Krise an der US-Grenze

15. Juli 2014 21:38; Akt: 15.07.2014 21:38 Print

Obama liess Familie mit Kleinkindern deportieren

Zehntausende Kinder strömten in den vergangenen Monaten aus Mittelamerika in die USA. Nun hat die US-Regierung die ersten ausfliegen lassen – darunter ein 18 Monate altes Baby.

storybild

Über 50'000 Kinder aus Honduras, El Salvador und Guatemala sind seit Oktober 2013 an die US-mexikanischen Grenze angekommen. (Bild: Keystone/AP/Rebecca Blackwell)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die sechsjährige Nubia ist wieder in ihrer Heimat San Pedro Sula in Honduras. Die US-Regierung liess sie am Montag zusammen mit ihrer Mutter und einer Gruppe honduranischen Kindern aus New Mexico ausfliegen. Damit versucht Barack Obama offenbar sein Versprechen einzuhalten, härter gegen illegale Migranten vorgehen zu wollen.

Doch die Massnahme ist fraglich. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, befanden sich unter den 38 deportierten Migranten ein 18 Monate altes Baby sowie 12 Mädchen und 9 Buben unter 15 Jahre. Sie alle wurden zurück in die Stadt gebracht mit der weltweit höchsten Mordrate.

Eine anstrengende Reise in die USA

Dennoch haben die US-Behörden versucht, die Reise für die Kinder angenehm zu gestalten. Mit Ballons in der Hand stiegen sie in San Pedro Sula aus. Nubia erzählt von ihrer «anstrengenden» Reise vor einem Monat in die USA. Es sei oft «kalt, mühsam und schrecklich» gewesen.

Ihre Mutter Dalia hatte einem sogenannten Coyote, einem Schlepper, 7000 Dollar bezahlt, um sie über die mexikanische Grenze in die USA zu schmuggeln. Sie habe zu ihren drei Brüdern gehen wollen, die seit einiger Zeit dort lebten, sagt sie. Alles umsonst: Zwei Wochen nachdem sie Honduras verlassen hatten, wurden sie von der US-Grenzpolizei aufgegriffen.

Dalia erinnert sich: «Die Polizisten behandelten uns wie Tiere. Sie steckten bis zu 50 Personen in einen Raum. Einige Mütter schliefen im Stehen, mit ihren Kindern in den Armen.»

Republikaner wehren sich gegen Mehrausgaben

Die US-Regierung spricht mittlerweile von einer humanitären Krise. Mitte Juni seien rund 52'000 minderjährige Migranten aufgegriffen worden, inzwischen habe deren Zahl 57'000 erreicht, erklärte erst vor wenigen Tagen der Leiter des US-Grenzschutzes, Gil Kerlikowske, in einer Anhörung vor dem Senatsausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten. Noch im Vorjahreszeitraum seien halb so viele Kinderflüchtlinge gezählt worden.

Der Direktor in Immigrationsfragen im Justizministerium, Juan Osuna, sprach von der höchsten Fallzahl, die die Behörde je gesehen habe. Er und Kerlikowske erklärten, die Regierung könne auf die Entwicklung nicht länger angemessen reagieren.

Präsident Obama nahm den Kongress in die Pflicht und stellte einen milliardenschweren Antrag auf Notfallhilfe. Viele Republikaner lehnten diesen jedoch ab. Senator John McCain hatte sich bislang hinter die vom Präsidenten angestrebte Einwanderungsreform gestellt, von Mehrausgaben wollte er aber nichts wissen. «Ich kann nicht für eine Vorlage stimmen, die die inakzeptable humanitäre Krise an unseren südlichen Grenzen nur noch verschlimmert», sagte er.

(kle)