Grossdemo in Moskau

10. März 2012 08:49; Akt: 10.03.2012 20:00 Print

Oppositon will «Orangene Revolution»

25 000 Menschen demonstrierten in Moskau gegen Wladimir Putin und forderten Neuwahlen. Erstmals war auch von einer «Orangenen Revolution», wie sie 2004 in der Ukraine stattgefunden hatte, die Rede.

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Bei neuen Massenprotesten gegen den von Manipulationsvorwürfen überschatteten Sieg von Wladimir Putin bei der russischen Präsidentenwahl haben etwa 25 000 Menschen Neuwahlen verlangt. Erstmals forderten Redner auch eine «Orangene Revolution» wie 2004 in der Ukraine.

Davor brauche niemand Angst zu haben, da der Wandel in der Ex-Sowjetrepublik friedlich verlaufen sei, sagte die junge Oppositionspolitikerin Vera Kitschanowa. Putin hatte wiederholt vor «bunten Revolutionen» gewarnt, mit denen das Ausland die Gesellschaft in den früheren Sowjetrepubliken destabilisieren wolle.

Klare Forderungen der Opposition

«Wir haben klare Forderungen: Politische Reformen, Schaffung einer unabhängigen Justiz, Ende der Medienzensur, Direktwahl der Gouverneure und Neuwahl der Staatsduma und des Präsidenten», sagte der ausserparlamentarische Politiker Wladimir Ryschkow am Samstag.

Der Regierungsgegner und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow nannte den gewählten Präsidenten Wladimir Putin einen «Diktator». Die Behörden sprachen von etwa 10 000 Teilnehmern bei der friedlichen Kundgebung.

Die Opposition brauche ein positives Programm, forderte die prominente Fernsehmoderatorin Xenia Sobtschak. «Wir wissen, wogegen wir sind, aber jetzt müssen wir äusserst schnell unser «Für» formulieren», sagte Sobtschak. Putin wirft seinen Gegnern vor, sie hätten kein Konzept.

An Schwung verloren

Die Protestbewegung steht eine Woche nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten am Scheideweg: Die im Vergleich zu vorherigen Protesten relativ geringe Beteiligung legte nahe, dass die Oppositionsbewegung an Schwung verloren hat.

«Wenn wir ein gewaltiges Wachstum erreichen, wenn 100 000 Leute kommen, dann werden wir schnell Ergebnisse bekommen», sagte Sergej Udalzow, einer der Führer der Protestbewegung, am Freitag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. «Wenn es nicht so viele sein werden, wird es ein längerer Weg.»

«Nicht unser Präsident»

Putin hatte die Wahl am vergangenen Sonntag nach offiziellen Angaben deutlich gewonnen. Russische Wahlbeobachter prangerten aber Tausende «gröbste Verstösse» an. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierte die Abstimmung als ungerecht und unfair. «Das sind keine Wahlen, das ist nicht unser Präsident», skandierte die Menge.

Udalzow rief zu einem «Marsch von einer Million Menschen» vor Putins Amtseinführung Anfang Mai auf. Nach Ende der Kundgebung nahmen Sicherheitskräfte Udalzow und etwa ein Dutzend seiner Anhänger fest. Der 35-jährige habe «provoziert», als er mit einer Gruppe unerlaubt zu einem anderen Platz im Zentrum marschieren wollte.

In St. Petersburg wurden bei einer nicht genehmigten Kundgebung etwa 60 Menschen festgenommen. Auch in der drittgrössten Stadt Nischni Nowgorod nahm die Polizei etwa 60 Regierungskritiker in Gewahrsam.

Mindestens 2500 Sicherheitskräfte waren alleine bei der Kundgebung in Moskau im Einsatz. Hundertschaften sicherten die Gegend bis zum Regierungssitz.

Obama gratuliert spät

Am Vorabend gratulierte US-Präsident Barack Obama als einer der letzten Staatschefs Putin zu seinem Wahlsieg. Die beiden Politiker verabredeten in einem 20-minütigen Telefonat, die zuletzt belasteten Beziehungen zwischen Moskau und Washington zu verbessern.

