Migranten

26. Juli 2014 12:34; Akt: 26.07.2014 12:38 Print

Obama droht Flüchtlings-Kindern mit Abschiebung

Der Zustrom von unbegleiteten Kindern über die mexikanische Grenze in die USA setzt Obama innenpolitisch unter Druck. Jetzt appelliert er an die Staatschefs der Herkunftsländer.

(Video: YouTube/The White House)
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Der Zustrom von unbegleiteten Kindern über die mexikanische Grenze in die USA setzt Obama innenpolitisch unter Druck. Die Staatschefs der Herkunftsländer der Migranten lädt er ins Weisse Haus ein, um sie auf Mithilfe bei der Eindämmung des Exodus' einzuschwören.
(Video: Reuters)

US-Präsident Barack Obama hat Staatschefs aus Zentralamerika zur Mithilfe bei der Eindämmung des Zustroms von Kinderflüchtlingen aus ihren Ländern gedrängt. Jene Minderjährige, die kein Anrecht auf ein Bleiberecht hätten, würden zurückgeschickt - ungeachtet des Mitgefühls der USA, drohte Obama. Er äusserte sich am Freitag nach einem Treffen mit Guatemalas Präsident Otto Pérez Molina, El Salvadors Staatschef Salvador Sánchez Cerén und deren honduranischen Kollegen Juan Orlando Hernández in Washington.

Seit Oktober kamen 57'000 Kinder

Die US-Regierung steht wegen des Zustroms unbegleiteter Kinder über die mexikanische Grenze und wegen humanitärer Probleme bei deren Unterbringung politisch unter Druck. Seit Oktober kamen mehr als 57000. Die Regierung rechnet mit bis zu 90000 Jungen und Mädchen bis Ende des Fiskaljahrs Ende September. Die meisten von ihnen kommen aus Honduras, El Salvador und Guatemala.

Guatemalas Staatschef Molina erklärte, neben verstärkter Kooperation mit den USA habe Obama seine Kollegen und ihn zur Entwicklung eines mittel- und langfristigen Plans ermahnt, um die Massenflucht von Migranten künftig zu verhindern. «Schliesslich haben wir eine Verantwortung in unseren Ländern, sie (die Kinder) aufzunehmen und ihnen die Aufmerksamkeit und Entwicklungsmöglichkeiten angedeihen zu lassen, die sie verdienen.»

3,7 Milliarden Dollar für Nothilfe

Obama nahm am Freitag auch die im Repräsentantenhaus dominierenden Republikaner in die Pflicht. Zwar habe es zuletzt Fortschritte bei der Begrenzung der Flüchtlingswelle gegeben, doch müssten sie dringend seinem Antrag auf Notfallhilfe in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) nachkommen.

Eine Woche vor Sommerpausenbeginn versuchten sich die Republikaner jedoch nur auf einen Plan zu verständigen, der weit weniger als die von Obama avisierte Summe kosten soll. Der abgespeckte Notfalltopf soll nach deren Willen die Entsendung der Nationalgarde an die Grenze, mehr Einwandungsrichter sowie Gesetzesänderungen beinhalten, die eine schnellere Abschiebung junger Migranten ermöglichen. Die Kosten für ihre Vorstellungen veranschlagten republikanische Abgeordnete mit weniger als eine Milliarde Dollar.

«Wir müssen handeln und weniger reden»

Obama gab sich da jedoch unnachgiebig. Er hoffe, dass der Chef des Repräsentantenhauses, John Boehner, und seine Kollegen im August nicht in den Urlaub gingen, ohne zur Problemlösung beigetragen zu haben, sagte er. «Wir müssen handeln und weniger reden.»

Ein von seiner Regierung erwogenes Pilotprogramm, das jungen Leuten aus Honduras eine mögliche Anerkennung als Flüchtlinge gewähren soll, versuchte Obama zugleich herunterzuspielen. Solch eine Massnahme käme nur für eine kleine Zahl an Asylbewerbern infrage. Falls doch ein Anspruch bestehe, wäre es für Betroffene besser, ihre Prüfanträge in ihren Heimatländern zu stellen als sich auf eine sehr gefährliche Reise nach Texas zu begeben, erklärte Obama.

(sda)