Nahostkonflikt

11. Juli 2014 00:58; Akt: 11.07.2014 05:17 Print

Obama will bei Verhandlungen helfen

Der US-Präsident Barack Obama verurteilt den Raketenbeschuss der Hamas. Israel besitze ein Recht auf Selbstverteidigung. Die USA bietet den Parteien eine Vermittlerrolle an.

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Die USA drängen auf eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas - und bieten sich auch gerne als Vermittler an. Das Angebot Obamas könnte Washington aber tiefer in den Konflikt hineinziehen. Ein Ende der Gewalt ist jedoch nicht in Sicht.

Im Ringen um ein Ende der Gewalt zwischen Israel und Hamas haben sich die USAals Vermittler angeboten. Washington sei bereit, bei den Verhandlungen um eine Waffenruhe zu helfen, sagte Präsident Barack Obama in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag.

Laut dem Weissen Haus verurteilte Obama zudem den Raketenbeschuss der Hamas und betonte Israels Recht auf Selbstverteidigung. Zugleich mahnte er beide Konfliktparteien zur Deeskalation, zum Schutz von Zivilisten und zur Ruhe.

«Hinter palästinensischen Zivilisten versteckt»

Vor Ort bleiben die Gefechtsgegner jedoch unnachgiebig. Bislang sei die Offensive zwar nach Plan verlaufen, doch werde es voraussichtlich weitere Phasen geben, kündigte Netanjahu an. «Die Hamas und andere Terroristen haben wir bisher schwer getroffen und wir werden unsere Schläge gegen sie verstärken solange die Kampagne weitergeht.» Dabei werde Israel «jede Bemühung» unternehmen, um zivile Opfer zu vermeiden, versicherte Netanjahu. Den Hamas warf er zugleich vor, ihre Mitbürger zu gefährden, indem sie sich «hinter palästinensischen Zivilisten versteckt», fügte er hinzu.

Am Donnerstag hatte Israel das Bombardement auf den Gazastreifen noch einmal forciert. Ziel der Offensive ist es, den Raketenbeschuss auf israelisches Territorium zu unterbinden. Seit Beginn der Offensive gegen die Hamas kamen laut palästinensischen Angaben mehr als 85 Menschen ums Leben, darunter Dutzende Zivilisten. In Israel schlugen jedoch weiter Raketen aus dem Gazastreifen ein. Am Nachmittag wurde auch Jerusalem zum zweiten Mal binnen drei Tagen attackiert, die dorthin abgefeuerten Geschosse wurden aber nach Informationen des israelischen Fernsehens vom Abwehrsystem «Iron Dome» (Eisenkuppel) unschädlich gemacht.

Hintergrund der Eskalation sind Spannungen nach der Tötung dreier israelischer Teenager und dem mutmasslichen Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen.

USA könnte tiefer in Konflikt gezogen werden

Die USA wollen nun «den Weg zu einem Ende der Feindseligkeiten ebnen», wie das Weisse Haus mitteilte. Angestrebt werde eine Vereinbarung, die dem Waffenstillstandsabkommen von 2012 nachempfunden sei. Die Feuerpause hatten damals Ägypten und die frühere US-Aussenministerin Hillary Clinton mit ausgehandelt.

Welche Rolle die USA diesmal einnehmen will, war zunächst unklar. Das jüngste Vermittlungsangebot könnte Washington tiefer in den Konflikt hineinziehen. Die USA stufen die Hamas als Terrororganisation ein und pflegen keinen Kontakt zu Führern der radikalen Gruppe. Diese Linie habe sich auch nicht geändert, sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter. Allerdings könnten andere Schlüsselländer im Nahen Osten wie schon im Jahr 2012 als Mittler auftreten. Eine Option wäre die Einbindung von Ägypten, der Türkei oder Katar.

Nach der Eskalation der Gewalt in Nahost wandte sich am Donnerstag auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit einem Friedensappell an Israel und die Palästinenser. Die Lage dürfe nicht weiter ausser Kontrolle geraten, warnte Ban er bei einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrats.

(sda)