Peinliche Social Media

08. Juni 2011 08:44; Akt: 08.06.2011 09:44 Print

Palin-Fans schreiben die Geschichte um

Mit einer falschen Aussage über die Amerikanische Revolution hat Sarah Palin für Belustigung gesorgt. Um Palins Ehre zu retten, haben Fans kurzerhand den Wikipedia-Eintrag umgeschrieben.

storybild

In amerikanischer Geschichte nicht sattelfest: Sarah Palin. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit aussenpolitischem Wissen hatte Sarah Palin bekanntlich noch nie geglänzt. Sie verwechselte Nordkorea mit Südkorea und zu Russland fiel ihr nur ein, dass man das Land von Alaska aus sehen könne. Jetzt unterlief ihr auch noch ein Patzer in Sachen Geschichte – und zwar ausgerechnet bei der Amerikanischen Revolution.

Die mit einer allfälligen Kandidatur für die Präsidentenwahl 2012 kokettierende Palin reist zurzeit mit einem Bus durchs Land. In Boston unterlief ihr schliesslich der Fehler. Die ehemalige Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt erklärte, der US-amerikanische Freiheitskämpfer Paul Revere habe bei seinem berühmten Ritt «die Briten gewarnt, dass wir schon dort sind, dass sie nicht siegen und uns die Waffen nicht wegnehmen werden».

Worüber hierzulande wohl tatsächlich nicht jeder Bescheid weiss, ist in den USA schon jedem Schulkind klar, schreibt «The Daily Telegraph»: Mit seinem Ritt von Boston durch Massachusetts wollte Revere nämlich nicht die Briten warnen – sondern im Gegenteil seine Gefährten vor den Briten warnen, die John Hancock und Samuel Adams gefangen nehmen wollten. Paul Revere wurde zum Helden der Amerikanischen Revolution und die Rolle, die er bei dem Krieg gespielt hatte, zu einer wichtigen Anekdote in der amerikanischen Geschichte.

Wikipedia umgeschrieben

In den USA sorgte Palins Aussetzer in Sachen Geschichte für grosses Medienecho. Die «Washington Post» nutzte den Vorfall gar, um weitere geschichtliche Verirrungen von Politikern in ihren Reden aufzuzählen. Ganz anders reagierten ein paar gewiefte Fans der ehemaligen Gouverneurin von Alaska. Sie schrieben kurzerhand den entsprechenden Wikipedia-Eintrag zu «Paul Reveres Ritt» um – in der Hoffnung, dass es niemand bemerken würde.

Der überarbeitete Eintrag implizierte, dass Sarah Palin mit ihrer Aussage, Paul Revere habe «die Briten gewarnt», sehr wohl recht gehabt hatte. Denn «die meisten der kolonialen Bewohner betrachteten sich zu dieser Zeit als Briten, da sie rechtlich den Briten unterworfen waren». Die kleine geschichtliche Korrektur blieb allerdings nicht lange auf der Internet-Enzykoplädie - nach heftiger Kritik wurden die zusätzlichen Sätze wieder gelöscht.

Schlechte Umfragewerte

Ob Sarah Palin die neuerliche Peinlichkeit schaden wird, ist fraglich. Eine Umfrage der «Washington Post» und «ABC News» hat ergeben, dass sie beim Rennen Richtung Weisse Haus sowieso keine allzu gute Chancen hätte. Zwei Drittel aller Amerikaner sagen, sie würden «definitiv nicht» für Sarah Palin stimmen. Dass sie bei den Demokraten auf wenig Begeisterung stösst, ist nicht verwunderlich. Interessant an der Umfrage ist allerdings, dass sie auch bei den Republikanern an Unterstützung verliert. 42 Prozent der Republikaner geben an, es sei für sie unmöglich geworden, Palins Kandidatur zu unterstützen.

Sechs von zehn Amerikanern halten Palin zudem für nicht qualifiziert genug, um als Präsidentin zu agieren. Obwohl diese Bewertung etwas besser sei als diejenigen in den letzten Jahren, seien die Zweifel deutlich sichtbar, die US-Bürger an einer Kandidatur Palin haben, schreibt die Zeitung. Gewählt würde sie zurzeit von gerade mal 17 Prozent der Bevölkerung. Dies ist das schlechteste Resultat von sechs getesteten republikanischen Kandidaten.

