Blutbad in Tucson

12. Januar 2011 17:01; Akt: 12.01.2011 17:29 Print

Palin gibt sich präsidial – und attackiert Kritiker

In einem Video hat sich Sarah Palin erstmals ausführlich zur Bluttat von Tucson geäussert. Sie beschuldigt ihre Kritiker, eine «Ritualmord-Legende» zu konstruieren.

Sarah Palin: "America's Enduring Strength" from Sarah Palin on Vimeo.

Sarah Palins achtminütige Ansprache zur Bluttat von Tucson.
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Nur zwei dürre Statements hatte die frühere Gouverneurin von Alaska bislang zum Massaker veröffentlicht, bei dem die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords lebensgefährlich verletzt wurde. Damit zog sie zunehmend Kritik auch von republikanischer Seite auf sich, denn Palin hatte letztes Jahr eine Landkarte im Internet veröffentlicht, auf dem unter anderem der Wahlkreis von Giffords mit einem Fadenkreuz markiert war.

Nun hat sie ihr Schweigen gebrochen. Am Mittwoch stellte Sarah Palin ein Video ins Internet mit einer fast achtminütigen Ansprache. Sie zeigt die für ihren aggressiven Stil bekannte Politikerin betont staatsmännisch, fast schon präsidial. Vor einem Kamin und einer amerikanischen Flagge versicherte sie den Opfern und Angehörigen ihr Beileid. Der Anschlag habe ihr «das Herz gebrochen», erklärte die republikanische Politikerin.

Heikler Vergleich

Mit deutlichen Worten verwahrte sie sich gegen die Vorwürfe ihrer Kritiker, durch polarisierende Rhetorik zum vergifteten politischen Klima und damit indirekt zur Bluttat beigetragen zu haben. «Monströse Verbrechen stehen für sich selbst, sie beginnen und enden mit den Kriminellen, die sie begehen», betonte Palin und zitierte Ronald Reagan, wonach nicht die Gesellschaft für die Taten Einzelner verantwortlich gemacht werden könne.

Journalisten und Kommentatoren sollten «keine Ritualmord-Legende konstruieren», damit würden sie nur den Hass und die Gewalt anheizen, die sie angeblich verurteilten, erklärte Palin. Und zog damit bereits wieder Kritik auf sich, denn der Ausdruck «Ritualmord-Legende» (englisch Blood Libel) bezieht sich auf die einst von Antisemiten verbreiteten Gerüchte über angebliche Ritualmorde von Juden an christlichen Kindern. Sie waren oft Auslöser von Pogromen. Der Vergleich ist nicht zuletzt deshalb heikel, weil Gabrielle Giffords Jüdin ist.

Spekulationen über Kandidatur

Das professionell gemachte Video dürfte auch «die Spekulationen anheizen, dass Palin 2012 für die Präsidentschaft kandidiert», so der Blog «The Caucus» der «New York Times». Zumindest habe sie ihren innerparteilichen Rivalen die Show gestohlen. Auf die Forderungen ihrer Kritiker aber ist sie kaum eingegangen. Ehemalige Vertraute von George W. Bush hatten verlangt, sie müsse Anteilnahme zeigen und sich der Debatte mit ihren Gegnern stellen. Stattdessen hat Sarah Palin einmal mehr Einweg-Kommunikation praktiziert.

(pbl)