Weltmächte

26. Juni 2011 19:03; Akt: 26.06.2011 19:03 Print

Pakistans Flirt mit China verärgert die USA

Zwischen Pakistan und den USA kriselt es. Nun setzt die islamische Republik verstärkt auf die neue Supermacht China. Denn China kritisiert und interventiert nicht.

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Am 18. Mai 2011 trafen sich Pakistans Premierminister Jusuf Raza Gilani und Chinas Premier Wen Jiabao in Peking. (Bild: Keystone)

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Zwischen den USA und dem Verbündeten Pakistan kriselt es. Nachdem die Vereinigten Staaten am 2. Mai Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden bei einer gezielten Aktion getötet hatten, ist es endgültig vorbei mit den engen Banden. Während die USA Pakistan fehlende Kooperation bei der Suche nach Terroristen vorwerfen, betrachtet die pakistanische Bevölkerung den Angriff als fremde Invasion auf eigenem Boden. Laut der «Washington Post» schaut sich Pakistan daher nach einem neuen Verbündeten um - und scheint bei der Partnersuche fündig geworden zu sein: in der aufstrebenden Supermacht China.

Vor allem in der wirtschaftlich schwachen Region um Abbottabad – der Stadt, in der sich Osama Bin Laden jahrelang versteckt hatte – setzt man auf China. Das Land solle in Pakistan investieren und Strassen, Energie, Handel und Arbeitsplätze bringen. «China ist unser Weg in den Wohlstand», sagte Haidar Zaman, der ehemalige Bürgermeister von Abbottabad laut «Washington Post». Zahlreiche pakistanische Führer seien der Meinung, dass China als Partner immer wichtiger werde. Man hoffe darauf, durch China wirtschaftlich und militärisch profitieren und gleichzeitig auf die ständige Kritik aus Washington verzichten zu können.

China als bester Freund

Sowohl Pakistans Präsident Asif Ali Zardari als auch der Premierminister Jusuf Raza Gilani besuchten China im Mai. Gilani bezeichnete China bei dieser Gelegenheit als «Pakistans besten Freund». In Pakistan ist China inzwischen so beliebt wie die USA unbeliebt: 87 Prozent der pakistanischen Bevölkerung hat laut einer Untersuchung ein positives Bild von China. Über die USA äusserten sich gerade mal 12 Prozent wohlwollend.

Das neagative Image der USA wird schon in der Schule verbreitet, so die «Washington Post». Kinder lernen in jungen Jahren, dass die Partnerschaft zwischen Pakistan und China so hoch wie die Berge und so tief wie das Meer sei. Die Vereinigten Staaten werden dagegen als wankelmütiger Freund bezeichnet. Vor allem der Druck, den die USA auf Pakistan ausüben, habe solche Wahrnehmungen verstärkt. Die Unterstützung der USA sei immer an Bedingungen gekoppelt, diejenige Chinas nicht. «Die Chinesen sind nicht in die internen Probleme Pakistans involviert», sagt Amir Rana, der Direktor des Pak Instituts für Friedensforschung. «Washington äussert sich täglich über Pakistan. China bevorzugt es, sich nur dann zu äussern, wenn eine Reaktion nötig ist.»

In Pakistan setze man daher auf eine engere Zusammenarbeit mit China statt mit den USA. Hohe pakistanische Generäle hoffen bereits, dass künftig ein grösserer Teil der Hilfszahlungen aus Peking statt aus Washington kommen wird. Experten für wirtschaftliche Entwicklung haben Pläne für Häfen, Pipelines und Zuglinien entwickelt, mit denen Pakistan vom globalen Aufstieg Chinas profitieren soll. China soll Pakistan ausserdem mit 50 neuen Kampfjets beliefern.

Militärische Konkurrenz für die USA

Tatsächlich wird China nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als Militärmacht zu einer immer grösseren Konkurrenz für die Vereinigten Staaten. Die Geschwindigkeit, in der China seine Armee ausbaue, sorge bei Chinas Nachbarn als auch den Vereinigten Staaten für Besorgnis, stellt das «National Public Radio» (NPR) fest. Peking hatte die USA bereits im Januar mit Militärvorführungen überrascht, als China während des Besuchs des US-Verteidigungsministers Robert Gates erstmals seinen neuen Tarnkappenbomber getestet hatte.

