Polizeichef ruft aus

16. Juli 2014 18:38; Akt: 16.07.2014 18:38 Print

New York erklärt Drohnen den Krieg

Nach einem Beinahe-Zusammenstoss mit einem Helikopter will New Yorks Polizeichef kleine Drohnen vom Himmel über dem Big Apple verbannen. Das ist leichter gesagt als getan.

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So geht das einfach nicht weiter, findet Bill Bratton. Der Police Commissioner von New York City erklärte vergangene Woche, er werde gegen ferngesteuerte Quadrocopter entschlossen vorgehen. «Ein halbes Dutzend Mal haben wir in den letzten Monaten Missbräuche dieser Geräte beobachtet», sagte Bratton über die meist mit Videokameras ausgerüsteten Drohnen. «Die Stadtverwaltung wird dies sehr ernsthaft angehen.»

Mit den markigen Worten reagierte Bratton auf ein ungemütliches Zusammentreffen in der Luft, das sich zwei Tage vorher über dem Hudson-Fluss zutrug. Kurz nach Mitternacht war ein Polizeihelikopter über der George-Washington-Brücke auf einem Patrouillenflug unterwegs, als auf mehr als 600 Metern Höhe plötzlich zwei vierrotorige Drohnen heranschwirrten. «Die Offiziere waren gezwungen, seitlich auszuweichen, um eine Kollision zu verhindern», heisst es im Polizeirapport.

Gefährlich wie Gänse

Eine Quelle sagte zur «New York Post», der Beinahe-Zusammenprall sei sehr gefährlich gewesen. «Drohnen wiegen zwar nur ein paar Kilo», sagte er. «Doch das wiegen Vögel auch, und sehen Sie nur, was die dem Airbus von Sully antaten.» Der Hinweis bezieht sich auf den Piloten Chesley Sullenberger, der 2009 mit einem Airbus in einen Gänseschwarm flog und nach einem Triebwerkausfall auf dem Hudson River notwassern musste. Die Nachricht von der wundersamen Rettung aller 155 Passagiere und Besatzungsmitglieder ging damals um die Welt.

Die Drohnen von letzter Woche wurden von Remy Castro, 23, und Wilkins Mendoza, 34, gesteuert. Die im Norden von Manhattan lebenden Hobbypiloten hatten ihre Drohnen zwei Wochen vorher zum Preis von 550 bis 700 Dollar gekauft und posteten Flugvideos auf Instagram. «Es sind bloss Spielzeuge», sagte Castro vor Gericht, wo er und sein Freund der «rücksichtslosen Gefährdung» angeklagt wurden.

200 Verkäufe pro Tag

Die Spielzeuge werden immer beliebter. Nach Angaben der «Post» verkaufte das weltbekannte Foto-Fachgeschäft B&H Photo Video noch vor kurzem täglich etwa 15 solcher Drohnen. Inzwischen setzt der Laden in New York und online jeden Tag 200 Quadrocopter ab.

Fans reissen sich um die oft mit GoPro-Videokameras ausgerüsteten Drohnen, obwohl ihr legaler Einsatz sehr beschränkt ist – beschränkter noch als in der Schweiz, wo er neuerdings nur über Menschenansammlungen bewilligungspflichtig ist. In New York City dürfen Drohnen nur in Parks geflogen werden. Landesweit gilt die Regel der Luftfahrtbehörde Federal Aviation Authority, dass Drohnen bloss von Amateuren ohne Profitabsichten pilotiert werden dürfen.

Schwer aufzuhalten

Doch das ist Theorie. In der Praxis haben sich bereits viele kommerziell lohnende Anwendungen herausgestellt. Im boomenden Immobilienmarkt New Yorks verwenden Makler immer häufiger Videodrohnen, um attraktive Aussenaufnahmen von Gebäuden zu schiessen. Privatdetektive setzen sie ein, um sonst nicht zugängliche Orte auszukundschaften. Der «Post» erzählten Detektive, wie sie mit Drohnen Ehebrecher in flagranti filmen oder Versicherungsbetrüger entlarven, die eine Behinderung vortäuschen, um eine Rente zu erhalten.

Je mehr Drohnen in die Lüfte steigen, desto grösser werden die Risiken. Bei der New Yorker Polizei sorgt man sich nicht bloss um mögliche Zusammenstösse, sondern auch um Terroranschläge mit Drohnen. Gegenüber der «Post» warnt ein Abwehrexperte: «Es ist bloss eine Frage der Zeit, bevor Terroristen sie mit Sprengstoff beladen und hierher bringen.»

(sut)