Mohammed-Karikaturen

04. Februar 2011 13:43; Akt: 04.02.2011 13:48 Print

Neun Jahre Haft nach Angriff auf Westergaard

Kurt Westergaard war wegen seiner Karikatur des Propheten Mohammed in die Kritik geraten. 2010 entkam er knapp einem Mordversuch. Der Täter wurde jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt.

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Kurt Westergaard hatte in der islamischen Welt zahlreiche Proteste ausgelöst. (Bild: AFP)

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Wegen des Anschlags auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard ist der Täter zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach Absitzen seiner Strafe wird der 29-jährige Somalier ausgewiesen und darf nie wieder nach Dänemark einreisen.

Der Verurteilte muss Westergaard zudem eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Kronen (1700 Franken) zahlen und trägt die Gerichtskosten, wie ein Gericht in Aarhus am Freitag bei der Verkündung des Strafmasses erklärte.

Bereits am Donnerstag hatte das Gericht den Mann des «versuchten Mordes» und des «versuchten Terrorismus» schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens zwölf Jahre Haft und lebenslange Ausweisung aus Dänemark gefordert.

Der Anwalt der Verurteilten, Niels Strauss, legte umgehend nach dem Urteilsspruch Rechtsmittel an. Sein Mandant müsse von den Terrorvorwürfen freigesprochen werden, bei den anderen Anklagepunkten müssten mildernde Umstände berücksichtigt werden.

Erschrecken oder töten?

Der Somalier hatte nach Überzeugung des Gerichts nicht nur versucht, den Karikaturisten zu töten, als er mit einem Messer und einer Axt in sein Haus eindrang.

Der Angriff sei auch ein Terrorakt gewesen: Da Westergaard die Symbolfigur des Karikaturen-Streits sei, müsse ein Angriff auf ihn als Versuch gewertet werden, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten, sagte die Richterin Ingrid Thorsboe zur Begründung.

Der Angeklagte hatte während des Prozesses zugegeben, den 75-jährigen Karikaturisten wegen dessen Darstellung des Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban angegriffen zu haben. Er habe den Zeichner jedoch nicht töten, sondern bloss erschrecken wollen.

Sicherheit in Notzelle

Westergaard sagte in seiner Aussage, der Mann sei mit einer Axt und dem Ruf «Du musst sterben» auf ihn losgegangen. Der Attentäter war am Abend des 1. Januar 2010 mit einer Axt und einem Messer bewaffnet in Westergaards Haus im Westen Dänemarks eingedrungen.

Westergaard konnte sich in einer für solche Fälle eingerichteten Notzelle in Sicherheit bringen und die Polizei rufen. Diese schoss zweimal auf den Angreifer, bevor sie ihn überwältigen konnte.

Westergaard war wegen einer Karikatur des Propheten Mohammed, die diesen mit einem Turban in Form einer Bombe zeigte, weltweit bekannt geworden. In der islamischen Welt hatte die im September 2005 erstmals in der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» veröffentlichte Zeichnung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

(sda)