20. April 2005 07:27; Akt: 20.04.2005 07:31 Print

Papst Benedikt XVI. hält erste Messe in Latein

Der neue Papst Benedikt XVI. wird am Mittwochmorgen in der Sixtinischen Kapelle in Anwesenheit der Kardinäle seine erste Messe abhalten. Das neue Oberhaupt der Katholischen Kirche wird die Predigt dabei auf Lateinisch halten.

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Dies erklärte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil vor 40 Jahren war Latein die vorherrschende Liturgie-Sprache in katholischen Gottesdiensten; erst danach konnten Messen auch in den jeweiligen Landessprachen abgehalten werden.

Johannes Paul II. hatte nach seiner Wahl im Oktober 1978 keine Messe in der Sixtinischen Kapelle abgehalten, sondern die Kardinäle im Presbyterium empfangen. Er hatte auf Italienisch zu ihnen gesprochen.

Schwierige Wahl

Der 78-jährige bayerische Kurienkardinal Joseph Ratzinger war am Dienstagabend von den Kardinälen im Vatikan zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt worden. Die Wahl des neuen Papstes sei schwierig gewesen, berichtete der Kölner Kardinal Joachim Meisner aus dem Konklave.

«Jetzt ist allen eine Last abgefallen.» Bei der Wahl seines Namens habe sich Ratzinger auf Benedikt XV. (1914-22) bezogen, weil dieser «so viel für den Frieden zwischen den Völkern» getan habe.

Bush: «Ein Mann, der Gott dient»

Nach der Wahl sprachen weltweit Vertreter der Kirchen und Politiker dem neuen Pontifex ihre Anerkennung aus. Er wurde vor allem als scharfsinniger und erfahrener Theologe gewürdigt. In Deutschland überwogen nach der Wahl Freude und Stolz.

«Dass ein Landsmann Papst geworden ist, erfüllt uns in Deutschland mit besonderer Freude und mit ein wenig Stolz», sagte Bundespräsident Horst Köhler. Der 78-jährige Ratzinger ist das erste deutsche Oberhaupt der katholischen Kirche seit 480 Jahren.

Die Bischofskonferenz von Brasilien, dem Land mit den meisten Katholiken weltweit, nahm die Entscheidung des Konklaves in Rom mit «Freude und Hoffnung» auf.

US-Präsident George W. Bush lobte den neuen Papst Benedikt XVI. als Mann mit «grosser Weisheit und Erfahrung». «Er ist ein Mann, der Gott dient», sagte Bush.

Küng: «Riesenenttäuschung»

Doch wurden auch kritische Stimmen laut. Reformkräfte der katholischen Kirche äusserten Zweifel an der Reformbereitschaft des neuen Papstes. Der Schweizer Theologe Hans Küng sprach von einer «Riesenenttäuschung» für alle Reformorientierten.

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff äusserte sich ebenfalls skeptisch. Als Christ akzeptiere und respektiere er die Wahl der Kardinäle, sagte der vor allem in den 70er und 80er Jahren aktive Theologe.

«Aber es wird schwer sein, diesen Papst zu lieben wegen seiner Haltungen zur Kirche und zur Welt», sagte der 66-Jährige, der 1985 von Joseph Ratzinger als damaligem Leiter der Glaubenskongregation zu «unterwürfigem Schweigen» verpflichtet worden war.

(sda)