Kampf um Vormacht

27. Oktober 2010 08:05; Akt: 27.10.2010 10:25 Print

Neuer Stützpunkt der Superlative im Pazifik

Im Pazifik bahnt sich ein neues Wettrüsten an. China investiert massiv in seine Seestreitkräfte, während die USA die Insel Guam zum Superstützpunkt ausbauen.

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Mit Milliardeninvestitionen wollen die USA Guam zum Superstützpunkt ausbauen und so ihre Vormachtstellung im Pazifik gegenüber China aufrecht erhalten. (Bild: US Navy)

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Es sind die grössten Investitionen in einen Militärstützpunkt seit dem 2. Weltkrieg: Die USA pumpen rund 12 Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Basis auf der Pazifikinsel Guam. Darin enthalten sind ein Dock für Flugzeugträger mit Nuklearantrieb, ein Raketenabwehrsystem, Ausbildungsplätze und eine Erweiterung des Luftwaffenstützpunkts. Unter anderem wollen die amerikanischen Streitkräfte damit Platz für 8000 Marinesoldaten schaffen, die bis 2014 vom Stützpunkt auf der japanischen Insel Okinawa abgezogen werden. Weitere 4000 Soldaten und 9000 Familienangehörige werden die US-Militärpräsenz vor Ort verdoppeln. Japan hat sich laut Aussagen von US-Verteidigungsminister Robert Gates bereit erklärt, rund sechs Milliarden Dollar beizusteuern.

Die US-Umweltschutzbehörde warnt in einem Bericht vor Umweltschäden, namentlich vor Wasserknappheit auf Guam. Zudem müssten fast 300 Hektaren Korallenriff weichen, um den Hafen flugzeugträgertauglich zu machen. Die ohnehin unterdurchschnittlichen Umweltbedingungen auf Guam würden zusätzlich verschlechtert, kommt die Behörde zum Schluss. Derlei Bedenken haben wenig Platz in weitreichenden strategischen Überlegungen. Beim Ausbau des Militärstützpunktes Guam geht es um nicht weniger als die amerikanische Vormachtstellung im Pazifik.

China will Nachschubwege sichern

China hat seine Seestreitkräfte in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Die Volksrepublik will damit ihr Abschreckungspotential gegenüber einer Einmischung der USA im Streit mit Taiwan erhöhen. Das Hauptmotiv dürfte indes die Sicherung der Nachschubwege aus dem Persischen Golf sein. Bis 2035 wird China 70 bis 80 Prozent seines enormen Erdölbedarfs aus dem Nahen Osten abdecken. Über die Jahre hat das Land auf dem Weg vom Arabischen Meer über den Golf von Bengalen bis zum Südchinesischen Meer in eigene Hafenanlagen investiert, so in Sri Lanka und Pakistan. Im Fall eines Konflikts mit den USA gilt es diese strategischen Assets zu schützen. Dazu braucht China eine schlagkräftige Seestreitmacht.

«Viel Appetit, aber wenig Zähne»

Experten sind sich einig, dass China derzeit nicht in der Lage ist, den USA die Vorherrschaft im Pazifik streitig zu machen. «China hat einen grossen Appetit, aber seine Zähne sind nicht gross genug», wird Carl Ungerer, ein Analyst des «Australian Strategic Policy Institute» vom «Daily Telegraph» zitiert. Doch man ist daran, dies zu ändern. 2009 kündigte der chinesische Verteidigungsminister den Bau eines eigenen Flugzeugträgers an. Russland hat bereits mehrere moderne Unterseeboote und Zerstörer geliefert. Laut dem US-Verteidigungsministerium plant China zudem Tests an einer neuartigen ballistischen Rakete, der Dong Feng 21D, mit der vom Festland aus bis zu 3000 Kilometer entfernte Kriegsschiffe zerstört werden können. Das entspricht exakt der Distanz zwischen der chinesischen Küste und Guam.

Dass die USA entschlossen sind, in der Region die Oberhand zu behalten, zeigen weitere Investitionen in die militärische Infrastruktur. 200 Millionen Dollar fliessen in den Ausbau des Stützpunktes Diego García im Indischen Ozean. Ab 2013 sollen dort nuklar getriebene U-Boote gewartet werden können. Diego García diente in der Vergangenheit als Ausgangsbasis für Erstschläge gegen den Irak und Afghanistan.

(kri)