Schlagabtausch

14. Juni 2011 07:02; Akt: 14.06.2011 12:34 Print

Obamas Gegner kreuzen die Klingen

Die meistgenannten republikanischen Präsidentschaftsanwärter sind bei einer TV-Debatte aufeinandergetroffen. Nicht mit dabei war Sarah Palin.

Bildstrecke im Grossformat »
: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

Zum Thema
Fehler gesehen?

Rund eineinhalb Jahre vor der US- Präsidentenwahl wird der Kampf um das Weisse Haus ernster. Am Montagabend (Ortszeit) gab auch die republikanische Kongressabgeordnete Michele Bachmann bekannt, im November 2012 gegen den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama antreten zu wollen.

Sie habe die nötigen Papiere eingereicht, um an den Vorwahlen ihrer Partei teilnehmen zu können. Ihre Ankündigung machte sie überraschend während der ersten bedeutenden TV-Debatte zwischen sieben republikanischen Anwärtern, die der Sender CNN live ausstrahlte.

Die Diskussion im Saint Anselm College im US-Staat New Hampshire galt als inoffizieller Auftakt des Vorwahlkampfes, an dessen Ende die Konservativen ihren Gegenkandidaten zu Obama nominieren. Der Präsident, seit Anfang 2009 im Amt, hat bereits seine Kandidatur für die Demokraten angekündigt.

Romney als Favorit

In New Hampshire wird im Februar 2012 die erste Vorwahl der Republikaner stattfinden. Eindeutiger Favorit im Feld der Bewerber ist laut Umfragen der Multimillionär und ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney.

Der 64-Jährige, der bereits zum zweiten Mal nach dem höchsten Amt im Staat strebt, stellte sich den Zuschauern als klarer Herausforderer von Obama dar: «Ich kann nicht abwarten, mit ihm zu diskutieren», sagte er. Dem Amtsinhaber warf er erneut Versagen in der Wirtschaftspolitik vor.

Weitere Teilnehmer der zweistündigen Diskussion waren der ehemalige Parlamentspräsident Newt Gingrich, der Geschäftsmann Herman Cain und der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty. Auch der Abgeordnete Ron Paul sowie der einstige Senator Rick Santorum versuchten, sich auf der nationalen Bühne ins rechte Licht zu rücken.

Breitseite gegen Obama

Die Kandidaten übten kaum gegenseitige Kritik und nutzten das Forum insbesondere, um sich gegen Obama zu positionieren. «Jeder hier auf dieser Bühne wäre ein besserer Präsident als Präsident Obama», sagte Romney.

Innenpolitische Hauptthemen der Diskussion waren die hohe Arbeitslosigkeit, die massive Staatsverschuldung und die Gesundheitsreform der US-Regierung, die durchweg auf harte Ablehnung stiess.

Die aussenpolitische Debatte drehte sich vor allem um den Kampf gegen den Terrorismus. Kosten für Militäreinsätze im Ausland - auch in Afghanistan - sollten zum Wohle inländischer Investitionen eingeschränkt werden, so der Tenor. Paul sagte, amerikanische Truppen sofort nach Hause holen zu wollen - auch gegen den Willen von Generälen.

Palins Kandidatur unklar

Das Kandidatenfeld der Republikaner ist voraussichtlich noch nicht komplett und so fehlten manche potenziellen Bewerber bei der Debatte. Nicht dabei war die ehemalige Kandidatin für die Vize- Präsidentschaft, Sarah Palin. Sie hat noch nicht bekanntgegeben, ob sie dieses Mal antritt.

Wie Palin hat auch Bachmann starken Rückhalt in der konservativen Tea-Party-Bewegung, die bei der Wahl 2008 einen grossen Einfluss auf die Republikaner hatte. Bachmann gab sich siegesgewiss: «Präsident Obama wird nur für eine Amtszeit Präsident bleiben», erklärte sie.

Die Debatte im Video:


(Videos: AFP/Al Jazeera/YouTube)

(ap)