Sturz aus Kreuzfahrtschiff

09. Juli 2019 22:38; Akt: 10.07.2019 09:48 Print

Der Opa merkte nicht, dass die Fenster offen waren

Salvatore Anello hob seine Enkelin Chloe (1) hoch, um sie aus dem Fenster des Kreuzfahrtschiffes sehen zu lassen. Er dachte, die Scheiben seien geschlossen.

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Familie Wiegand aus dem US-Staat Indiana kann immer noch nicht fassen, was am letzten Sonntag passiert ist. Die kleine Chloe Wiegand, kaum 18 Monate alt, stürzte aus dem elften Stock des Kreuzfahrtschiffes Freedom of the Seas in die Tiefe. Das Kind schlug auf dem Anleger aus Beton im Hafen von San Juan in Puerto Rico auf. Kurz danach war es tot.

Der Grossvater Salvatore Anello hatte die Kleine kurz davor in seinen Armen gehalten. Als er sich mit Chloe zu einem Fenster begab, fiel das Mädchen 45 Meter in die Tiefe. Die Familie macht nun der Kreuzfahrtgesellschaft schwere Vorwürfe: Das Fenster, aus dem das Kind fiel, hätte nicht offen sein sollen.

Die ganze Familie muss psychologisch betreut werden

Michael Winkleman, der Anwalt der Familie, spricht von einem «tragischen, jedoch vermeidbaren Unfall». Der Grossvater habe gewusst, dass Chloe gern aus den Fenstern schaue und dabei mit den Händen gegen die Scheiben schlage, sagt Winkleman bei einer Pressekonferenz in Miami. Als Anello sich mit seiner Enkelin der Fensterwand auf dem Schiff genähert habe, sei er davon ausgegangen, dass alle Fenster geschlossen seien.

Der Grossvater hatte Chloe auf ein Holzgeländer gestellt, um sie wie gewohnt bei den Glasscheiben spielen zu lassen, erklärte der Anwalt der Wiegands. Als sich die Kleine nach vorne gebeugt habe, sei sie Anello aus den Händen gerutscht und durch die Öffnung und mit einem laut Zeugen «grauenerregenden Schrei» zu Boden gestürzt. «Wir alle haben mal erlebt, wie jemand gegen eine Glastür läuft, weil er meint, sie stehe offen. Hier ist das Gegenteil passiert», so Winkleman.

Der Grossvater musste nach dem Unglück medizinisch betreut werden. Die Ärzte gaben ihm ein Beruhigungsmittel. Auch Alan Wiegand, Chloes Vater und Polizist in der Ortschaft South Bend, und seiner Frau gehe es nicht besser. «Sie sind komplett ausser sich», sagte der Anwalt.

(kle)