21. April 2005 08:09; Akt: 21.04.2005 08:49 Print

Papst Benedikt XVI.: Einheit und Toleranz

In seiner ersten Messe als Papst Benedikt XVI. hat der frühere Kardinal Joseph Ratzinger ein Bekenntnis zur Einheit des Christentums und zum Dialog mit anderen Religionen abgelegt.

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Er wolle an das Erbe seines Vorgängers Johannes Paul II. anknüpfen und «ohne Unterlass für die Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Christen arbeiten», sagte Benedikt XVI. am Mittwoch in seiner der Tradition entsprechend auf Lateinisch gehaltenen Predigt in der Sixtinischen Kapelle.

Mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen wolle er in einen «offenen und ernsthaften Dialog» eintreten. In seinem neuen Amt wolle er sich von der Hand des verstorbenen Johannes Paul II. leiten lassen.

«Überrascht»

Er spüre «ein Gefühl der Unzulänglichkeit und des inneren Aufruhrs» angesichts der grossen Verantwortung, sagte der 78- jährige Deutsche. Er bat das anwesende Kardinalskollegium, ihn «mit Gebeten und mit aktiver und kenntnisreicher Zusammenarbeit» zu unterstützen.

Seine Wahl zum Papst habe ihn überrascht, bekannte Benedikt XVI.: «In Verwirrung all meiner Erwartungen hat mich die göttliche Vorsehung durch die Stimmen der Kardinäle gerufen, diesem grossen Papst nachzufolgen.»

«Hab keine Angst»

In bewegenden Worten sprach Benedikt XVI. über seinen verstorbenen Mentor und Vertrauten Johannes Paul II.: «Ich kann spüren, wie seine starke Hand die meine hält. Ich spüre, dass ich seine lachenden Augen sehen kann und seine Stimme höre, die zu mir spricht: 'Hab keine Angst.'»

Benedikt XVI. liess seine Bereitschaft erkennen, die kirchliche Macht stärker zu verteilen: Er wolle die «Kollegialität» weiterentwickeln, die Zusamenarbeit mit den Bischöfen der Ortskirche.

Der neue Papst bekannte sich ausdrücklich zum Zweiten Vatikanischen Konzil, mit dem die Kirche in den 60er Jahren unter Papst Johannes XXIII. eine vorsichtige innere Modernisierung und eine Öffnung zur Welt einleitete.

Benedikt XVI. nahm am Mittwochabend sein erstes Bad in der Menge. Rund 2000 Menschen jubelten dem ganz in weiss Gekleideten zu, als er seine bisherige Wohnung verliess, die rund 200 Meter vom Vatikan entfernt gelegen ist. Am Mittwochnachmittag hatte er die Wohnräume seines Vorgängers Johannes Paul II. im Apostolischen Palast übernommen.

Weitgehend postive Reaktionen

Weltweit wurde die Wahl des Deutschen von Staats- und Regierungschefs sowie von Katholiken weitgehend positiv aufgenommen, doch gab es auch sehr kritische Stimmen.

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sagte, er akzeptiere und respektiere die Wahl. «Aber es wird schwer sein, diesen Papst zu lieben wegen seiner Haltung zur Kirche und zur Welt.» Boff war 1985 von Joseph Ratzinger als damaligem Leiter der Glaubenskongregation zu «unterwürfigem Schweigen» verpflichtet worden.

In Afrika mischten sich unter die positiven Stimmen katholischer Kirchenführer skeptische Äusserungen von Aids-Aktivisten. Südafrikas anglikanischer Erzbischof Desmond Tutu äusserte sich enttäuscht über die Wahl. Der neue Papst sei «streng konservativ und habe keinen Bezug zur Gegenwart», sagte der Friedensnobelpreisträger.

(sda)