Kritische Kommentare in den vergangenen Wochen seien den Wahlkämpfen vor Präsidentenwahlen in beiden Ländern geschuldet gewesen, zitierte die russische Regierung aus dem Gespräch.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 10.03.2012 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffung des Wortes "Demokratie"

    Es ist schon seltsam was sich heute alles eine Demokratie nennen darf! Das Fluchwort des Jahrhunderts.

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  • istso am 10.03.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Putin

    Ist ja klar , der Spitzbube hat Angst, und schon wird mit Polizei und Arme Stäke gezeigt, armer Bubi !

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  • Fragender am 10.03.2012 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    was wäre in der Schweiz los?

    Was würde denn in der Schweiz passieren, wenn ich mit ein paar Leute aufmaschieren und so lange demonstrieren, «bis unsere wichtigsten Forderungen erfüllt sind»?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Swizzserb am 10.03.2012 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Effekt = 0

    Bei denn Parlamentswahlen 100000 Demonstranten gegen Putin? Irgendwie erinnere ich mich da an zahlen die maximal 50000 waren. Jedoch erinnere ich mich nicht dass irgendwo geschrieben wurde wieviele für Putin sind.

  • Fragender am 10.03.2012 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    was wäre in der Schweiz los?

    Was würde denn in der Schweiz passieren, wenn ich mit ein paar Leute aufmaschieren und so lange demonstrieren, «bis unsere wichtigsten Forderungen erfüllt sind»?

    • Zufrieden am 11.03.2012 08:22 Report Diesen Beitrag melden

      Immer mehr

      Wichtigsten Forderungen?? was willst du mehr in der CH?

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  • Anonym am 10.03.2012 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh-oh

    Ich seh die gleiche Zukunft für Russland wie Lybien und Syrien...

    • Swizzserb am 10.03.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ja klar

      Haha entschuldigung, aber wer dass glaubt, der hat keine Ahnung

    • Chatter am 11.03.2012 01:01 Report Diesen Beitrag melden

      USAamerikaner

      So grossen Einfluss haben die Amis auch wieder nicht. ;) Oder denkt hier wirklich jemand, dass in Ägypten, Lybien etc. die Aufstände ohne den Motor USA je in die Gänge gekommen wären?

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  • Roland Götz am 10.03.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Ungerechtigkeit

    Viel Glück und Durchhaltewillen wünsch ich den tüchtigen Leuten die gegen Korruption und bestechung demonstrieren! Es ist wichtig, dass die Leute sich wehren gegen die Ungerechtigkeit!

  • istso am 10.03.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Putin

    Ist ja klar , der Spitzbube hat Angst, und schon wird mit Polizei und Arme Stäke gezeigt, armer Bubi !

    • Erich S. am 10.03.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      ... ist in Russland beliebt

      Fakt ist: Putin ist in Russland sehr beliebt. Er steht für die meisten Russen für Stabilität und den Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft nach der Jelzin Ära. Diese Demonstranten sind nicht einfach "das Volk gegen Putin" sondern einzelne Parteien welche sich mit ihrer Wahlschlappe nicht zufrieden geben können (z.B. die Kommunisten welche sowieso nicht viel von freien Wahlen halten).

    • R. H. am 10.03.2012 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Putin ist die beste Wahl.

      Ganz genau, Putin ist beliebt und hat das Land auch international aus der Versenkung nach Jelzin geholt. Für die Schweiz hören sich 50000 Demonstranten auch viel an, aber im Raum Moskau leben über 16 Millionen Leute, da sind 50000 nicht so viel. Putin hat viel gemacht fur das Land. Was haben seine Wahlkonkurrenten gemacht? Die Kommunisten hatten 70 Jahre eine Chance, Schirinovski ist eine Plaudertasche, der Milliardär hat wenigstens Format. P.S.: ich lebe in Moskau und finde, dass das Land den richtigen Präsident hat,

    • Ricardo Granda am 10.03.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      @ R. H.

      Gehen Sie doch mal aus Moskau raus, so bis an die Grenze zu Japan etwa und fragen dort wie zufrieden sie mit der Regierung in Moskau sind.

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