Fall Epstein

21. November 2019 20:48; Akt: 21.11.2019 20:48 Print

Opfer-Anwältinnen wollen Andrew an den Kragen

Prinz Andrew gerät im Fall Epstein immer stärker unter Druck. Opferanwältinnen fordern vom Prinzen, eine Erklärung beim FBI abzugeben.

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Das erste gemeinsame Bild nach dem misslungenen TV-Interview: Am 22. November 2019 reiteten Prinz Andrew und die Queen zusammen im Windsor Park. Dabei dürfte die Königin ihrem Sohn mitgeteilt haben, dass er sein Büro im Buckingham-Palast räumen müsse. Am 20. November 2019 legte Prinz Andrew seine öffentlichen Ämter als Mitglied des britischen Königshauses nieder. Grund dafür ist ein Interview, welches er zum Thema Jeffrey Epstein gegeben hat. Prinz Andrew hatte mit einem am 16. November 2019 im Sender BBC ausgestrahlten Fernsehinterview zur Epstein-Affäre heftige Kritik auf sich gezogen. In dem Interview hatte sich der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. erstmals zu seiner Beziehung zu Epstein und den gegen ihn selbst erhobenen Missbrauchsvorwürfen geäussert. Der Prinz wies dabei die Missbrauchsvorwürfe einer zum mutmasslichen Tatzeitpunkt minderjährigen Frau gegen ihn zurück. Er habe an jenem Tag mit seiner Tochter Pizza im Restaurant Pizza Express in Woking, England, gegessen. Er habe «Ihre Majestät gebeten, auf absehbare Zeit von öffentlichen Aufgaben zurücktreten zu dürfen», erklärte Prinz Andrew am 20. November 2019. Königin Elizabeth II., seine Mutter, habe dem Anliegen zugestimmt. «Ich bedaure weiterhin in unmissverständlicher Weise meine unbedachte Verbindung zu Jeffrey Epstein», erklärte Prinz Andrew in Bezug zum misslungenen Interview. Der Vorwurf: Andrew soll in den Jahren 2001 und 2002 dreimal Sex mit der damals Minderjährigen Virginia Giuffre gehabt haben. Virginia Giuffre soll von US-Unternehmer Epstein an den Prinzen ausgelehnt worden sein. Das britische Königshaus hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Queen soll «jenseits von wütend» sein. Am 21. November 2019 wurde bekannt, dass die «entsetzte» Queen Andrew zum Rücktritt gezwungen habe. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen. Prinz Andrew hat angegeben, mit allen möglichen Justizbehörden zusammenarbeiten zu wollen. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer, die nun brisante Details bekannt geben. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Epstein verstarb am 10. August 2019 in Gefangenschaft.

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Mehrere Opferanwältinnen im Missbrauchsskandal um den gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein haben den britischen Prinzen Andrew zu umfassenden Aussagen aufgefordert.

Der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. steht derzeit wegen seiner langjährigen Freundschaft mit dem Geschäftsmann im Fokus der Berichterstattung. Eines der Epstein-Opfer, Virginia Giuffre, behauptet sogar, sie sei mehrmals zum Sex mit dem Royal gezwungen worden. Andrew bestreitet das.

Der 59-jährige Prinz solle nicht nur zu den strafrechtlichen Ermittlungen des FBI beitragen, sondern auch in Zivilklagen eidesstattliche Erklärungen abgeben und Beweismittel zur Verfügung stellen, sagte die US-Anwältin Lisa Bloom der BBC am Donnerstag. Dazu gehörten auch E-Mails, Kalender, Reisepläne und die Erlaubnis, dass seine Mitarbeiter aussagen.

Kommt es zu einer «diplomatischen Situation»?

Bloom deutete sogar an, sie könne versuchen, eine Aussage Andrews zu erzwingen. Würde sich der Prinz weigern, könne es zu einer «diplomatischen Situation» zwischen Grossbritannien und den USA kommen, sagte die Opferanwältin. «Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, ich nehme ihn beim Wort, dass er sagt, er werde mitwirken.»

Zu den Vorwürfen gegen Andrew sagte Bloom, diese seien ihrer Kenntnis nach auch im Fokus des FBI und die Ermittlungen «könnten und sollten» nach Grossbritannien ausgedehnt werden.

US-Opferanwältin Gloria Allred hatte bereits am Mittwoch im Gespräch mit der BBC gefordert, Andrew solle «freiwillig mit den Strafermittlern zusammenarbeiten, ohne Bedingung und ohne Verzögerung». Allred und Bloom sind Mutter und Tochter. Die beiden haben sich in den USA einen Namen gemacht als Opferanwältinnen für Frauen.

Uni und Unternehmen gehen auf Distanz

Nach dem umstrittenen Fernsehinterview von Prinz Andrew vom Samstag gehen eine britische Universität und mehrere Unternehmen auf Distanz zu dem Mitglied des britischen Königshauses. Bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats in der kommenden Woche werde Prinz Andrews Position als Schirmherr der London Metropolitan University auf den Prüfstand gestellt, sagte ein Sprecher der Uni.

Die Hochschule distanziere sich «von jeglicher Form der Diskriminierung, des Missbrauchs, des Menschenhandels und von jeder Handlung, die gegen ihre Werte verstösst», betonte der Sprecher. Die Studenten der Huddersfield University in Nordengland forderten derweil einen Rücktritt von Prinz Andrew als Schirmherr. Er sei wegen der Missbrauchsvorwürfe als Repräsentant der Uni «absolut unpassend».

Mehrere Unternehmen kündigten zudem am Dienstag, ihre finanzielle Unterstützung für einen von Prinz Andrew gegründeten Verband zur Wirtschaftsförderung einzustellen. Die Bank Standard Chartered nannte «kommerzielle Gründe» für die Entscheidung. Der Versicherungsriese AON forderte, dass sein Logo von der Website von Andrews Verband entfernt wird.

Regelmässiger Gast

Am Mittwochabend teilte der Prinz mit, er werde vorläufig von allen öffentlichen Aufgaben als Mitglied der Königsfamilie zurücktreten. Ausserdem wolle er «allen zuständigen Ermittlungsbehörden helfen». Er versah dies jedoch mit der Einschränkung «falls erforderlich».

Epstein nahm sich Anfang August in einem New Yorker Gefängnis das Leben. Ihm wurde vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Über viele Jahre war Andrew mit dem US-Multimillionär befreundet und regelmässiger Gast auf dessen Anwesen. Trotzdem will er vom Missbrauch nichts mitbekommen haben.

(kle/sda)