Ungewöhnliche Geste

07. Juni 2011 07:19; Akt: 07.06.2011 07:39 Print

Obama lädt Merkel ins «1789» ein

US-Präsident Barack Obama und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel haben sich in Washington zu einem Gedankenaustausch getroffen – in einem Restaurant.

storybild

Obama lud die CDU-Politikerin zum Dinner ins Restaurant «1789» im Stadtteil Georgetown - eine ungewöhnliche Geste, wie es aus amerikanischen Delegationskreisen hiess. (Bild: Keystone/AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf ihrer USA-Reise ist deutsche Kanzlerin Angela Merkel in Washington zu ihrem ersten Gespräch mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen. Obama lud die CDU-Politikerin am Montag zum Abendessen ins Restaurant «1789» im Stadtteil Georgetown - eine ungewöhnliche Geste, wie es aus amerikanischen Delegationskreisen hiess. Weitere Gespräche zwischen den beiden sollten folgen. Aussenminister Guido Westerwelle wies in Washington den Eindruck zurück, es gebe Störungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis.

Aus amerikanischen Delegationskreisen verlautete, das Abendessen unter vier Augen unterstreiche die Bedeutung, die der Präsident der Beziehung zwischen den USA und Deutschland und damit der eigentlichen Wirtschaftsmacht in Europa zumesse. Das Essen in dem im Landhaus-Stil eingerichteten Gourmet-Restaurant «1789» war nur der Vorgeschmack auf den Höhepunkt der Reise: Die Verleihung der Freiheitsmedaille an Merkel am Dienstagabend im Rahmen eines Staatsbanketts mit 250 geladenen Gästen.

Westerwelle erklärte, der «aussergewöhnliche Empfang der deutschen Delegation durch die amerikanische Regierung zeigt ja, dass das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland wirklich vorzüglich ist.» Es handele sich um ein enges, partnerschaftliches und freundschaftliches Verhältnis. «Und natürlich gibt es auch bei engsten Freunden gelegentlich unterschiedliche Auffassungen», sagte Westerwelle und nannte als Beispiel die deutsche Entscheidung, sich anders als die USA nicht militärisch in den Libyen-Konflikt einzuschalten.

Begrüssung mit militärischen Ehren

Die Themen des Gesprächs zwischen Merkel und Obama wurden zunächst nicht bekannt. Vorher hatte es aber bereits aus Delegationskreisen geheissen, beide würden sich bei ihren Treffen unter anderem über Afghanistan, den Nahen Osten, Iran und Wirtschaftsfragen austauschen.

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) wird Merkel mit militärischen Ehren durch Obama und dessen Ehefrau Michelle offiziell begrüsst, es folgt ein weiteres Gespräch mit dem US-Präsidenten. Mittags trifft Merkel Vizepräsident Joe Biden und Aussenministerin Hillary Clinton. Die Kanzlerin übernachtete im Gästehaus der US-Regierung, dem «Blair House».

Für Dienstagabend steht die feierliche Verleihung der Freiheitsmedaille auf dem Programm. Der Termin im Weissen Haus kommt vom protokollarischen Aufwand her einem Staatsbesuch gleich. Obama richtet für Merkel ein Staatsbankett aus - eine Ehre, die bislang nur wenigen Regierungschefs zuteil wurde. Rund 250 Gäste sind dazu geladen, Merkel selbst hat Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann als prominente Verstärkung hinzu gebeten. Bei gutem Wetter soll das Bankett unter freiem Himmel im Rose Garden des Weissen Hauses abgehalten werden. Im Anschluss reist Merkel nach Deutschland zurück.

Auch Merkels Ehemann reiste - getrennt

Merkel wird auf der Reise von Aussenminister Westerwelle, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (beide FDP), Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begleitet. Ausserdem reisen Abgeordnete der Bundestagsfraktionen mit.

Merkels Ehemann Joachim Sauer reiste getrennt in die Vereinigten Staaten und hielt den Angaben zufolge zunächst einen Vortrag an einer Universität in Detroit. Er sollte am Dienstagnachmittag in Washington eintreffen und dann am Staatsbankett teilnehmen.

Kanzlerin Merkel reiste in ihrer Amtszeit nach Angaben aus Regierungskreisen noch nie mit einer so grossen Delegation. Die CDU-Chefin wird am Mittwoch in Berlin zurückerwartet.

(ap)