Krise in der Elfenbeinküste

20. Januar 2011 18:11; Akt: 20.01.2011 18:11 Print

Ohne Kakao kein Krieg?

In der Elfenbeinküste spitzt sich der Machtkampf zu. Nun fordert ein Online-Netzwerk die Schokoladen-Multis dazu auf, ihre Geschäfte mit dem Unrechtsregime von Laurent Gbagbo einzustellen.

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Es wird immer schwieriger, in dem Machtkonflikt in der Elfenbeinküste eine friedliche Lösung zu finden. Wahlverlierer Laurent Gbagbo weigert sich, sein Amt an Nachfolger Alassane Outtara zu übergeben. Seit Beginn der Krise sind bei Unruhen rund 250 Menschen getötet worden. Mehr als 25 000 flohen ins benachbarte Liberia. Zudem stockten die Vereinten Nationen ihr dort stationiertes Kontingent an Blauhelmsoldaten auf.

Dennoch besteht der Wille, den Konflikt friedlich zu beenden. Das Online-Netzwerk Avaaz hat dafür einen Appell lanciert, der das Unrechtsregime von Wahlverlierer Gbagbo zu Fall bringen könnte. Denn Gbagbo finanziert einen erheblichen Teil seiner Sicherheitskräfte und Milizen mit Geld aus dem Kakao-Export. Das Land führt jedes Jahr mehr als eine Million Tonnen Kakaobohnen und Kakaomasse aus. Das entspricht einem Erlös von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro. Ein Bericht der UNO aus dem Jahr 2004 dokumentiert, dass Gbagbos Regime 180 Millionen Dollar aus dem Kakaogeschäft für Waffenkäufe abgezweigt hat.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Avaaz fordert nun die internationalen Schokoladen-Multis wie Nestlé, M&M/Mars und Hershey's dazu auf, sämtliche Geschäfte mit Laurent Gbagbo einzustellen. «Die Welt ist an der Rechtlosigkeit und dem Unrecht in der Elfenbeinküste beteiligt. Der Unterbruch der finanziellen Unterstützung könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt», schreiben die Avaaz-Mitglieder. Die Multis sollten sich bemühen, nur mit der anerkannten Regierung von Präsident Outtara weiter zu handeln.

Die Elfenbeinküste sei für 40 Prozent der weltweiten Kakaoversorgung verantwortlich, heisst es weiter. Zudem arbeiten laut der britischen Menschenrechtsorganisation Anti-Slavery International auf den Kakaoplantagen rund 200 000 Kinder. Sie sind dabei Pestiziden ausgesetzt und müssen bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten.

(kle)