt: 03.10.2011 15:40 Print

Neue Regierung soll in einem Monat stehen

Der Vorsitzende des Übergangsrates kündigte die Bildung einer neuen Übergangsregierung an. Unterdessen nutzten tausende Einwohner von Sirte eine Kampfpause für eine Flucht aus der Stadt.

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Die humanitäre Situation in Sirte verschlechtert sich immer weiter. Schon 10 000 Einwohner haben die Stadt verlassen. (Bild: Reuters)

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Der libysche Übergangsrat hat seinen Regierungschef Mahmud Dschibril im Amt bestätigt und gleichzeitig einige Mitglieder des Kabinetts ausgewechselt.

Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, sagte am Montag in Bengasi, eine neue Übergangsregierung werde «in einem Monat» gebildet, «nachdem wir offiziell die Befreiung verkündet haben». Er fügte hinzu: «Dies ist eine heikle Phase so kurz vor der Befreiung des gesamten Landes, und ich bitte alle Libyer, dies zu verstehen.»

Die Truppen des Übergangsrates wollen in dieser Woche versuchen, Sirte, die Heimaststadt des ehemaligen Machthabers Muammar al- Gaddafi, vollständig einzunehmen. Dort nahmen sie nach eigenen Angaben zuletzt 27 Kämpfer der Gaddafi-Truppen gefangen.

In den vergangenen Wochen hatten einige Militärkommandanten der Rebellenarmee und Oppositionelle aus der Stadt Misrata Kritik an Dschibril geübt. Der Ökonom hatte nach Beginn des Aufstandes gegen Gaddafi international mit grossem Erfolg um Unterstützung für die Aufständischen geworben.

Einige seiner Kritiker sagen nun, andere Libyer, die näher an der Front gewesen seien, hätten einen grösseren Preis bezahlt als er. Sie hätten daher mehr Anrecht auf das Amt.

Tausende flüchten aus Sirte

Tausende von Bewohnern von Sirte haben am Montag eine Kampfpause genutzt, um aus der Heimatstadt des untergetauchten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu flüchten.

Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija weiter berichtete, bereiteten die Truppen des Übergangsrates einen neuen Grossangriff auf die Hafenstadt vor, in der sich noch stärkere Einheiten von Gaddafi-Milizen verschanzt haben.

«Wir nutzen die kurze Feuerpause, um die Stadt zu verlassen, da sich auch die humanitäre Lage weiter verschlechtert», sagte einer der flüchtenden Bewohner dem Sender.

Die Menschen verliessen Sirte in Autokonvois. Nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz haben inzwischen knapp 10 000 Bewohner die Stadt verlassen. Rotkreuz-Helfer hatten schon am Wochenende von einer schwierigen Lage der Zivilbevölkerung in der umkämpften Stadt berichtet.

Mehr als 1200 afrikanische Zuwanderer aus Sebha evakuiert

Die mehr als 1200 afrikanische Zuwanderer, die über Wochen in der libyschen Stadt Sebha blockiert waren, haben die Stadt verlassen können. Dies teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Montag in Genf mit.

Die Evakuierung durch den Tschad und den Niger dürfte etwa eine Woche dauern. In den 15 Lastwagen des Konvois, der am Sonntag die Stadt verlassen hatte, sind Menschen aus elf Staaten. Etwa die Hälfte kommt aus dem Tschad.

Eine weitere Gruppe von mehreren hundert Zuwanderern befinde sich immer noch in Sebha und warte dort auf die Evakuation, hiess es bei der IOM weiter. «Diese Migranten haben sehr schwierige Wochen durchlebt. Sie sassen durch die anhaltenden Kämpfe wie in der Falle», sagte der Tschader IOM-Missionschef Qasim Sufi.

Die Evakuation wurde durch die USA, Deutschland und die europäische Kommission unterstützt. Die Streitkräfte der neuen Regierung hatten die Wüstenstadt 750 Kilometer südlich von Tripolis am 21. September eingenommen.

(sda)