Inzwischen sei China beinahe mit der Renovation seines ersten Flugzeugträgers fertig. China baue zudem diverse U-Boote, so «NPR». Dass China militärische Ambitionen habe, sei nichts Neues. «Chinas Traum ist es, das stärkste Land der Welt zu werden und die militärisch Nummer eins», sagte Oberst Liu Mingfu in einem Interview gegenüber dem «Defence Observer». Die Beherrschung durch die USA seien der grösste Antrieb hinter Chinas militärischer Entwicklung.

Uninteressiertes China

Dass China immer mächtiger werde, müssen auch die Vereinigten Staaten akzeptieren. Und das will sich jetzt offenbar auch Pakistan zu Nutzen machen, um sich von den USA zu distanzieren. Einziges Problem: China ist nicht sonderlich interessiert daran, künftig die Rolle der USA in Pakistan zu übernehmen. Während die USA vor allem wegen des Terrorismus und der Instabilität in Pakistan investieren und dem Land Hilfszahlungen zukommen lassen, hält dies China nämlich davon ab, stärker einzugreifen.

«China will in Pakistan auf keinen Fall die Rolle der USA übernehmen», sagt Ashraf Ali, der das Forschungszentrum FATA führt, das sich mit Militanz in Pakistan beschäftigt, gegenüber der «Washington Post». Der chinesische Beamte, der anonym bleiben wollte, zeigte sich denn auch besorgt über den islamistischen Terrorismus und drückte Zweifel aus, ob Pakistan für China so rasch zu einem zentralen Handelspartner werden könnte.

Hafen soll Zugang zu Ressourcen bringen

Auch wenn China nicht die Rolle der USA übernehmen will, Interessen hat das Land trotzdem in Pakistan. Wichtig sei, dass Pakistan als Pufferzone gegen den wachsenden Einfluss Indiens wirke – Chinas Hauptrivalen im asiatischen Raum. Ausserdem sei Pakistans Lage auch strategisch wichtig für China, schreibt die «Washington Post». Ein von China gebauter Hafen in der pakistanischen Stadt Gwadar soll chinesischen Firmen einen schnelleren Zugang zu den Ressourcen im Mittleren Osten und in Afrika ermöglichen. So können auch Güter aus westlichen Regionen einfacher in ausländische Märkte transportiert werden.

In Abbottabad träumt man derweil bereits von dem Moment, wenn chinesische Trucks mit billig produzierten Gütern in die Stadt einfahren, Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten schaffen. «Warum wir China mögen?» fragt Abbottabads früherer Bürgermeister Haidar Zaman. «Weil sie uns Pakistani nicht zu Sklaven machen wie es die Amerikaner tun. Sie wollen einfach nur Geschäfte mit uns machen.»

(ske)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wetten dass am 27.06.2011 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können uns also freuen

    nur eine Frage der Zeit, bis sich die Chinesen und die Islamischen Staaten in die Haare kriegen.

  • Wadar Butho am 26.06.2011 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Gut so. Ich hoffe, dass die Chinesen die USA ablösen und auch finanziell bluten. Die zukünftige Allianz Europa-USA-Indien-Russland-Japan werden die Chinesen und deie radikalen Muslime im Zaum halten

  • Trebla am 26.06.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schade die Amerikaner sind noch da

    ja, dann hoffen wir Amerika hat den Wink verstanden und beendet sein Engagement. Wir sollten dann einfach unser Asylwesen einstampfen. Und damit wäre dann alles für alle Gut.

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  • Wetten dass am 27.06.2011 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können uns also freuen

    nur eine Frage der Zeit, bis sich die Chinesen und die Islamischen Staaten in die Haare kriegen.

  • Trebla am 26.06.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schade die Amerikaner sind noch da

    ja, dann hoffen wir Amerika hat den Wink verstanden und beendet sein Engagement. Wir sollten dann einfach unser Asylwesen einstampfen. Und damit wäre dann alles für alle Gut.

  • Wadar Butho am 26.06.2011 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Gut so. Ich hoffe, dass die Chinesen die USA ablösen und auch finanziell bluten. Die zukünftige Allianz Europa-USA-Indien-Russland-Japan werden die Chinesen und deie radikalen Muslime im Zaum halten