Auch bei US-Präsident Barack Obama hält die kurzzeitig gewonnene Popularität durch den Tod Bin Ladens nicht mehr an. Für viele ist wieder die Erholung der Wirtschaft das derzeit wichtigste Thema. Neun von zehn Amerikanern beurteilen die Wirtschaftslage der USA nach wie vor negativ. Obama rangiert zwar immer noch vor den meisten potenziellen republikanischen Kandidaten, mit 47 Prozent Zustimmung liegt er aber inzwischen gleichauf mit dem offiziellen Anwärter für die Kandidatur der Republikaner, Mitt Romney.

(ske)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steven D. am 08.06.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    So ist das halt.

    Frau zu sein macht noch lange keine gute Führungskraft aus, auch wenn man gemäss den heutigen Medien diese Schlussfolgerung daraus ziehen könnte.

  • S. Palin am 08.06.2011 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der ist gar nicht geritten

    Paul Revere ist gar nie geritten. Er konnte Concord von seinem Haus aus sehen.

    einklappen einklappen
  • Kuno am 08.06.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Palin 2012

    Ich hoffe nur dass Palin die Präsidentschafts-Kandidatin der Republikaner wird. Chancen hätte sie eh keine, aber die Rede-Duelle mit Obama hätten Kino-Charakter !

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • G. Müller am 08.06.2011 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    gleich 2 Rohrkrepierer,- wow!

    Wenigstens befinden sich ihre Fans auf der gleichen Ebene. Aber was hatte sie eigentlich damit sagen wollen? Irgendwie schafft es die Dame, gleich 2 Schüsse nach hinten loszulassen.

  • Steve Carter am 08.06.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sich mit der Geschichte Paul Reveres

    auskennt, der weiss auch, das Palin eben NICHTS falsches gesagt hat. Das stimmt tasächlich so. Revere HAT die Briten gewarnt. So wie die Polizei jemanden warnt, nichts dummes zu tun.

  • Mike Cadell am 08.06.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Womit sie aber nicht falsch lag

    Revere wurde nämlich von den Engländern gefangen genommen und HAT die Engländer tatsächlich "gewarnt", dass er hunderte Colonials alarmiert hätte, die auf dem Weg zu den Engländern seien. Natürlich war die Warnung als Drohung gedacht. Aber die superschlauen Schweizer lassen sich gerne Tina Fay als Palin vormachen *LOL*

    • Markus Abgas am 08.06.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      irren ist menschlich!

      Du meinst wohl Tina Fey...

    • Pascal Scherrer am 08.06.2011 23:40 Report Diesen Beitrag melden

      Tina

      Fey ;P

    einklappen einklappen
  • Steven D. am 08.06.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    So ist das halt.

    Frau zu sein macht noch lange keine gute Führungskraft aus, auch wenn man gemäss den heutigen Medien diese Schlussfolgerung daraus ziehen könnte.

  • Silber Fischli am 08.06.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Palin hat Stil!

    Palin hat es nicht nötig, jedes ihrer Worte auf die Goldwaage zu legen. Sie ist aufgestellt und gut drauf und es wäre Spitze, wenn sie den farblosen Obama verdrängen könnte. Eine tolle Frau, in jeder Hinsicht!

    • Micha am 08.06.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Den ganzen Stuss, den Obama schon rausgelassen hat ( US Marine Corpse, 58 Bundesstaaten etc ), den schweigt man still und Palin werden Dinge vorgeworfen, die Tina Fay in SNL sagte.

    • Ton Ton am 08.06.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Jeder für 5 Minuten Präsident!

      mh ja, das ist hipp wie mit der Spraydose ein wenig graue Wände bunt ansprühen. Nur dass die ganze Welt davon eingenebelt würde, weil sie sich um das höchste Amt im Staate Amerika bewirbt. Da dürft man schon etwas mehr als "gut drauf sein" erwarten. Z.B. ein wenig Faktenkenntnisse über das, was die Welt bedroht (leider meistens im Ausland zu finden... da ist die Sarah ja noch weniger sattelfest)

    einklappen einklappen