NATO- Angriff

02. Dezember 2011 13:49; Akt: 02.12.2011 14:00 Print

Pakistans Militär ringt um Erklärung

Verwirrung und Fehlinformation: Damit erklären die pakistanischen Streitkräfte, weshalb sie vergangene Woche nicht eingegriffen haben, als die NATO einen Grenzposten angegriffen hat. 24 Soldaten wurden getötet.

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Zornige Pakistani verbrennen in Karachi die Fotos von Obama und Clinton. (Bild: Reuters)

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Verwirrung und eine Kommunikationspanne haben nach Darstellung der pakistanischen Streitkräfte verhindert, dass ihre Luftwaffe bei einem NATO-Angriff auf einen Grenzposten vorige Woche im Grenzgebiet zu Afghanistan eingegriffen hat. Mit dieser Erklärung reagierte das Militär am Freitag auf kritische Fragen, warum in Grenznähe stationierte Kampfflugzeuge und Hubschrauber dem Posten nicht zu Hilfe gekommen seien. Bei dem Angriff waren mindestens 24 pakistanische Soldaten getötet worden.

Die Soldaten des Grenzpostens hätten beim Angriff der NATO-Hubschrauber zurückgeschossen, erklärte das pakistanische Militär. Die Gegenwehr hätte «effektiver» sein können, wenn die Luftwaffe zur Unterstützung angefordert worden wäre. Dies sei aber wegen einer «Störung der Kommunikation» und Verwirrung auf «verschiedenen Ebenen» nicht möglich gewesen.

Der Vorfall hat die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Islamabad und Washington noch weiter belastet. Pakistan sagte seine Teilnahme an der internationalen Afghanistan-Konferenz am Montag in Bonn ab und sperrte zudem eine Nachschubroute der Schutztruppe ISAF. NATO- und US- Militärs erklärten das Geschehen mit einer tragischen Verwechslung: Der Grenzposten sei für ein Lager von Taliban gehalten worden, die kurz vorher eine amerikanisch-afghanische Patrouille angegriffen hatten. Die pakistanischen Streitkräfte sprachen dagegen von einem «Akt bewusster Aggression». Der habe fast zwei Stunden gedauert, obwohl pakistanische Kommandeure NATO-Kommandeure kontaktiert und um Feuereinstellung gebeten hätten. Diese Darstellung wird von NATO- und US-Seite indes bestritten.

Angeblich Rücksprache vor dem Angriff

Wie aus Informationen des Verteidigungsministeriums für Bundestagsabgeordnete hervorgeht, soll es vor dem Beschuss eine Abstimmung mit der pakistanischen Seite gegeben haben. Pakistan bestreite inzwischen die Freigabe des Zielgebietes.

US-Gewährsleute berichteten der AP, eine amerikanisch-afghanische Patrouille sei von Taliban mit Mörsern und leichten Waffen angegriffen worden und habe Unterstützung angefordert. Vor dem Gegenangriff habe die Patrouille das erst mit der pakistanischen Armee abgeklärt. Diese habe angegeben, es seien keine eigenen Soldaten in der Gegend.

Vertreter Pakistans widersprachen dem. Die US-Soldaten müssten gewusst haben, dass sie pakistanische Soldaten angriffen, hiess es. Die Posten seien auf Karten, die der NATO ausgehändigt wurden, deutlich markiert gewesen, und beide Seiten hätten unmittelbar vor und während der Luftangriffe miteinander in Kontakt gestanden.

(ap)